• Montag, 26. März 2012

QIEZ-Lieblinge

Wasser marsch!

  • Brunnen am Brandenburger Tor
    Die Brunnensaison in Berlin ist wieder eröffnet. Foto: istockphoto.com - ©Nikada

Die Brunnen-Saison ist eröffnet! Knapp 300 Brunnen gibt es in Berlin, und die wollen besucht und bevölkert werden. Sie sind ein geradezu unverzichtbares Element des perfekten Frühlingstags: Die Sonne kitzelt die Nase, die erste Kugel Eis versüßt den Tag, und wer besonders verwegen ist, klemmt sich den Pullover unter den Arm und setzt sich im T-Shirt auf den Rand eines Brunnens. Hier eine passende Auswahl …

Märchenbrunnen

Wer den Volkspark Friedrichshain durch den Westeingang betritt, der findet sich nach wenigen Schritten in einem wahren Märchenland aus Stein und Wasser wieder: Ein riesiger Brunnen präsentiert sich hier dem Spaziergänger, auf seinem Rand posieren die erstarrten Berühmtheiten der Kindheit. Fast scheint es so, als seien sie direkt einer Sammlung Grimm’scher Märchen entschlüpft: Der Gestiefelte Kater hat seinen Platz hier, genauso wie Rotkäppchen und Schneewittchen.

Der Brunnen hat beachtliche Maße, mehrere kleinere Becken befinden sich in dem größeren, und aus vielen kleineren Fontänen sprudelt das Wasser gen Himmel. Wer um den Brunnen herumläuft, vorbei an den wachsamen Gestalten, geht zu beiden Seiten der Sehenswürdigkeit eine leichte Anhöhe auf sehr breiten, flachen Stufen entlang. Die Rückseite der Wasseranlage säumt eine Reihe steinerner Bögen.

Brunnen auf dem Franz-Neumann-Platz

Der Brunnen auf dem Franz-Neumann-Platz könnte beinahe noch als junger Hüpfer unter den Berliner Wasseranlagen durchgehen – 1985 ist sein Baujahr. Mehrere Fontänen und steingewordene nackte Schönheiten zieren die Wasseranlage. Mit seinen klaren Formen ging der Entwurf zu diesem Brunnen als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, der ins Leben gerufen worden war, um die Fläche zwischen Residenz- und Markstraße in einen belebten Stadtplatz zu verwandeln.

Tatsächlich orientieren sich die Formen des Brunnens an jenen des Platzes: Seine drei Becken sind terrassenförmig aufeinandergesetzt, jedes von ihnen mit eigener kleiner Sprudelfontäne. Wer hier in Reinickendorf an einem lauen Abend zu einem romantischen Spaziergang aufbricht, für den lohnt sich der Abstecher zum Franz-Neumann-Platz. Denn drei Schweinwerfer verleihen dem Brunnen ein schickes Abend-Outfit.

Brunnen auf dem Adenauerplatz

Welch entbehrungsreiche Zeit war das, als Ende der Neunzigerjahre der Brunnen auf dem Adenauerplatz trockenlag, nicht mehr als ein Klotz, der grundsätzlich im Weg stand, wenn man über den Platz hastete. Und welch Erlösung, als dann im Sommer 1999 der erste Fontänenstrahl nach der Dürre in den Charlottenburger Himmel schoss! Doch was kümmert’s den Berliner der Gegenwart, es ist ja schon eine Weile her. Inzwischen sprudelt’s auf dem Adenauerplatz im Sommer tagein, tagaus, ganz wie damals im ersten Jahr des bewegten Brunnenlebens, 1974.

Brunnen auf dem Inge-Beisheim-Platz

Der Brunnen auf dem Inge-Beisheim-Platz ist ein ganz spezieller: Einerseits wegen des flachen Beckenrandes, der klaren Formensprache und Schnörkellosigkeit – nur eine einzige Skulptur ragt aus dem Wasser empor. Andererseits macht die Frau, nach der Platz und Brunnen benannt sind, diesen Ort zu einem besonderen. Inge Beisheim war die Ehefrau eines Professors, Otto Beisheim, seines Zeichens Gründer der Handelsgruppe Metro und Bauherr des Beisheim Centers nahe dem Potsdamer Platz.

Inge Beisheim machte sich einen Namen als großzügige Wohltäterin, fünf Jahre nach ihrem Tod benannte ihr hinterbliebener Ehemann den Platz nach ihr. Als Wahrzeichen des Platzes gilt die Skulptur, die sich schmal und metallisch glänzend in die Höhe zu schrauben scheint. Entworfen wurde sie von Gidon Graetz, einem israelischen Künstler, der ihr den Namen "Phoenix" gab. Der Titel soll an das Entstehen des neuen Potsdamer Platzes erinnern. Sie ist ein Geschenk der Otto-Beisheim-Stiftung an die Stadt Berlin.

Sankt-Georg-Brunnen

Ein wahres Schmuckstück unter Berlins rund 300 Brunnen ist der Sankt-Georg-Brunnen in Charlottenburg. Fast seit Beginn des 20. Jahrhunderts steht er stolz auf dem Hindemithplatz, der damals noch nicht nach dem deutschen Komponisten Hindemith benannt war. Stattdessen war der Platz ein Hof. Er gehörte zu dem Vergnügungsetablissement "Bayernhof", das der Architekt Wilhelm Walther errichtet hatte. Im Vergleich mit dem recht kleinen Platz ist der Brunnen schon beinahe ein kleiner Koloss.

