• Mittwoch, 18. April 2012

Mehr Fahrer, kaum noch Zugausfälle

S-Bahn kriegt die Kurve

  • S-Bahn Ostkreuz
    Eine S-Bahn unterquert die neue Bahnhofshalle am Ostkreuz. Foto: dapd - ©Adam Berry

Das Schlimmste scheint ausgestanden: Am Montag fuhr die S-Bahn reibungslos durch die neue Bahnhofshalle am Ostkreuz und auch allgemein verzeichnet das Unternehmen weniger Zugausfälle. Grund: Nach dem durch Fahrermangel verursachten Chaos der letzten Monate wurden eifrig neue Mitarbeiter ausgebildet.

Positive Nachrichten von der S-Bahn nach drei Jahren zum Vergessen: Seit Montag früh fahren ihre Züge problemlos durch die neue Halle am Ostkreuz, obwohl die Signaltechnik auf dem 16 Tage gesperrten Ostring umgestellt worden war. Zudem sind nach Angaben von S-Bahnchef Peter Buchner in den letzten drei Wochen werktags keine Fahrten mehr wegen Fahrermangels gestrichen worden – zuvor war das monatelang an der Tagesordnung. Und Buchner geht fest davon aus, dass die S-Bahn auch den zusätzlichen Verkehr zum künftigen Flughafen Berlin Brandenburg, der am 3. Juni eröffnen soll, bewältigen wird. Zu diesem Zeitpunkt sollen 520 Doppelwagen zur Verfügung stehen; am Montag waren es 496.

Der S-Bahn fehlten zuletzt rund 50 Fahrer, da auf Änderungen am Tarifvertrag und an den Arbeitsbedingungen nicht rechtzeitig mit der Einstellung neuer Mitarbeiter reagiert worden war. Ein hoher Krankenstand hatte die Lage verschlimmert. Die ersten neu ausgebildeten Fahrer seien nun bereits unterwegs, sagte Buchner am Montag. Rund 80 Prozent der Kursteilnehmer kamen durch die Abschlussprüfung. Und überraschend sei keiner den Verlockungen anderer Arbeitgeber erlegen, denn Lokführer sind derzeit bundesweit gesucht. Nicht nur bei der S-Bahn in München fielen wegen fehlenden Personals Fahrten aus. Der vergleichsweise anstrengende Dienst bei der Berliner S-Bahn hatte in der Vergangenheit häufiger Wechsel zu anderen Bahnunternehmen begünstigt.

Großes Interesse an Fahrer-Jobs

Doch das Ansehen des Unternehmens scheint nicht so sehr gelitten zu haben wie angenommen. Das Interesse an einer Ausbildung bei der S-Bahn nach Bekanntwerden des Fahrermangels war groß: mehr als tausend Bewerber meldeten sich. Nun habe sich die personelle Situation entspannt, sagte Buchner. Obwohl das Unternehmen nur 30 neue Fahrer pro Jahr benötigt, sollen 100 ausgebildet werden, versprach Buchner.

Zukünftig werde sich auch die Lage beim Fahrzeugeinsatz wieder verbessern, kündigte der S-Bahn-Chef an. Die täglichen Kontrollen der Bremssandanlagen seien ab Juni nicht mehr nötig, weil dann die nachträglich eingebaute automatische Füllstandsüberwachung zugelassen sein werde. Derzeit müssen Züge gelegentlich ihre Fahrt vor dem Ziel abbrechen, um kontrolliert zu werden. Diese Überwachungen wurden nach einem Auffahrunfall im Bahnhof Südkreuz angeordnet, der bereits sechs Jahre zurückliegt. Damals war festgestellt worden, dass der Sandbehälter des betroffenen Zuges leer war. Der Sand wird beim Bremsen auf die Schienen gestreut, erhöht die Reibung zwischen Rad und Schiene und verkürzt somit den Bremsweg.

Rückkehr zum Vollbetrieb in Sicht

Da bei kalten Temperaturen regelmäßig die Leitungen einfroren, mussten die Züge zeitweise die Geschwindigkeit auf maximal 60 (statt 80) Stundenkilometer drosseln, was zu erheblichen Verspätungen führte. Daher wurden nachträglich Heizungen in die Behälter und Leitungen eingebaut. Die S-Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr auf 546 einsetzbare Doppelwagen zu kommen. Mit dieser Anzahl könnte wieder der Betrieb angeboten werden, der bis zum Beginn der Krise im Sommer 2009 die Regel war. Dann werde auch die Linie S 85 (Waidmannslust–Grünau) wieder fahren, die seit damals eingestellt ist. Damit wäre das Liniennetz wieder vollständig.

Mit dem Senat hat die S-Bahn eigentlich vereinbart, mindestens 562 Doppelwagen einzusetzen. Nimmt man die neue Strecke zum Flughafen Berlin Brandenburg, die das Netz um rund sechs Kilometer verlängert, hinzu, müsste die S-Bahn vertragsgemäß 575 einsetzbare Doppelwagen zur Verfügung stellen. Diese Vorgaben seien betrieblich jedoch nicht machbar, gibt die S-Bahn zu. Das Unternehmen kalkuliert bereits mit einer Verringerung der Zuschüsse durch den Senat wegen nicht erbrachter Vertragsleistungen.

Adresse

Markgrafendamm 23
10245 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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