• Samstag, 06. Januar 2018
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Warum Gerlinde zur Veganerin auf Zeit wird

  • Gerlinde Jänicke Tisch mit Brötchen und veganen Lebensmitteln Mann
    Gerlinde tut es tatsächlich: Drei Monate möchte die Radiomoderatorin und QIEZ-Kolumnistin vegan leben. Foto: QIEZ / externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke

Gerlinde Jänicke ist Moderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal tut sie etwas, was viele nicht für möglich gehalten hätten.

Die passionierteste Fleischesserin, die mir je begegnet ist, bin ich selbst. Currywurst, Schnitzel, Steak, Döner, Leberwurststulle – ich möchte behaupten, jeden Tag kommen tierische Produkte bei mir auf den Tisch. Ich mag das, weil es ursprünglich ist, wild, und weil ich das Gefühl habe, es macht mich stark und sexy.

Ich rechnete mit Verwunderung meines Umfelds, aber nicht mit so viel Bestürzung, als ich mich kurz vor Silvester dafür entschied, für drei Monate vegan zu leben. "Bitte lass es!" "Das ist total ungesund!" "Veganer sind zickig!" Das sind nur einige der Reaktionen, die ich bekam, als ich mein Vorhaben auf Facebook etc. gepostet habe. Ein bisschen so, als hätte ich geschrieben, ich würde ab sofort mit Crystal Meth dealen oder netten Omis abends die Handtaschen klauen. Leute, ich esse einfach nur anders. Interessanterweise hat noch nie jemand unter meine früheren Fleisch-Postings Videos von Schlachthöfen gestellt. Dabei heißt es doch, die Veganer seien so militant.

Warum mache ich das? Es ist ein Test. Und der 1. Januar ist natürlich auch ein ideales Datum für gute Vorsätze . Ich will wissen, ob ich ohne tierische Produkte leben kann. Denn ich weiß, so unbeschwert wie ich mit meinen Essgewohnheiten umgehe, das kann nicht gut sein. Und ich neige zu Extremen. Klar hätte ich als Vegetarierin anfangen können. Aber ich mag Tiere, ich weiß wie sie leiden, und ob die Kuh nun gegessen wird oder ich ihre Milch trinke, macht wahrscheinlich nur einen geringen Unterschied. Also gleich das ganze Paket.

Aber bitte keine Jackfrucht!

Unterstützt werde ich dabei von meiner veganen Freundin Amanda. Schon vor meinem Entschluss hat sie – sehr sanft – versucht mich zu therapieren. Berlin hat genügend vegane Alternativen zu regulären Restaurants, immer wieder bekocht sie mich mit feinsten Speisen. Das Fleisch fehlt mir in den Gerichten nicht. Allerdings musste ich beim letzten Dessert passen. Es gab Jackfrucht. Die Jackfrucht ist die größte Baumfrucht der Welt und kann bis zu 40 Kilo schwer werden. Sie wächst unter anderem in Sri Lanka, Thailand und Brasilien. Gesund ist sie auf jeden Fall. Sie enthält Kalzium, Eisen, Magnesium und B-Vitamine. Leider schmeckt sie ungekocht wie sieben Tage alter, schimmeliger Abfall. Furchtbar!

Ich taste mich langsam an meine neue Ernährung heran. Der erste Tag im neuen Jahr beginnt mit einer Herausforderung. Ich bin zum Brunch im Restaurant eingeladen, meine Freunde und ich treffen uns im gemütlichen Jules Verne in Charlottenburg. Das Buffet ist reichhaltig. Königsberger Klopse, Sahnesauce, gedünsteter Fisch, Müsli mit Milch, Eierspeisen, alles was ich liebe. Nach veganen Alternativen muss ich suchen. Das Ergebnis sind grüne Bohnen, Artischocken und Kartoffeln auf meinem Teller. Ohne Sauce. Mir fehlt nicht wirklich was. Komisch. Vielleicht weil ich weiß, dass das hier keine Entscheidung fürs Leben sein muss, sondern eine spannende Challenge. Am Abend bestelle ich Sushi, statt Garnelen wähle ich Avocado und Rettich.

Bohnen, Kartoffeln und Artischocken: Manchmal ist das vegane Angebot überschaubar. ©Gerlinde Jänicke Bohnen, Kartoffeln und Artischocken: Manchmal ist das vegane Angebot überschaubar. ©Gerlinde Jänicke

Veganer Genuss

Seit knapp einer Woche achte ich genau auf das, was ich esse. Einiges mag ich, einiges nicht. Sojajoghurt, Reisdrink, Snackbällchen mit Mango-Chutney mag ich zum Beispiel sehr gerne. Und ich koche. Ich experimentiere mit allem, was ich gerne mag. Neulich zum Beispiel habe ich eine hervorragende Erbsen-Maronensuppe gekocht. Statt Sahne gab es Kokosmilch dazu, außerdem einen Schuss Orangensaft, Salz, Pfeffer, Curry und ordentlich Knoblauch.

Innerhalb dieser knappen Woche habe ich kaum Veränderungen bemerkt. Ein bisschen müde bin ich, was allerdings auch daran liegen kann, dass ich mehr Wasser trinken sollte. Ich freue mich auf die nächsten drei Monate. Ich werde neue Restaurants kennenlernen, wie das Lucky Leek im Kollwitzkiez, gelobt für innovative Küche und sehr nettes Personal, das Vaust in Charlottenburg mit vorwiegend deftiger Küche und das Viasko in Kreuzberg, in das Pelzträger nicht reingelassen werden, was ich irgendwie konsequent finde.

Als erstes allerdings freue ich mich morgen auf das Menü, das meine fürsorgliche Freundin Amanda für mich vorbereitet hat. Drei vegane Gänge, auf die ich mich sehr freue. Und wer denkt, Veganer hätten keinen Humor, achtet bitte auf die letzten zwei Worte in der Speisekarte:

Winterliches Neujahrs-Menü am Sonntag, 7. Januar 2018

Vorspeise

Feines Maronensüppchen mit Zimt

Hauptgang

Deftiges Zwiebelfleisch in Senfsud mit Knoblauchtomaten und Salat vom schwarzen Reis

Dessert

Auswahl an süßen Köstlichkeiten ohne Jackfrucht

Lucky Leek

Kollwitzstraße 54
10405 Berlin

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Quelle: QIEZ
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