• Donnerstag, 23. Februar 2017
  • von Julia Kämmerer

Top-Liste

Top 10: Krimis und Thriller aus Berlin

  • Brandenburger Topr mit grauem Himmel Wolken düster
    Berlin hat auch seine dunklen Seiten. Bestens erzählen davon Thriller und Krimis, die in der Hauptstadt spielen. Foto: Unsplash

Berlin ist nicht nur voller Sonnenschein. Im Schatten der Stadt lauern Kleinkriminelle oder Mörder. Polizisten verfolgen die Spuren des Verbrechens. Die Thriller und Krimis dieser Autoren spielen in unserer Stadt und rauben dir garantiert den Schlaf.

Volker Kutscher: Der nasse Fisch

Einige meinen, das Berlin der 1930er Jahre wäre auserzählt. Aber die haben vermutlich noch nichts von Volker Kutscher gelesen. Ihm gelingt es, spannend zu schreiben und mit seinem gründlich recherchierten Hauptstadt-Porträt eine der besten Berliner Krimi-Reihen zu liefern, die aktuell auf dem Buchmarkt zu haben sind. Und weil die Romane um Komissar Gereon Rath das kriminelle Berliner Milieu ab 1929 chronologisch abbilden, lohnt es sich, mit dem ersten Band Der nasse Fisch einzusteigen. Da ist Friedrichshain noch in den Händen zwielichtiger Gestalten und Berlin eine Stadt voller Kokain, Straßenschlachten und illegaler Nachtclubs. Mittendrin möchte sich der Kommissar in der neuen Heimat hocharbeiten und geht auf eigene Faust einem Mord nach, der ihn viel schneller in die Berliner Unterwelt zieht, als ihm lieb ist. Gerade ist außerdem mit Lunapark der sechste Fall von Kommissar Gereon Rath in nur zwei Monaten zum Bestseller avanciert.
Der nasse FischKiepenheuer&Witsch, Taschenbuch: 8,95 Euro, Lunapark Hardcover: 22,99 Euro


Michael Tsokos: Zerschunden

Auch er ist ein Mann vom Fach: Michael Tsokos schöpft ganz viele Ideen für seine True-Crime-Thriller aus seinem Alltag als Rechtsmediziner. Gleich drei rechtsmedizinische Einrichtungen in Berlin leitet er und hat trotzdem noch Zeit, den fiktiven Rechtsmediziner Dr. Fred Abel im Keller der Treptowers an der Spree misteriöse Fälle aufklären zu lassen. Zerschunden ist der erste Band einer Triologie, die Tsokos gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Andreas Gößling auf den Markt gebracht hat. Auch in den Nachfolgern Zersetzt und Zerbrochen ziehen dich unterschiedliche Mordfälle in ihren Bann, die der Berliner Rechtsmediziner teilweise gleichzeitig lösen muss. Dafür ermittelt er oft auf eigene Faust. Aber Achtung: fliegende Köpfe und eingekochte Körperteile sind nichts für schwache Nerven.
Zerschunden, Droemer Knaur, Taschenbuch je 14,99 Euro


Sebastian Fitzek: Der Augensammler

Bevor Sebastian Fitzek Berlins bekanntester Krimi-Autor wurde, arbeitete er als Journalist. Seit 2006 schafften es fast alle seiner Bücher auf die Spiegel Bestseller-Liste. Nach Abgeschnitten werden auch seine Bücher Das Joshua-Profil und Passagier 23 für die Kino-Leinwand verfilmt. Der Passagier und Die Therapie haben es außerdem als Theaterstück auf die Bühne geschafft. Was ist dran an Fitzeks Büchern? Nun ja, man nennt ihn nicht umsonst den Meister des Psychothrillers. Alle Bände sind einfach geschrieben, super spannend und fesseln den Leser mit Cliffhangern bis zur letzten Seite. Davon kannst du dich zum Beispiel im Band Der Augensammler überzeugen. Darin sind die Berliner Polizei und ein ehemaliger Polizist einem Mann auf der Spur, der Kinder entführt und tötet, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit von ihren Vätern gefunden werden. Der Fall hängt eng mit ihrem eigenen Handeln zusammen...
Der Augensammler , Droemer Knaur, Taschenbuch 9,99 Euro

