• Montag, 15. Mai 2017
  • von Viola Blomberg

Bahn-Konkurrent Locomore

Endstation für den Schwaben-Express

  • Locomore Zug Stuttgart Hauptbahnhof
    Dieser Locomore-Zug ist noch abgefahren, für andere stehen die Signale ab sofort auf Dauerrot. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Locomore wollte die günstige Alternative zur Deutschen Bahn sein. Doch der erwartete Erfolg blieb aus: Nach gerade mal fünf Monaten meldete der Zugbetreiber Insolvenz an. Die Suche nach Geldgebern, die den Zug wieder ins Rollen bringen, läuft.

Nach fünf Monaten ist der Zug nun abgefahren: Der Bahnkonkurrent Locomore ist insolvent, wie die Firma jetzt bekannt gab. Erst im Dezember 2016 startete das Unternehmen mit einer Zugverbindung von Berlin nach Stuttgart. Der Firma, die sich per Crowdfunding finanzierte, blieben jedoch die Fahrgäste aus und finanzielle Rücklagen sind aufgebraucht. Zudem hatte das Unternehmen ständig mit technischen Problemen zu kämpfen: Immer wieder fielen Waggons aus, wodurch Gäste nicht auf ihren gebuchten Plätzen reisen konnten und selbst Plätze für Rollstuhlfahrer oder das Kinderspielabteil nicht wie ausgewiesen bereitstanden.

Die Strecke Stuttgart-Berlin soll nicht sofort ausgesetzt werden, trotzdem sind alle Locomore-Fahrten bis zum 21. Mai gestrichen. Gebuchte Tickets können aufgrund des Insolvenzverfahrens weder stoniert noch rückerstattet werden. Das Unternehmen sucht zusammen mit dem Insolvenzverwalter zwar nach Investoren, doch ob und wann die Locomore-Züge wieder regelmäßig fahren werden, bleibt ungewiss. 

Locomore startete im Dezember 2016 mit genau einem Zug, der früh morgens von Stuttgart nach Berlin fuhr und am Nachmittag zurück. Dabei machte er unter anderem in den Uni-Städten Heidelberg und Darmstadt und in Berlin am Bahnhof Zoo Halt – Stationen, die von der entsprechenden ICE-Verbindung der Deutschen Bahn nicht berücksichtigt werden. Der Zug, der aus älteren, aufgemöbelten Waggons zusammengestellt wurde, brauchte allerdings etwa eine Stunde länger für diese Strecke.

 

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Günstig und mit Internet

Ein Plus gegenüber dem großen Konkurrenten sollte die Preispolitik sein. Die orientierte sich an der Nachfrage, lag jedoch nach Angaben von Locomore immer unterhalb des Bahncard 50-Flex-Tarifs der Deutschen Bahn. Die günstigsten Tickets für die gesamte Strecke begannen bei 22 Euro. Umwelt- und ernährungsbewusst wurden den Passagieren Bioprodukte im mobilen Speisewagen angeboten. Außerdem stellte Locomore WLAN im Zug zur Verfügung, was der Deutschen Bahn bis heute nicht so recht gelingt. Und beim Buchen eines Zuges konnte man sich nicht nur für den Basic- oder den Business-Bereich, sondern auch für ein Themen-Abteil entscheiden: Dort sollten sich im Idealfall Mitreisende zusammenfinden, die sich über das Gleiche – etwa Fußball oder Literatur – oder in einer bestimmten Sprache unterhalten wollten. Die angebotenen Themen wechselten von Zeit zu Zeit.

Es klang vielversprechend, was sich der Neuling auf den Schienen ausgedacht hatte. Das mit Geld aus einer Crowdfunding-Kampagne finanzierte Wagnis konnte sich am Ende aber nicht rechnen. Wer direkt von Berlin nach Stuttgart mit dem Zug reisen möchte, kann das ab jetzt wieder nur exklusiv mit der Deutschen Bahn, die ihre Monopolstellung im Fernverkehr auf diese Weise leider wiedergewonnen hat.

Bahnhof Zoo

Hardenbergplatz
10623 Berlin

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Quelle: QIEZ
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