• Montag, 14. Mai 2012

Flughafen Schönefeld

Die Zukunft beginnt im Herbst - frühestens

  • Flughafen Schönefeld
    Am vergangenen Wochenende konnten sich Besucher über den Stand der Arbeiten am flughafen BER informieren. In dieser Woche beginnen die Diskussionen um einen neuen Eröffnungstermin. Foto: dapd - ©Paul Zinken

Die verschobene Eröffnung des Flughafens BER wird auch in dieser Woche die Politik und den Aufsichtsrat beschäftigen. Ein neuer Termin steht dabei ebenso zur Debatte wie personelle Kosequenzen.

Nach dem Tag der offenen Tür am Wochenende beginnen auf der Großbaustelle des Flughafens Schönefeld die Aufräumarbeiten. Am Mittwoch kommt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zusammen, um einen neuen Eröffnungstermin für den Willy-Brandt-Flughafen festzulegen. In informierten Kreisen wird mit dem 28. Oktober als neuem Termin gerechnet. Damit würde der Flughafenbetrieb rechtzeitig zum Flugplanwechsel beginnen. Aber auch eine Eröffnung im November oder erst 2013 ist nicht auszuschließen.

Außerdem wird in dieser Woche auch eine personelle Grundsatzentscheidung getroffen. Als Konsequenz aus der verschobenen Eröffnung muss sich nach Informationen des Tagesspiegel Manfred Körtgen von seinem Posten trennen. Zwar hieß es zunächst, der Technikvorstand solle im Amt bleiben, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. Doch die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft scheint sich zu viele Fehler geleistet zu haben. Vor allem an den Technikvorstand Körtgen richtet sich die Kritik.

Er hatte nicht nur seine Doktorarbeit im Sommer 2011 abgeschlossen, genau zu dem Zeitpunkt, als die für den Oktober des Jahres angesetzte Eröffnung erstmals verschoben werden musste. Auch seine stets unverdrossene Beteuerung, der Flughafen BER könne am 3. Juni in Betrieb gehen, gibt den Aufsichstsratsmitgliedern viel Anlass zum Ärger. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte schon am vergangenen Samstag personelle Konsequenzen angedeutet.

Viel Gesprächsbedarf

Auch an der politischen Aufarbeitung des Debakels wird gearbeitet. Der neben Körtgen amtierende zweite Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Rainer Schwarz sollte sich am Mittwoch im Abgeordnetenhaus zu der erneut verschobenen Eröffnung äußern. Der Termin muss aufgrund der zeitgleich stattfindenden Aufsichtsratssitzung verschoben werden. Ob auch ein Untersuchungsaussuss einberufen wird, will die Opposition des Brandenburger Landtags erst nach einer Erklärung von Matthias Platzeck (SPD) entscheiden. Der Ministerpräsident hat sie für den 21. Mai angekündigt - bereits am Sonntag besichtigte auch er die Großbaustelle in Schönefeld.

Im Berliner Abgeordnetenhaus will man Wowereit und Schwarz mehrmals zu den Vorfällen am BER befragen. "Die letzte Regierungserklärung reicht nicht aus", so Ramona Pop, die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Deshalb wolle die Opposition sowohl im Hauptausschuss, im Wirtschaftsausschuss und in der Plenarsitzung Fragen an die Verantwortlichen stellen. Dies bestätigten neben Pop auch Udo Wolf von den Linken und Martin Delius, Geschäftsführer der Berliner Piraten-Fraktion.

Körtgen galt seit jeher als zweite Wahl. 2004 war er der einzige Bewerber für den Posten des Geschäftsführers. Andere Planer wollten die Verantwortung für das schon damals in Misskredit stehende Projekt nicht übernehmen. Nun muss Körtgen für das Chaos am Flughafen und die missbilligenden Blicke auf die Region gerade stehen.

Fatale Selbsttäuschung

Mitte der Woche soll die Analyse der Ursachen beginnen. Zurzeit studieren Mitarbeiter des Aufsichtsrats die Akten. Von "kollektiver Selbsttäuschung" ist in unterrichteten Kreisen die Rede. In allen Bereichen habe man jenseits der Realität gelebt. Die Flughafengesellschaft befindet sich in den Händen von Berlin, Brandenburg und dem Bund. Auch hier hatte man die kurze Zeitspanne zwischen Oktober 2011 und Juni 2012 als ausreichend für die Vorbereitung der Eröffnung des BER erachtet. Schon im Sommer 2010 war es zu einer viermonatigen Verzögerung der Bauzeit gekommen. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt galt der Brandschutz als "kritischer Punkt", wie Geschäftsführer Schwarz nun erklärt.

Im Dezember wurden Komplikationen bei den Brandschutzvorichtungen im Aufsichtsrat publik. Doch Körtgen hielt trotzdem an der Eröffnung im Juni fest. Die Hektik nahm zu. Mehr Personal wurde auf die Großbnaustelle beordert und man stand sich gegenseitig auf den Füßen. Das System geriet ins Wanken. Zur Rettung angeheuerte Unternehmen konnten dem Chaos nicht mehr Herr werden.

Schon im März war klar, dass das Brandschutzsystem nicht vollautomatisch betrieben werden kann. 700 Angestellte sollten die Anlage nach den Plänen Körtgens per Hand bedienen. Der Plan wurde von der Baubehörde jedoch abgelehnt. Als Mitte April ein Verzug von zwei Monaten im Gespräch war, verließ man sich erneut auf Körtgen. Er kündigte alternative Konzepte an. Doch noch nicht einmal die Sachverständigen des TÜV hatten Zugang zur Anlage. Auch das Architekturbüro gmp steht in der Kritik. Mehr als 60 Änderungswünsche hätten sie den Baufirmen kurzfristig unterbreitet. Erst als nichts mehr zu retten war, räumte gmp die notwendige Verschiebung der Eröffnung ein.

Adresse

Kirchstraße 19
12529 Schönefeld

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Quelle: Der Tagesspiegel
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