Über mehrere hohe Stufen fließt das Wasser bis ins untere Becken hinab. Obenauf tragen vier Säulen aus rotem Granit ein flaches Dach. Auf den Stufen sitzen Figuren aus der griechischen Mythologie. Nur einer fehlt in diesem Stillleben: Sankt Georg, der ursprünglich als Bronzefigur zwischen den Säulen auf dem Brunnen stand – er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gestohlen und tauchte nie wieder auf.

Weltkugelbrunnen

Was wäre ein Spaziergang durch das frühlingshafte Charlottenburg ohne den Weltkugelbrunnen? Unvollständig allemal! Denn der Brunnen nahe der Gedächtniskirche ist ein wahrer Hingucker. Über seine Schönheit gehen die Meinungen weit auseinander, doch das Außergewöhnliche seiner Gestalt verlangt Respekt. In seiner Mitte befindet sich eine seltsame Skulptur.

Würde man die scheinbar fehlenden Stücke darin ersetzten, sie wäre tatsächlich kugelrund. Deshalb fühlen sich die Charlottenburger jedoch längst nicht dazu berufen, den Brunnen beim Namen zu nennen. Sie haben stattdessen eine andere Bezeichnung etabliert: "Wasserklops", das ist vielleicht nicht unbedingt charmant, dafür aber eine ziemlich treffsichere Beschreibung. Um die Kugel, pardon!, den Klops herum sitzen Bronzefiguren und lassen es sich gut gehen. Wie die Charlottenburger, wenn sie im stressigen Alltag am Wasserklops innehalten und für ein paar Minuten das Plätschern genießen. Schließlich tut das gut, so einfach. Da sind sie sich einig.

Brunnen im Bürgerpark Pankow

Dieser hier ist ein echter 68er, auffällig und selbstbewusst. Aus den 24 kleinen Düsen des Brunnens im Bürgerpark Pankow sprudelt es nur so heraus. Sie sind im Kreis angeordnet und rahmen mit ihren Wasserstrahlen den eigentlichen Blickfang des Springbrunnens ein – die Mittelfontänen, die sich bis zu vier Meter hoch scheinbar unaufhörlich gen Himmel arbeiten.

Die Brunnenschale ist aus Klinker und Beton gefertigt, der Beckenrand hat mit 48 Zentimetern die perfekte Sitzhöhe. Wer vor lauter Müßiggang auf dem Beckenrand neuen Bewegungsdrang verspürt, der watet einfach im Kreis um die Düsen herum. Platz genug ist da – der Durchmesser des Brunnenbeckens beträgt rund zehn Meter.

Brunnen auf dem Ernst-Reuter-Platz

Zu keiner Jahreszeit lassen es sich Touristen in Berlin nehmen, das Brandenburger Tor und die Siegessäule zu bestaunen. Wer im Frühling in die Hauptstadt kommt, der findet zudem den idealen Platz zum Füße-Kühlen auf der wohl wichtigsten Ost-West-Achse der Stadt: den Brunnen auf dem Ernst-Reuter-Platz. Inmitten einer riesigen Liegewiese erfrischt das kühle Nass in einem großzügigen Becken die Zehen von Touristen und Anwohnern gleichermaßen. Und zwar schon ziemlich lange. 1961 wurden die Becken nach einem Entwurf von Bernhard Hermkes und Werner Dittmann errichtet.

Seitdem ziehen hier mehrere kleine und eine große Fontäne die Abkühlungs- und Ausruhbedürftigen der Stadt geradezu magisch an. Einziger Wermutstropfen: Der Brunnen ist vor allem an heißen Sommertagen so beliebt, dass man gelegentlich ein wenig zusammenrücken muss, um einen Sitzplatz zu bekommen. Aber das ist ja auch nicht immer das Schlechteste.

Brunnen auf dem Hausvogteiplatz

Wenig Schmuck, dafür auffällig, so präsentiert sich die Fontäne des Brunnens auf dem Hausvogteiplatz. Das Sandsteinbassin dieser Wasseranlage wurde seinem eigenen historischen Vorbild nachgebaut – Archäologen gruben den ursprünglichen Sockel 1890 aus. Besonders ins Auge fällt jedoch der Bronzeguss, der den Fuß der Fontäne umhüllt: 14 Blätter einer Akanthusblätterkrone sind teils zusammengerollt, teils stehen sie aufrecht, immer im Wechsel. Bei diesem Anblick bekommt der hitzegeplagte Großstädter direkt Lust, in das flache Becken hinein- und wieder herauszuhüpfen, immer im Wechsel.

Viktoria-Luise-Brunnen

Der Viktoria-Luise-Brunnen in Schöneberg war der allererste Brunnen in Berlin, der sich in diesem Frühjahr mit Wasser füllte: Am 26. März Punkt 11 Uhr schoss der erste Wasserstrahl der Fontäne in die Höhe. Die Ehre, den entsprechenden Knopf zu drücken, hatte die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler. Zahlreiche Sonnenanbeter sitzen im Sommer auf dem Rand des Beckens und tauchen ihre Füße in das kühle Nass.

Ganze zehn Meter misst der Durchmesser des Beckens, der des eigentlichen Brunnens in der Mitte des Beckens immerhin drei Meter. Entworfen wurde der Springbrunnen auf dem Viktoria-Luise-Platz bereits 1898 vom Landschaftsarchitekten Fritz Encke. Nachdem der Platz bereits 1957 erneuert worden war, wurde er im Jahr 1979 denkmalgerecht wiederhergestellt.

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Quelle: QIEZ
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