Julia_von_QIEZ


Max Bentow: Der Federmann

Irgendwo im heutigen Neukölln und Kreuzberg spielen die Kriminalromane von Max Bentow. Er schickt den Berliner Kommissar Nils Trojan auf die Spur von Seienkillern und totgesagten Mördern. Das erste Buch aus der Reihe um den Ermittler heißt Der Federmann. Eine junge Frau wird tot, mit geschnittenen Haaren und mit einem toten Vogel auf dem Körper gefunden. Hinter den Morden steckt ein kranker Geist, der auch im fünften Band um Kommissar Trojan, Das Dornenkind, wieder auftaucht. Mittlerweile gilt Trojan längst als Kultfigur und hat es immer wieder auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Die Bücher sind aber allesamt nichts für Zartbesaitete. Ein gewisses Maß an Brutalität musst du abkönnen und außerdem damit leben, dass jeder andere in der U-Bahn das Zeug zum Mörder haben könnte...
Der Federmann, Randomhouse, Der federmann Taschenbuch: 8,99 Euro


Bernd Mannhardt: Keimzeit. Ein Moabit Krimi

Weniger auf Mord und Totschlag als auf Berliner Schnauze und aktuelle Entwicklungen in der Hauptstadt setzt dieser leise Krimi. Vor dem Café Achteck am Stephanplatz liegt ein Toter, dessen Spuren sowohl zum Quartiermanagement Moabit als auch zu einer Kunstgalerie im Kiez führen. Kommissar Hajo Freisal und seine Kollegin Yasmine Gutzeit tauchen ein in das Leben des zugezogenen Toten und damit auch in die Realität von Gentrifizierungsgegnern und Bau-Mogulen. Ein schöner Krimi für die S-Bahn, der den Leser auch mal schmunzeln lässt. Vorteil für Moabiter: auch nach dem Lesen traut man sich noch im Dunkeln auf die Straße. Neben Keimzeit kannst du Freisals Ermittlungen in zwei weiteren Büchern verfolgen: Schlussakkord und Mordsalibi.
Keimzeit: Ein Moabit Krimi , Be.bra-Verlag, Taschenbuch je 6,99 Euro


Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach ist ein außergewöhnlicher Autor, der sich ganz einfach aus der Strafverteidiger-Realität bedient, um uns Geschichten zu erzählen, von denen wir Normalbürger so gar keine Ahnung haben. Für seine eindringlichen Romane benötigt Schirach auch nicht viel mehr: Seine Struktur ist klar, seine Sprache ist sachlich, seine Beschreibungen sind präzise – egal ob er Menschen, Räume oder unsere Stadt skizziert. Sein letzter Coup ist gewohnt fulminant: Ein aus Italien stammender Werkzeugmacher, seit 34 Jahren unbescholtener Mitarbeiter bei Mercedes Benz, wird zum Fall Collini, als er scheinbar grundlos einen alten Mann in einem Berliner Luxushotel ermordet. Sein Pflichtverteidiger kannte das Mordopfer, was die Zusammenarbeit mit Collini als Mandanten nicht erleichtert, zumal der sich über die Tat ausschweigt. Alles Weitere erfährst du direkt von Ferdinand von Schirach.
Der Fall Collini, Piper Taschenbuch: 8,99 Euro

 

