• Montag, 10. Juni 2013

Denkwürdige Feierlichkeiten

Die Sache mit dem Grundstein

  • Grundsteinlegung in Berlin
    Wir erinnern, kurz vor Baubeginn am Berliner Stadtschloss, an einige der denkwürdigsten Grundsteinlegungen in Berlin. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Schlossplatz - Am Mittwoch wird mal wieder ein Grundstein gelegt, diesmal für das Stadtschloss. Nicht jedem Gebäude brachte diese Tradition tatsächlich Glück.

Drei Hammerschläge auf den Grundstein, um böse Geister vom Neubau fernzuhalten, dann folgt ein Spruch des Bauherrn - und dann wird das Sektglas erhoben. Oder eher die Bierflasche, die passt ja besser auf die Baustelle. Immer dieselbe Prozedur? Ja, beinahe. In Berlin aber kommen bei einer Grundsteinlegung auch mal Zwerge, Elefanten, Bären und Arnold Schwarzenegger ins Spiel, doch dazu später. Erst mal steht am Mittwoch der nächste Festakt an: 1000 Gäste sind dorthin geladen, wo einmal das Schloss entstehen soll. Der 2,5 Tonnen schwere Sandsteinblock liegt bereit, die "Zeitkapsel" auch. Für Berlin ist solch eine Grundsteinlegung ein Ereignis, das immer wieder unterhaltsame Geschichten begleitet haben.

Auf dem Elefant durch Kreuzberg

Eine der absurderen spielt im Mai 2000 in Kreuzberg: Zwei Elefanten trampeln zum neuen Tempodrom, ein Bau, der einem Zirkuszelt ähnelt. Sie sollen den Grundstein heranschleppen. Begründung der Veranstalter: "Schon in der Antike wurden Elefanten bei Großbauprojekten eingesetzt." Das eine Tier futtert allerdings die Blätter von den Straßenbäumen, auf dem anderen kommt Senator Peter Strieder angeritten. "Die Ohren sind relativ weich. Man kann sich gut daran festhalten", sagt er. Strieder verliert später trotzdem den Halt: Er stolpert nicht über den Grundstein, aber doch über die Tempodrom-Affäre.

Zeig mal die Tatze

Überhaupt: tierische Inszenierungen. Als das Märkische Viertel in den Sechzigern ein Einkaufszentrum erhielt, brachte ein Tierpfleger mit Zoomütze einen kleinen Bären mit und drückte dessen Tatze in den frischen Mörtel. Ein Abdruck für die Ewigkeit. Einen Bären schleppte auch Klaus Wowereit 66 Jahre später zur Grundsteinlegung der O2-World: einen blauen Buddy-Bären. Den stopfte er in die Zeitkapsel, die gern in hohle Grundsteine eingemauert wird - in diesem Fall aber eher eine große Kiste war: Neben Tageszeitungen, Münzen und dem BuddyBären stecken darin eine Fahne des US-Bundesstaats Kalifornien, signiert von Arnold Schwarzenegger, außerdem ein WM-Trikot, signiert von Jürgen Klinsmann, die Drehbücher von Veronica Ferres’ Rolle im Film "Checkpoint Charlie", eine Schellackplatte von Marlene Dietrich und das neueste UMTS-Handy. Schönen Gruß an die Nachwelt!

Berlins kleinster Grundstein

Berlin und seine Flughäfen! Fassen wir uns kurz: Den TXL-Grundstein hat der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz mit dem damaligen französischen Stadtkommandanten 1970 gesetzt. Beim Bau des BER gab es einen "symbolischen Spatenstich", der ja eine ähnliche Symbolkraft hat wie die Grundsteinlegung. In die Zeitkapsel für den Riesenhangar wurden Glücksmünzen (US-Dollar und Yuan) und eine Air-Berlin-Aktie eingemauert. Ein echter Glücksbringer war dagegen der kleinste Grundstein der Stadt - für den BER im Legoland am Potsdamer Platz. Dieser Airport ist fertig.

Grundstein der Republik

Am 26. November 1973 wurde am Marx-Engels-Platz feierlich der Grundstein gelegt für den Palast der Republik. Erich Honecker, mit Sektglas in der Hand, reichte die Zeitkapsel einem Tiefbauer namens Klaus Kuchenbecker in die Grube. Darin enthalten: Tageszeitungen aus dem Sommer 1973, als das große DDR-Wohnungsbauprogramm beschlossen wurde. Drei Hammerschläge - und weg war das gute Stück. Die Kapsel soll übrigens immer noch im Palastfundament stecken, denn das wurde ja nicht entfernt. Schade, denn das Finden einer Zeitkapsel ist hoch interessant - so wie im Jahr 2010, als die Grundsteinkassette von 1887 aus der ehemaligen Dorfkirche Friedrichsfelde vorsichtig aufgebrochen wurde. Gut erhalten steckte darin die "Neue Preußische Zeitung" und ein Fahrplan der Eisenbahn, die damals noch viel weniger Züge aufs Gleis geschickt hat als die S-Bahn in schlimmsten Krisenzeiten.

Adresse

Unter den Linden 3
10117 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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