• Sonntag, 25. März 2012

Erneuerbare Energien

Bis 2030 nur noch grün aus der Steckdose

  • Erneuerbare Energien
    Wenn es nach den Grünen geht, wird Berlin 2030 komplett aus erneuerbaren Energien versorgt. Foto: dapd - ©Henning Kaiser/ddp

Die Grünen wollen in Berlin die Wende hin zu erneuerbaren Energien und weg von Atomkraft und Braunkohle vorantreiben. Sie haben ein ehrgeiziges Ziel: Bereits 2030 soll Berlin sich vollständig mit Strom aus regenerativer Energie versorgen können.

Auf der Landesdelegiertenkonferenz der Berliner Grünen betonte Parteichef Daniel Wesener, dass "Atomausstieg und Energiewende zwei Seiten derselben Medaille“ seien. Mit einem klaren "Ja" zur sogenannten Energiewende verabschiedeten die 150 Delegierten einen entsprechenden Leitantrag.  "Mit diesem Senat geht die Energiewende nicht", sagte der grüne Abgeordnete Michael Schäfer.

Das Volksbegehren "Energietisch"

Die Grünen wollen dabei mit dem Volksbegehren "Energietisch" zusammenarbeiten, das seit dem 6. März Unterschriften sammelt.  Sprecher Stefan Taschner zufolge will der Energietisch bereits Ende Juni die für die Anmeldung eines Volksbegehrens erforderlichen 20 000 Stimmen abgeben.

Im Bündnis zum Energietisch sind 30 Initiativen versammelt. Sie verlangen den Aufbau eines eigenen ökologischen Stadtwerkes und eine Netzgesellschaft, die das 35 831 Kilometer lange Stromnetz von Vattenfall übernehmen soll. Der Konzessionsvertrag mit Vattenfall endet 2014.

Die Grünen haben das Ziel, dass bis 2030 die Stromversorgung in Berlin zu 100 Prozent aus regenerativem Strom erfolgt. Und bis zum Jahr 2050 soll die Stadt vollständig mit erneuerbaren Energien beliefert werden. Der Brandenburger Grünen-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Axel Vogel, meinte, dass Berlin das nicht selbst schaffe, sondern nur gemeinsam mit Brandenburg. Derzeit erarbeiten beide Landesverbände ein Energiekonzept und fordern gemeinsam bis 2016 den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau in Brandenburg.

Im Gegensatz zum Energietisch ist für die Grünen die Rekommunalisierung des Stromnetzes aber nur eine von mehreren Alternativen. Wegen der desolaten Haushaltssituation des Landes, das zurzeit 63 Milliarden Euro Schulden hat, müsste sich der Kaufpreis über sichere Erlöse aus dem Netzbetrieb refinanzieren. Der Senat bezifferte die Kosten für den Rückkauf des Netzes zwischen zwei und drei Milliarden Euro, der Energietisch dagegen rechnet mit 400 Millionen Euro.

Das grüne Energiemodell

Die Grünen befürworten die Idee, Stromnetze über eine Genossenschaft in Bürgerhand zu geben. Gerade wird die Genossenschaft „Bürger Energie Berlin“ gegründet. Beya Stickel von der Genossenschaft sagte, dass Konzerne oftmals den Bürgern nicht zutrauen, mit Energie zu wirtschaften. "Wir haben zukunftsweisende Ideen für Versorgungstechnologien und -strukturen. Unser Ziel ist es, Vattenfall rauszukicken", erklärte sie.

Ein Baustein des grünen Energiemodells ist der Aufbau eines "intelligenten Kraftwerks", das mit 500 Millionen Euro Eigenkapital ausgestattet werden soll. Das Kraftwerk soll mit erneuerbaren Energien arbeiten und als Energiedienstleister fungieren.

Bestandteil der von den Grünen geforderten Energiewende ist zudem die energetische Sanierung der 10 000 öffentlichen Gebäude und Privathaushalte. Vor allem einkommensschwache Haushalte seien von Preissteigerungen betroffen. Die Wohnungen sollen bis 2050 stufenweise auf Niedrigenergiestandard saniert werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Berliner Mieterverein und die Industrie- und Handelskammer haben das von den Grünen befürwortete Stufenmodell ausgearbeitet. Zu diesem gehört eine Härtefallregelung: Keinesfalls darf die Miete durch die Modernisierungsumlage um mehr als das Dreifache der eingesparten Heizkosten steigen.

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Quelle: Der Tagesspiegel
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