• Montag, 08. April 2013

Berliner Studentenwohnheime

Lange Wartelisten, wenig bezahlbare Zimmer

  • Studentendorf Schlachtensee
    Das Studentendorf Schlachtensee ist mit Waschsalon, Computerraum, Fahrradverleih und Fitnessraum ausgestattet - und bei Studierenden nach wie vor heiß begehrt. Foto: KULTURpur - ©Christian Kourik

Die Berliner Studentenwohnheime sind heiß begehrt - so sehr, dass viele Studierende zum Start des Sommersemesters dort noch keinen Platz ergattern konnten. Auch private Einrichtungen sprießen. Nun will das Land bauen, auch auf eigenem Grund.

Zum Start des Sommersemesters an diesem Montag haben 900 Studierende nicht die gewünschte Bleibe im Wohnheim gefunden. So viele Namen nämlich stehen auf der Warteliste des Studentenwerkes. Und die wird immer länger, weil die Zahl der Studenten in den vergangenen drei Jahren um rund 20.000 gestiegen ist. Zusätzlich verschärft die Lage, dass auf dem regulären Wohnungsmarkt kaum noch günstige Wohnungen angeboten werden. Die angespannte Situation ist in der kommenden Woche Thema eines Spitzengesprächs beim Regierenden Bürgermeister, an dem Petra Mai-Hartung, Chefin des Studentenwerkes, teilnimmt. Es soll auch die Bereitstellung landeseigener Grundstücke diskutiert werden, auf denen das Studentenwerk neue Wohnungen bauen könnte.

"Die Zahl der Studierenden steigt, und günstige Wohnungen werden insgesamt knapper, deshalb brauchen wir zusätzlichen Wohnraum für Studierende", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf Anfrage. Dies könne "nicht allein durch Private erbracht werden". Wartezeiten von 40 Wochen gibt es für Plätze in besonders beliebten Einrichtungen des Studentenwerkes, etwa in Kreuzberg. Wegen der großen Nachfrage haben private Investoren das Geschäft entdeckt, sagt Architekt Eike Becker. Mancher scheitere allerdings an den hohen Grundstückspreisen in Berlin.

Private Studentenwohnungen oft zu teuer

Auch beim Studentenwerk häuften sich zuletzt Anfragen von Entwicklern, die Wohnheime bauen und der landeseigenen Einrichtung fertig gestellte Objekte zur Verwaltung überlassen wollen. Doch das scheitert an den hohen Mietforderungen privater Träger von Studentenwohnungen: Um die 400 Euro für ein Zimmer oder kleines Appartement verlangen sie. Das liegt weit über den Wohnkosten, die sich die Mehrheit der Studierenden leisten kann. Beim Studentenwerk liegt die Durchschnittsmiete bei 188 Euro. "Unser Auftrag ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", sagt Jörg Morgenstern vom Studentenwerk. Deshalb arbeite die Einrichtung "zum Selbstkostenpreis und ohne Gewinnabsicht".

Immerhin bieten auch einige privatisierte Einrichtungen wie das Studentendorf Schlachtensee Wohneinheiten schon für knapp 200 Euro an. Doch das sind eher Ausnahmen. Experten warnen schon vor einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft": auf der einen Seite neue Objekte am Rande von Szenelagen, wie sie an der Lichtenberger Brücke etwa für besser gestellte Kinder gut verdienender Eltern entstehen sollen, auf der anderen Feldbetten in Wohnungen von Freunden.

Im Koalitionsvertrag ist die bessere Versorgung der Studenten mit Wohnungen als ein Ziel formuliert. Die "Schaffung neuer Wohnheimplätze durch das Studentenwerk" sieht Bildungssenatorin Scheeres als ein Mittel, die Lage zu entspannen. Um ein Baugrundstück aus dem Angebot des landeseigenen Liegenschaftsfonds hat sich das Studentenwerk bereits beworben: in der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide. Doch die Vergabe berlineigener Grundstücke zieht sich angesichts der anhaltenden politischen Debatte über die Vergaberegeln.

Tipp der Wohnungsunternehmen: An den Stadtrand ziehen

Wegen der angespannten Lage wollen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften im nächsten Wintersemester 2013/14 rund 500 zusätzliche Wohnungen ausschließlich für Studenten bereitstellen. In welchen Stadtteilen und zu welcher Miethöhe dies erfolgen wird, ist noch unklar. Es war eines der Ergebnisse aus früheren Gesprächen zur Wohnungsnotlage der Studierenden zwischen dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der Senatsverwaltung für Bildung, dem Studentenwerk Berlin und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Bereits seit mehreren Jahren bieten auch Genossenschaften und private Wohnungsunternehmen Wohnungen zur halben Miete an oder zumindest mit Nachlässen auf die ortsübliche Miete. Dabei handelt sich aber oft auch um nicht leicht vermietbare Wohnungen in Erdgeschossen, in Häusern ohne Aufzug oder in weniger guten Lagen der Stadt.

"Geduld mitbringen und gezielter in Stadtrandlagen wie Spandau, Reinickendorf oder Marzahn-Hellersdorf nach Wohnungen suchen", empfiehlt BBU-Sprecher David Eberhart. Diese Stadtteile seien durch öffentliche Verkehrsmittel gut angebunden, und das Angebot an günstigen und freien Wohnungen sei dort größer.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Adresse

Wasgenstraße 75
14129 Berlin

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Familie

Endlich geht es in Berlin rund: Karls Achterbahn

Endlich geht es in Berlin rund: Karls Achterbahn

Für die meisten ist es immer noch der Erdbeerhof vor den Toren der Stadt, … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Top 5: Ungehypte Lieblingsorte in Treptow

Top 5: Ungehypte Lieblingsorte in Treptow

Treptow feiert gerade 450. Geburtstag. Grund genug, über unsere … mehr Treptow

Wohnen & Leben

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Die erste gute Nachricht ist, dass jeder Feiertag 2018 auf einen Werktag … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Oderberger Straße, Kastanienallee und Weinbergspark kennt doch eigentlich … mehr Mitte, Prenzlauer Berg

Grünes Berlin

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Die Pfaueninsel hat Besucher verloren. Viele Besucher. Wir konnten uns … mehr Zehlendorf

Wohnen & Leben

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Jeden Tag werden zwei Start-ups in Berlin gegründet. Damit du die … mehr Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen