• Freitag, 15. Juni 2012

Neues Gesicht, alte Probleme

BER: Starke Zweifel am Eröffnungstermin

  • Flughafen BER Schild
    Wird hier die Hoffnung abtransportiert? Arbeiter beim Verladen eines Schilds für das Besucherzentrum des geplanten Flughafens. Foto: dapd - ©Klaus-Dietmar Gabbert

Noch weiß keiner so genau, wie schlimm es um den Berliner Großflughafen in Schönefeld wirklich steht. Ein Manager, der mit dem Brandschutz am Airport befasst ist, spricht von "Chaos". Selbst die Eröffnung im März scheint nun wieder fraglich. Immerhin: Ein neuer Chefplaner ist gefunden.

Der neue Zeitplan auf der Flughafenbaustelle BER wackelt gewaltig. "Der vergangene Monat war verlorene Zeit. Es herrscht weiterhin völliges Chaos", sagte ein Manager einer der am Bau der Brandschutzanlage beteiligten Firmen dem Tagesspiegel. Zwischen den beteiligten Protagonisten aus Politik und Wirtschaft gibt es nun Streit um die Verantwortung für das fortwährende Debakel.

Unterdessen haben sich die Verantwortlichen nach Tagesspiegel-Informationen auf einen neuen technischen Geschäftsführer für die Flughafengesellschaft geeinigt. Der Chefplaner der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport, Horst Amann, soll seinen Vertrag bereits unterschrieben haben. Am kommenden Freitag muss noch der Aufsichtsrat die Personalie absegnen. Unter Experten gibt es auch Zweifler, die einwenden, dass Amann keine Erfahrungen bei Hochbauprojekten habe. Der bisherige Chefplaner von BER, Manfred Körtgen, war im Mai entlassen worden.

Am 8. Mai war die vormals für den 3. Juni geplante Eröffnung des Großflughafens abgesagt worden, später wurde der 17. März 2013 als neuer Eröffnungstermin festgelegt. Ausschlaggebend für die Verschiebung waren den Angaben zufolge Probleme beim Brandschutz.

Technik-Planung stockt

Bis zum 18. Dezember soll die Flughafen-Technik abnahmefähig sein. Die Firmen Imtech, Siemens, Bosch und T-Systems, die Zulieferer für die Anlage, haben dem Flughafen daher eine Frist bis Mitte Juni gesetzt. Bis zu diesem Termin müssten alle notwendigen Planungsunterlagen "abschließend und fehlerfrei" eingegangen sein, sonst sei auch der neue Zeitplan nicht zu halten, hatten sie erklärt. "Der Termin ist akut gefährdet und damit auch die Eröffnung im März", verlautet nun aus einer der Firmen. "Die Signale sind nicht gut. Wir wissen nach wie vor nichts." Außerdem sei der Brandschutz so kompliziert geplant, dass selbst Profis an der Machbarkeit zweifeln. "Es stellt sich die Frage, ob die Entrauchungsanlage jemals funktionieren wird", sagte der Insider.

Mitarbeiter des Flughafens verschaffen sich derzeit einen Überblick über die Akten, die das gekündigte Planungsbüro GMP hinterlassen hat. Insgesamt umfasst der Bestand rund 50.000 Pläne. "Wir übergeben den Baufirmen derzeit die Pläne für die Brandschutzanlage und stimmen die Details ab", erklärte Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel. Das soll noch am heutigen Freitag passieren. "Diese Papiere werden wir zunächst prüfen", kündigte eine Siemens-Sprecherin an. Die Möglichkeit einer weiteren Verschiebung dieses Termins bezeichnete der Flughafen-Sprecher als "Spekulation". "Der Zeitplan bis zur Eröffnung am 17. März 2013 steht, er ist mit den Baufirmen abgestimmt", sagte Kunkel.

Termine sollen künftig Bestand haben

Ähnlich argumentiert Klaus Wowereit (SPD), Vorsitzender des Aufsichtsrates der Flughäfen. "Der Eröffnungstermin 17. März 2013 ist kein politischer Termin, sondern wurde von den beteiligten Unternehmen so ausgerechnet", sagte er im Abgeordnetenhaus. Der Aufsichtsrat werde auf die Haltbarkeit der Termine künftig verstärkt ein Auge haben. "Wir werden das hart überprüfen", kündigte Berlins Regierender Bürgermeister an.

Die jüngste Entwicklung bereitet der Berliner Wirtschaft Sorgen. "Sollte sich eine erneute Verschiebung bewahrheiten, würde dies die Glaubwürdigkeit des Flughafenmanagements erneut schwer beschädigen", sagte Eric Schweitzer, Präsident der IHK Berlin, dem Tagesspiegel. Die Unternehmen, die am BER investieren, würden dadurch endgültig die Planungssicherheit verlieren. "Wir erwarten, dass eine erneute Verschiebung – sollte sie tatsächlich notwendig sein – nun schnellstmöglich durch die Geschäftsführung kommuniziert wird", forderte Schweitzer.

Adresse

Kirchstraße 19
12529 Schönefeld

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Quelle: Der Tagesspiegel
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