• Dienstag, 10. Oktober 2017
  • von Yuki Schubert

Serienstart am 13. Oktober

Babylon Berlin: Wenn die Stadt zur Hauptfigur wird

  • Sängerin und nackte Tänzerinnen auf Bühne.
    Der Song von der Sängerin Nikoros (Severija Janušauskaitė) ist ein absoluter Ohrwurm. Erleben kannst du ihn in der Serie Babylon Berlin, die im Oktober auf Sky startet. Foto: externe Quelle - ©Frédéric Batier/X Filme 2017

Die 20er in Berlin: Sündenpfuhl trifft auf Emanzipation, ausgelassene Partystimmung und Korruption. Dieser Hexenkessel wird noch durch die Bedrohung der Demokratie befeuert. Und genau in diese Zeit bringt dich die Serie Babylon Berlin. Wir haben die ersten vier Folgen gesehen und mit Hauptdarsteller Volker Bruch gesprochen.

Verschwommene Gesichter, schwerer Atem und eine eindringliche Stimme: Eine Hypnosesitzung bringt einen jungen Mann zu Schweißausbrüchen. Er soll zu der Quelle seiner Angst gelangen – genau dann verändert sich die Szenerie, statt in einem dunklen Zimmer spielt sich nun alles in einer Kirche in Köln ab. Der Zuschauer taucht ein in die Vergangenheit des jungen Kommissar Gereon Rath. Der steht in Uniform gekleidet vor dem Kreuz, als wieder die bedeutungsschwangere Stimme ertönt: "Es ist der Sommer, kurz bevor du eingezogen wurdest, um alles hinter dir zu lassen. Da ist auch die Frau, die dich liebt, doch da ist etwas, was dich von ihr trennt!

Erneuter Zeitsprung: Es ist das Jahr 1929 und Gereon Rath befindet sich in Neukölln . In einer Männertoilette ist er wieder in Panik, seine Hände zittern unerlässlich und nur mit sehr viel Anstrengung kann er ein Fläschchen zücken mit einer bräunlichen Flüssigkeit. Erst nach dessen Einnahme beruhigt er sich und kann zu seinen Kollegen sowie der bevorstehenden Razzia eines Pornodrehs zurückkehren.

40 Millionen Euro Budget

So beginnt die Geschichte der bisher teuersten deutschen Serie Babylon Berlin. Rund 40 Millionen Euro haben ARD Degeto und der Pay TV Sender Sky in die 16 Folgen der ersten beiden Staffeln der Serie gesteckt. Während die ARD die Serie erst Ende 2018 zeigt, läuft sie ab dem 13. Oktober auf Sky. In den USA wird die Serie auf Netflix ausgestrahlt.

Babylon Berlin basiert auf der Krimi-Reihe von Volker Kutscher (Der nasse Fisch) und katapultiert den Zuschauer in die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der Zeit hinein. So ereignete sich 1929 im Herbst ein Börsencrash und die darauf folgende Weltwirtschaftskrise stürzte Menschen aus allen Schichten in die Armut. Außerdem wüteten beim sogenannten "Blutmai“ Straßenschlachten zwischen Polizei und Berliner Arbeitern. Zahlreiche Demonstranten und Unbeteiligte wurden getötet.

Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) © Frédéric Batier/X Filme 2017 Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) © Frédéric Batier/X Filme 2017

Der Glanz der Goldenen Zwanziger beginnt zwar zu bröckeln, doch noch lässt der Charleston allabends die Hüften kreisen, die Sexualisierung der Gesellschaft bringt pornografische Filme hervor und die Girlkultur feiert ein neues Selbstbewusstsein der Frau.

Inmitten dieser historischen Prämissen entspinnt sich die Geschichte um den Kölner Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und die Stenotypistin Charlotte Ritter. Rath ist gezeichnet vom Krieg und dem Tod des Bruders. In Berlin versucht er einen Fall zu lösen, der bis in hohe politische Kreise reicht. Charlotte verdient sich als halbseidenes Mädchen noch etwas dazu, um ihre von Armut geplagte Familie zu unterstützen. Bei ihrer Arbeit wiederum auf dem Revier entdeckt Charlotte ihre Passion für die Ermittlung. Als der russische Geiger Kardakow, der zuvor in Raths Zimmer lebte, verschwindet, tun sich die beiden zusammen und geraten schnell in einen Strudel aus Machenschaften in der Unterwelt, Korruption sowie Drogen- und Waffenhandel.

Warum solltest du die Serie gucken?

Berlin wird in der Serie zur weiteren Hauptfigur. Die Metropole gehörte in den 20ern zu der drittgrößten Stadt nach London und New York und zog die ganze Welt an. Dadurch ist das gezeigte Berlin ein kultureller Melting Pot mit vielen unterschiedlichen Seiten. Während das Polizeipräsidium das Zentrum des Rechtsstaates und der Demokratie darstellt, wird der Vergnügungspalast Moka Efti zum Bordell und in dunklen Ecken formieren sich Revolutionäre und Gegner der Demokratie. Um den Zuschauer diese Vielseitigkeit auch zu zeigen, nutzten die Serienmacher Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten beinahe 300 Drehorte. In Berlin und Brandenburg sind es 52 Sets.

