• Donnerstag, 08. Juni 2017
  • von Julia Stürzl

Stadtleben

Wilde Bienen, süßer Honig: Imkern in Berlin

  • Imker an seinem Bienenstock
    In Berlin gibt es viele Imker, die sich um die Stadtbienen kümmern. Es gibt aber auch andere Arten, den Bienen zu helfen.  Foto: Unsplash - ©Annie Spratt

Flauschig, klug und fleißig, ernährt die Biene nicht nur den eigenen Stamm, sondern auch uns Menschen. Doch die Honig- und Wildbienen sterben rasant – vor allem in Berlin. Wir haben Stadtimker besucht, die dagegen angehen wollen, und haben Tipps zum selber Honig machen parat.

Das Bienensterben ist dramatisch, das berichten uns zahlreiche Dokus, aber auch Langzeitstudien. Die Hauptstadt ist davon auch deutlich betroffen. Fast jedes fünfte Bienenvolk in Berlin kam nicht durch den diesjährigen Winter, wie der RBB berichtet. Um die Honigbiene zu schützen, gibt es in unserer Stadt neben den 1200 Imkern in Verbänden noch zahlreiche unorganisierte Imker. Gemeinschaftsgärten , wie zum Beispiel die Prachttomate, das Himmelbeet oder der  Mauerpark  besitzen ebenfalls eigene Bienenvölker. Hier kümmern sich alle zusammen, um die fleißigen Honigsammler und finanzieren auch gemeinsam die Kosten für die Haltung – dafür bekommt im Gegenzug jeder etwas Honig.

Da es in Berlin aber wenig Platz für einen eigenen Garten gibt, werden einige Imker erfinderisch – so gibt es vielerorts Dachimkereien, wie die von der Erika Mayr. Ihre Bienen leben auf dem Gebäude der Messe Berlin im 7. Stock und auf dem Zeughof-Dach. Das zeigt, wie erstaunlich robust die kleinen Tierchen sind. Schließlich sind die Bienenstöcke auf dem Dach dem Wetter stark ausgesetzt, wie zum Beispiel durch kräftige Böen. Dazu sehen sich Imker mit dem Problem konfrontiert, dass womöglich nicht genug Blüten in der Nähe für die Bienen zu finden sind.  Für Mayr ist das Dach jedoch eine gute Lösung : "Meinen Bienen geht es hier gut, sonst würde ich sie nicht auf dem Dach halten. Manchmal wird es natürlich sehr heiß oder windig, das geht dann auf Kosten der Honigproduktion. Aber die Bienen haben hier oben ihre Ruhe."

300 Wildbienenarten sind gefährdet

Die Wildbiene ist ziemlich unbekannt – dabei gibt es 20.000 verschiedene Arten, manche davon nur 5 Millimeter groß. Darauf macht uns Hussein Kheir, Besitzer des Bienengarten Charlottenburg, aufmerksam. Doch die Wildbiene ist noch gefährdeter als die Honigbiene: Auf der Roten Liste für gefährdete Tierarten werden bereits rund 300 von 560 Wildbienenarten in Deutschland gelistet. Das liegt daran, dass ihre Nist- und Futtermöglichkeiten durch landwirtschaftliche Flächenversiegelung und Monokulturen immer seltener werden.

Da die Wildbiene im Gegensatz zur Honigbiene sich nur von einer einzigen Pflanzenart ernährt, ist es hier noch einfacher, dass sie verschwindet und auch die dazugehörige Wildbienenart stirbt. Ihr Sterben wäre zudem äußerst problematisch für die Honigbiene.  "Auch wenn Wildbienen keinen Honig produzieren, bestäuben sie Pflanzen, die die Honigbienen nicht erreichen können und sind selbst dann noch munter unterwegs, wenn es denen zu kalt oder nass ist", sagt Kheir.

Wenn du gerne mehr über diese faszinierenden Insekten lernen willst, hast du dazu im Bienengarten Charlottenburg die Möglichkeit. Eine Gruppe von Hobby- und Berufsimkern öffnet regelmäßig ihren Garten, damit Interessierte das Handwerk der Bienenzüchter kennenlernen können. Erwachsene dürfen beim Honigschleudern und der Ernte dabei sein oder selbst am Probe-Imkern teilnehmen. Für Schul- und Kitagruppen gibt es einen Rundgang inklusive Bastelstunde.

jstürzl


Süßes Hobby

Wenn du nun auf den Geschmack gekommen bist, kannst du probeweise über das Unternehmen Rent-a-bee einen Bienenstock mieten und bei dir im Garten aufstellen. Rent-a-bee stellt dir dabei einen erfahrenen Imker zur Seite – zu deiner und zur Sicherheit der Bienen. Das sollte allerdings mit den Nachbarn abgesprochen werden, damit es keinen Ärger gibt. Aber Achtung! Bevor du selber Bienen betreust, solltest du auf alle Fälle vorher einen Kurs belegen, denn auch Imkern kostet Zeit, Geld und benötigt viel Know-how. Ohne ausreichend Wissen und Erfahrung kann es sonst schnell passieren, dass du den Bienen nicht hilfst, sondern ihnen und anderen Völkern schadest. 

Nicht jeder Bienenliebhaber muss aber selber Honig produzieren, um zu helfen. Es reichen schon Kleinigkeiten, um die Nektarsammlerinnen glücklich zu machen – zum Beispiel bienenfreundliche  Pflanzen  auf dem eigenen Balkon oder im Garten anpflanzen. Dafür gibt es sogar eine spezielle Bienen-App, die dir Tipps gibt und viel Wissen rund um das fleißige Insekt sowie Imkerei vermittelt. Alternativ kannst du auch eine Bienenpatenschaft übernehmen, zum Beispiel beim Imkerverein Steglitz oder aber – einfach und effektiv – lokalen  Honig aus Berlin  statt aus dem Ausland kaufen.

Wer noch mehr über die klugen Bienen lernen will, sollte sich die spannende Dokumentation More than honey ansehen.

Messe Berlin GmbH

Messedamm 22
14055 Berlin-Charlottenburg

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Quelle: QIEZ
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