• Freitag, 23. März 2012

Gesundheitsreport

Berliner leiden länger

  • Untersuchung beim Arzt
    Am dritthäufigsten leiden die Berliner an psychischen Erkrankungen. Foto: istockphoto.com - ©kristian sekulic

Laut einer DAK-Studie sind die Berliner häufig länger krank. Besonders stark betroffen sei der öffentliche Dienst. Zudem treten immer mehr psychische Erkrankungen auf.

Beschäftigte in der Hauptstadt sind häufiger krank als der Durchschnitt der Bundesbürger. Auffällig oft sind die Mitarbeiter der Ämter und Verwaltungen, der Transportunternehmen und der Gesundheitsbranche betroffen. Das ergab eine Studie der Krankenkasse DAK unter ihren Versicherten für 2011. Die Analyse bestätigt einen Trend der vergangenen Jahre und ergänzt Auswertungen anderer Krankenkassen.

Anders als im Bundesdurchschnitt stiegen die Krankmeldungen in Berlin 2011 zwar nicht an, dennoch lag der durchschnittliche Krankenstand mit 3,9 Prozent der Berliner Arbeitstätigen nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt von 3,6 Prozent. Im öffentlichen Dienst fehlten sogar 5,3 Prozent der Mitarbeiter wegen Krankheit – das heißt, in einer Verwaltung mit 1000 Mitarbeitern fielen im Durchschnitt 2011 täglich 53 Kollegen aus.

Problemzonen: Rücken und Psyche

Laut DAK waren Selbstständige und Freiberufler unterdurchschnittlich oft krank gemeldet. Dies hat Experten zufolge mit Gratifikationskrisen zu tun. Demnach leidet jeder zehnte Befragte in Berlin unter arbeitsbedingtem Stress, der vor allem durch fehlende Gratifikation entsteht: etwa wenn Beschäftigte nicht gelobt, ungenügend bezahlt oder am Aufstieg gehindert werden. Ein Problem, welches bei freiberuflichen Künstlern und Anwälten so nicht existiert.

Für die Betroffenen bestünde jedoch ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko, sagte DAK-Landeschefin Steffi Steinicke. Sie wies am Donnerstag auch darauf hin, dass der einzelne Krankheitsfall in Berlin mit durchschnittlich 12,7 Tagen länger als im Bundesdurchschnitt mit 11,5 Tagen dauere. 2011 wurden am häufigsten Muskel-Skelett-Erkrankungen, also etwa Rückenschmerzen, Atemwegsprobleme und Seelenleiden diagnostiziert. Dies geht auch aus Zahlen anderer Versicherungen hervor. Beängstigend sei der anhaltende Trend bei psychischen Leiden, so Steinicke. Diese machten ein Siebtel des Krankenstandes aus. Hinzu kommt, dass an Depression Leidende im Schnitt 29 Tage fehlen.

Je älter, desto länger krank

Ein Trend, der der Senatsinnenverwaltung von Frank Henkel (CDU), die formal für die öffentlichen Beschäftigten zuständig ist, bekannt ist. Staatssekretär Andreas Statzkowski hatte unlängst erklärt, Gesundheitsmanagement müsse stärker als bisher mit der Personalentwicklung verzahnt werden. Es gehe um eine "an Wertschätzung orientierte Verwaltungskultur". Allerdings weist die Innenverwaltung auf die demografische Entwicklung hin: Weniger neue, junge Mitarbeiter, dafür älter werdende Stammbeschäftigte führen zu höherem Krankenstand.

Der Gesundheitsexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, Heiko Thomas, fordert den Senat auf, "komplett umzuschalten, wenn er einen guten öffentlichen Dienst will." Es werde immer schwieriger, junge Menschen für Behördenjobs zu motivieren. "Der alte Senat ist teilweise mit der Brechstange vorgegangen", sagte Thomas. Die Beschäftigten hätten sich durch abwertende Äußerungen in ihrer Arbeit nicht bestätigt gefühlt. Vor allem in den Bezirksämtern sei der Umgangston – auch durch die Bürger – oft derb. Dies bezeugten Personalvertreter, sie sprachen auch von nicht vorhandener Führungskultur.

Die DAK ist eine der größten Kassen Deutschlands. Sie vertritt 214.000 Berliner Versicherte. Der Krankenstand in Brandenburg war ihr zufolge 2011 auf einem Allzeithoch von 4,6 Prozent. Stark betroffen waren auch dort die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen.

Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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