Außerdem ist Babylon Berlin ein in sich stimmiges Gesamtkunstwerk. Der beschriebene Schmelztiegel der Stadt wird sowohl durch den Score und die genutzte On-Screen-Musik wiedergegeben als auch durch das Kostümbild und den Opener der Serie. Bis ins kleinste Detail wird die energetische Stimmung Berlins übersetzt und das auch kreativ durch Techno-Beats .

 

Die Serie scheut sich nicht vor Komplexität. Viele Charaktere treffen aufeinander und unterschiedliche Handlungsstränge verweben sich. Dabei verbleiben die Motive vieler Figuren zunächst weitgehend im Dunkeln, was der Serie eine ordentliche Portion Spannung mitgibt. Auch Antagonisten wie Armenier (Mišel Matičević) tauchen nur kurz auf, verschwinden dann aber wieder, was ihre Bedrohung unberechenbarer macht. Besonders vielversprechend ist dabei die Figur des Oberkommissars Bruno Wolters (Peter Kurth). Ein ruppiger Bursche, der Kriegsrückkehrer schon mal als "kaputte Automaten" bezeichnet. Relativ schnell wird klar, dieser Typ hat Dreck am Stecken. Doch dabei bleibt es nicht, Wolters ist nämlich auch der liebende Ehemann, der im nächsten Schritt zum ekelhaften Freier von Charlotte wird. Genau diese Vielschichtigkeit vermisst man sonst in deutschen Produktionen.

Minuspunkte gibt es für die zu herausstechenden Green-Screen-Momente, zum Beispiel wenn sich Gereon Rath im Auto befindet. Auch ist es erstaunlich, dass dem Innenleben von ebenjenem so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und Charlotte fast keine, obwohl sie sich in harschen sozialen Verhältnissen befindet und diese auch in der Erzählung eine Rolle spielen.

Fazit: Babylon Berlin ist ein deutsches Serien-Großprojekt, dem man die Millionen durchaus ansieht. Das Kollektiv der kinoerprobten Regisseure Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten bringt viel Know-How mit, was dem Stoff sehr dienlich ist. Tykwer war ja allein kläglich an der Verfilmung von Das Parfüm gescheitert. Nach den ersten vier Folgen können wir sagen, ja wir wollen weiter gucken. Von den Superlativen halten wir aber nichts, denn schon absolute Serienschlager wie True Detectives haben gezeigt, dass nicht alle an eine bahnbrechende erste Staffel anknüpfen können. Außerdem sollte, bevor von Fortsetzung gesprochen wird, der doch wichtigste Kritiker, nämlich der Zuschauer, miteinbezogen werden.
 

 

Ein Beitrag geteilt von Volker Bruch (@volker.bruch) am

14. Sep 2016 um 2:13 Uhr

 

Interview mit Volker Bruch

QIEZ: Wie lange hat der Dreh gedauert und wann startete die Vorbereitung?

Volker Bruch: "Sieben Monate habe ich fast täglich gedreht, daher mussten wir alles im Vorfeld schon proben. In den vorherigen drei Monaten Vorbereitungszeit haben wir uns vor allem auf das Drehbuch konzentriert, aber auch die Tanzeinlagen haben wir während der Zeit einstudiert."

Welche Kulisse fandest du besonders aufregend?

V.B.: "Der Nachtclub Moka Efti, der in dem alten Stummfilmkino Delphi in Weißensee entstand, gehörte für mich zu den eindrucksvollsten Kulissen. Alle Komparsen wurden einzeln von dem Kostümbildner Pierre-Yves Gayraud eingekleidet. Und unser Szenenbildner Uli Hanisch sorgte immer wieder für neue Überraschungen. Dort stapelten sich Champagnergläser und plötzlich stand Bryan Ferry auf der Bühne, da denkst du schon – wo bin ich hier gelandet?"

Was hat dich gerade an der Rolle des Kommissars Rath gereizt?

V.B.: "Gereon Rath hat einen riesigen Rucksack, den er mit sich rumschleppt. Wenn man die Bücher liest, dann hat man schon das Gefühl, in dieser Figur ist noch viel verborgen und das ist sehr reizvoll. Auch alle anderen Figuren in der Geschichte wissen ihn nicht recht einzuordnen und das macht ihn unberechenbar. Natürlich ist es auch spannend eine Figur über so eine lange Strecke zu spielen."

Wie war es, mit so vielen Regisseuren zu arbeiten?

V.B.: "Wir haben nie mit allen drei Regisseuren gleichzeitig gedreht. Es gab Blöcke, wo man mit den jeweiligen Teams zum Beispiel für sechs Wochen am Stück gedreht hat. Teilweise auch parallel in der Stadt. Gab es diese Überlappungen, kam es schon mal vor, dass ich Montag bis Mittwoch mit Tom gedreht habe und dann den Rest der Woche mit Henk oder Achim. So wurde man nie bequem, da jeder Regisseur andere Anforderungen hatte. Wir als Schauspieler haben dadurch viele neue Anreize bekommen und das hat mir unglaublich gut gefallen."

Adresse

Gustav-Adolf-Straße 2
13086 Berlin

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Quelle: QIEZ
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