• Montag, 09. April 2012

Arbeitsmarkt

In der Offensive

  • Silvia Schelinski bekam dank der Joboffensive schnell wieder einen Job.
    Silvia Schelinski bekam dank der Joboffensive schnell wieder einen Job. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

Der Berliner Senat und die Arbeitsagentur setzen auf einer neue Strategie bei der Vermittlung von Hartz-IV-Empfängern - mit viel Erfolg. Das Geheimnis: gezielte Auswahl, bessere Betreuung und die Förderung betrieblicher Arbeitsplätze.

Das Café Buchwald an der Bartningallee ist eine Berliner Institution – den Baumkuchen schätzt man auch weit über die Stadtgrenzen. Doch für Andrea Tönges, die derzeit das Familienunternehmen führt, ist es immer wieder ein Unterfangen, das richtige Personal zu finden.

Rückblickend hat die 44-Jährige keine guten Erfahrungen mit der Arbeitsagentur oder den Jobcentern machen können: "Die schicken einem dann 20 Bewerber, von denen viele gar keine Lust haben zu arbeiten", sagt Tönges enttäuscht. Es überfordere sie, unentwegt Vorstellungsgespräche zu führen, nur um echte Anwärter von Proforma-Bewerbern unterscheiden zu können.

Neue Strategie der Arbeitsvermittlung

Doch diesmal ist es anders. Konditoreninnung und Jobcenter haben zusammen eine Strategie entwickelt, wie beiden Seiten geholfen werden kann. Bewerber wurden gezielt ausgewählt und eine mehrwöchige Weiterbildung mit Praktika vorgeschaltet, berichtet Karin Raschinsky. Die private Arbeitsvermittlerin und Verkaufstrainerin übernahm einen Teil der Qualifizierung und vermittelte zwischen Kandidaten und Betrieben.

So kam auch Silvia Schelinski in das Café im Hansaviertel. In den letzten Jahren hatte die gelernte Friseurin als Hausmeisterin gearbeitet. Im September 2011 meldete sich die 45-Jährige im Jobcenter Treptow-Köpenick arbeitslos. „Ich wollte so schnell wie möglich wieder einen Job haben“, erinnert sich Schelinski. Lange war sie nicht ohne Arbeit: Am 21. November begann sie ihren neuen Job.

Mehr Vermittler und intensive Betreuung

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Berliner Joboffensive. Diese haben die Regionaldirektion für Arbeit und die Senatsverwaltung vergangenen Juni ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, gut vermittelbare, arbeitslose Hartz-IV-Empfänger schneller wieder auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. In allen zwölf Jobcentern betreuen rund 650 Vermittler, von denen 350 zusätzlich eingestellt wurden, diese Zielgruppe intensiv. „Mindestens alle 14 Tage soll es einen Kontakt zwischen Vermittler und dem Klienten geben“, sagt Jens Regg, Geschäftsführer der Regionaldirektion für Arbeit.

Seit Beginn der Joboffensive wurden bis Ende Februar 33.000 Arbeitslose auf reguläre Jobs vermittelt; etwa 8700 mehr, als die Jobcenter bei standardmäßiger Betreuung in Arbeitsverhältnisse gebracht hätten. Regg ist mit der Bilanz zufrieden. 10.000 Vermittlungen hatte man sich zum Start der Kampagne vorgenommen. „Dann wären wir bei einer schwarzen Null“, so Regg. Die Kosten für mehr Vermittler und bessere Betreuung hätten sich ausgezahlt. Die Gelder von 46,3 Millionen Euro kommen vom Bund, 7,2 Millionen Euro stammen vom Land. Mittlerweile bekundet auch Brandenburg Interesse an dieser Initiative.

Weniger Ein-Euro-Jobs

Die Joboffensive macht eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik deutlich. Die Zeiten, in denen Hartz-IV-Empfänger jenseits regulärer Jobs in befristeten Projekten und Maßnahmen beschäftigt wurden, gehören der Vergangenheit an. Jetzt rückt die Förderung von betrieblichen Arbeitsplätzen in den Vordergrund. Kontinuierlich wurden die Ein-Euro-Jobs und andere Projekte stark reduziert. Gänzlich verzichten kann man allerdings darauf nicht; denn unter den Langzeitarbeitslosen gibt es auch etliche Tausend, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind.

Ewa Dradrach, die nach der Geburt ihrer Tochter nicht mehr arbeiten ging, brauchte keinen Job auf dem zweiten Arbeitsmarkt, um wieder Fuß im Berufsleben zu fassen. Die gebürtige Polin ist ausgebildete Hotelfachfrau. Vom Jobcenter Reinickendorf erhielt die 32-Jährige einen Vermittlungsschein. Sie absolvierte eine vierzehntägige Trainingsmaßnahme und konnte anschließend bei dem Hoteldienstleister FCCS als Hausdame beginnen. Die meiste Zeit ist Dradrach nun im Hotel Intercontinental tätig. Dort kontrolliert sie die Zimmer. Die alleinerziehende Mutter arbeitet 30 Stunden im Monat und verdient rund 1500 Euro. Auf das Jobcenter ist sie nicht mehr angewiesen.

Adresse

Bartningallee 29
10557 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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