• Samstag, 02. Juni 2012

Schlecker-Aus

Was die Mitarbeiter jetzt fühlen

  • Schlecker-Aus
    Ende Juni gibt es keinen Schlecker mehr in der Stadt. Foto: dapd - ©Timur Emek

Zahlreiche Berliner Schlecker-Verkäuferinnen sind Ende Juni ihren Job los. Ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig. Dennoch haben sie über ihren Arbeitgeber kaum Schlechtes zu sagen.

Am frühen Freitagnachmittag kam das Fax, in dem die Kündigungen für Ende Juni vermeldet wurden, bei der überwiegend weiblichen Belegschaft der Berliner Schlecker-Filialen an. Die Regale waren zu diesem Zeitpunkt gut gefüllt – denn noch wenige Minuten zuvor hatten firmeneigene Lkw mehrere Filialen mit Ware versorgt. Überraschend war das Aus dennoch nicht mehr: "Nach der ersten Schließungswelle war mir das klar", meint die Verkäuferin der Filiale in der Kreuzberger Oranienstraße. Schon im Frühjahr hatte Schlecker 85 von 186 Berliner Standorten geschlossen.

Das Gehalt war in Ordnung

Die Verkäuferin, die ihren Namen nicht preisgeben möchte, war bis dahin elf Jahre lang in einer Neuköllner Filiale tätig. "Die Bezahlung war okay, es gab Weihnachts- und Urlaubsgeld", sagt sie. Als gelernte Verkäuferin habe sie außerdem mehr Lohn erhalten als viele Kolleginnen ohne abgeschlossene Ausbildung. "Das Einzige, was genervt hat, war, fünf Stunden am Stück allein zu arbeiten – da war es schwer, mal aufs Klo zu gehen", erzählt die 56-Jährige. Ob sie in ihrem Alter noch eine neue Stelle im Einzelhandel finden könne, sei fraglich, aber sie wolle es versuchen. Zum Glück sei ihr Mann noch beschäftigt. Dem Firmengründer Anton Schlecker macht die langjährige Mitarbeiterin nur eines zum Vorwurf: Alle paar hundert Meter einen Markt eröffnen zu wollen, habe an "Größenwahn" gegrenzt.

Auch die zwei Verkäuferinnen in der Leipziger Straße loben die "überdurchschnittlich gute Bezahlung". Den vor allem von Gewerkschaftern erhobenen Vorwurf, Schlecker habe das Personal schlecht behandelt, entkräften sie: "Wir haben die Arbeit gerne gemacht." Beide machen den Job seit über zwölf Jahren.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind schlecht

Die 48-jährige Kassiererin hatte bis zum Schluss "auf eine Lösung gehofft", aber ohne fest davon überzeugt zu sein. Vor einigen Wochen war bereits ihr Job in einer Filiale in Weißensee durch deren Schließung weggefallen. Dann schrieb sie eine Bewerbung an die Drogeriemarktkette Rossmann. Aber diese antwortete, es gebe längst zu viele Anfragen von Schlecker-Personal. "Die meisten Jüngeren sind schon weg", meint die 48-Jährige. Beim Mitbewerber dm gebe es auch kaum Möglichkeiten, hat sie von Kolleginnen gehört. Dort würden wohl nur Teilzeitkräfte für wenige Stunden Arbeit pro Woche gesucht.

Die etwas jüngere Kollegin im Laden an der Leipziger Straße hat bisher noch keine Bewerbungen abgeschickt, sorgt sich jetzt aber sehr: "Das Einkommen meines Mannes reicht nicht für die Familie." Zunächst läuft der Verkauf am Nachmittag noch ganz normal weiter: Die Mitarbeiterinnen lassen sich nichts anmerken, und von den Kunden haben erst wenige vom Ende der Firma mitbekommen. "Wir wissen noch gar nicht, wann der Ausverkauf beginnt", sagt die Kassiererin.

Adresse

Oranienstraße 53
10969 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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