• Dienstag, 17. Februar 2015
  • von Nikolaus Triantafillou

Kommentar

5 Einwände gegen ein Alkohol-Verkaufsverbot

  • Späti an der KMS
    Spätshops wie dieser Laden in der Karl-Marx-Straße könnten unter einem nächtlichen Verkaufsverbot von Alkohol leiden. Foto: QIEZ - ©Lea Albring

Die Berliner Koalitionsfraktionen SPD und CDU diskutieren über ein generelles Verbot des öffentlichen Verkaufs von Alkohol zwischen 22 und 5 Uhr. Doch wäre eine solche Regelung hilfreich und der Party-Hauptstadt angemessen? Wir haben da unsere Zweifel …

1. Zugegeben: Jenseits der 30 überlegt man sich schon, ob das Bier auf dem Weg zur nächsten Party wirklich nötig ist – wenn man denn überhaupt noch mehr als ein Event pro Abend schafft. Doch wir erinnern uns auch an früher: Da gehörte Alkohol in vertretbaren Maßen zum Ausgehen dazu. Die Menschen, die auch ohne Spaß haben können, verdienen Hochachtung, doch in der Mehrzahl sind sie wohl nicht. Erwachsenen Bürgern würde durch ein nächtliches Verkaufsverbot die Freiheit genommen, ihre Nacht so zu gestalten, wie sie möchten – eine Bevormundung all derer, die verantwortlich mit Alkohol umgehen können.

2. Dass Jugendliche und Kinder Alkohol häufig missbräuchlich trinken ist unbestreitbar. Wären als Reaktion darauf aber nicht neben Aufklärungsarbeit erst mal empfindliche Ordnungsgelder für Verkäufer nötig, die den 'Stoff' an Minderjährige abgeben? Die Kollegen vom Tagesspiegel haben dazu einen Versuch mit einer Schülerpraktikantin als Testkäuferin gemacht – mit besorgniserregendem Ergebnis. Daher sollten die bezirklichen Ordnungsämter personell in die Lage versetzt werden, viel mehr Kontrollen durchzuführen als bisher – etwa wie bereits geschehen mit minderjährigen Azubis.

3. Es geht in Berlin ja gar nicht in erster Linie um die Existenz von Tankstellen. Ohne den Verkauf von Alkohol wären viele Spätshops, liebevoll "Spätis" genannt, gefährdet. Über ihre Notwendigkeit kann man diskutieren, aber sie haben sich dank des liberalen Berliner Ladenschlussgesetzes zu einem festen Bestandteil der hiesigen Geschäftswelt und Einkaufskultur entwickelt. Sogar Bücher über sie gibt es schon. Häufig handelt es sich um kleine Familienbetriebe, an denen mehrere wirtschaftliche Existenzen hängen.

 

4. International hat Berlin auch deswegen seinen Ruf als attraktive Ausgeh-Metropole gegenüber Weltstädten wie London, Paris oder New York behaupten können, weil es viele Freiräume gab. Keine Sperrstunde, spannende und nicht überreglementierte Orte für Clubs sowie eben die Möglichkeit, auch nachts noch einzukaufen. Manche Location ist bereits der Gentrifizierung zum Opfer gefallen. Berlin sollte daher vorsichtig sein, welche Errungenschaften es noch aufgibt – auch wenn einem beispielsweise die nationale wie internationale Parade der Besoffenen auf der Warschauer Brücke durchaus auf den Geist gehen kann.

5. Wie kam es eigentlich zur Diskussion über ein nächtliches Verkaufsverbot? Von den Befürwortern wird unter anderem der jüngste Drogenbericht aus Baden-Württemberg angeführt, wo seit 2010 zwischen 22 und 5 Uhr außer in gastronomischen Betrieben kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Seither ist die Zahl der in Kliniken gebrachten betrunkenen Jugendlichen um 7 Prozent gesunken. Doch der Tagesspiegel berichtet, dass die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung in Berlin innerhalb von drei Jahren sogar um 25 Prozent zurückgegangen ist. Besteht also echter Handlungsbedarf oder ist die Debatte doch eher auf die Medien zielender Aktionismus?

 

"Lauter vernünftig mit Alkohol umgehende Berliner und Touristen – das wird leider eine Utopie bleiben. Ein nächtliches Verkaufsverbot ändert daran nichts Grundlegendes. Und denkt auch jemand an ganz normale Arbeitnehmer, die Spätdienst haben und sich um halb elf noch ein Feierabendbier kaufen wollen?"Nikolaus Triantafillou

Adresse

Schlesische Straße 3-4
10997 Berlin

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Quelle: QIEZ
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