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Julia_von_QIEZ


Philip Kerr: Berlin-Triologie

Eine historische Reihe hat der schottische Autor Philip Kerr geliefert. Der erste Teil Feuer in Berlin erschien schon vor über 20 Jahren. Aber weil es ohnehin um die deutsche Vergangenheit geht, ist dieses Buch deine Lesezeit immer wert: Der Privatdetektiv und System-Gegner Bernhard Gunther sucht in der Nazi-Zeit nach den Juwelen eines reichen Industriellen. Dabei kreuzen sich seine Wege immer wieder mit denen der Nazis. Und mit deren Machenschaften hinter den Kulissen. Auch in den Folgebänden ermittelt Gunther im Dritten Reich und zur Nachkriegszeit in Berlin. Kerr verbindet fiktive Akteure und historische Ereignisse so, dass Krimi-Fans und Geschichts-Nerds auf ihre Kosten kommen. Auch wenn mancher Leser zu Recht innehält, wenn die Hauptfigur Hermann Göring persönlich die Meinung geigt. Aber nicht nur die Leser lieben die zynische Hauptfigur Bernie; auch Kerr selbst löste sich nach drei Fällen in Berlin nicht von ihm und lässt ihn in mittlerweile zehn Bänden auch international ermitteln.
Die Berlin-Trilogie, Rowohlt, Feuer in Berlin Taschenbuch:10,99 Euro


Horst Evers: Der König von Berlin

Horst Evers ist vor allen Dingen witzig. So kennen wir ihn auf der Bühne, im Radio oder im Fernsehen. Dass er auch langen Lesestoff und packend schreiben kann, davon überzeugst du dich am besten im Kriminalroman Der König von Berlin. Es geht um Kommissar Lanner aus Niedersachsen, der sich auf einem Berliner Revier behaupten muss. Zwischen einem Mord vor der eigenen Haustür und einer Rattenplage in der Hauptstadt tut er sich mit einem ungeliebten niedersächsischen Bekannten zusammen. Und zu allem Überfluss überfordert ihn auch noch das Großstadt-Leben. Du kannst es dir denken: Wenn ein humorvoller Beobachter wie Evers so eine Geschichte erzählt, dann wird es nicht nur spannend, sondern auch sehr unterhaltsam. Auch weil Evers ganz charmant und aus den Augen eines Zugezogenen zeigt, wie ihm die Großstadt begegnet.
Der König von Berlin, Rowohlt, Taschenbuch: 9,99 Euro.


Oliver Ménard: Das Hospital

Trotz seines Namens: Ménard ist Ur-Berliner und kennt sich in der Stadt bestens aus. Auch weil er die Wege seiner Protagonisten gerne selbst abläuft, um wirklich authentisch zu (be-)schreiben. Entsprechend detailreich schildert er viele Orte in Berlin und ist ganz nah dran am realen Leben. Neben einer spannenden Verfolgungsjagd durch die Stadt schenkt dieser Autor uns aber auch endlich mal eine weibliche Hauptfigur! Die Journalistin Christine Lenève ist auf der Spur eines Mörders. Der hat eine Leiche ohne Lippen in der Spree versenkt und scheint sich in den Kreisen der Superreichen zu bewegen. Und dann landet Lenève mit dem Kerl in einem verlassenen Hospital... Ein Psychothriller vom Feinsten, der erst im Februar 2017 erschienen ist.
Das Hospital, Knaur, Taschenbuch: 9,99 Euro.

 

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Julia_von_QIEZ


Louise Welsh: Der Kugeltrick

Eine Londonerin, die über Berlin schreibt, hat natürlich einen ganz besonderen Blick auf die Stadt. Und Louise Welsh erzählt so atmosphärisch von der Hauptstadt, dass selbst einfache Beschreibungen voller Spannung und Fantasie stecken. Außerdem eröffnet sie eine zweite, ganz besondere Welt: den Mikrokosmos der großen Varietés und der kleinen Kneipen. Dort kennt sich der Illusionist William Wilson bestens aus, der unerwartet in ein kriminelles Netz gerät, das zwischen Glasgow, London und Berlin gespannt ist. Heraus kommt ein Thriller, der ohne Blutvergießen auskommt, dafür umso mehr mit einer ganz besonderen, geheimnisvollen Atmosphäre punktet. Tipp: Wer kann, sollte das Buch auf Englisch lesen (The Bullet Trick). Denn sowohl hier als auch im anderen Berlin-Krimi Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar (The Girl on the Stairs) geht mancher sprachlicher Kniff in der Übersetzung unter.
Der Kugeltrick, Kunstmann Verlag, Taschenbuch: Restposten im Handel

Quelle: QIEZ
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