• Donnerstag, 12. April 2012

Verstöße gegen Verkehrsregeln

Schwarze Schafe unter Berlins Taxifahrern

  • Taxi Berlin
    Nicht alle Berliner Taxifahrer halten sich an alle Verkehrsregeln. Ein tödlicher Unfall lieferte am Ostermontag die Bestätigung. Foto: dapd - ©Axel Schmidt

An Ostern wurden zwei Rentner in Wedding von einem rückwärtsfahrenden Taxi tödlich verletzt. Der Unfall hat eine Diskussion über das Fahrverhalten der Berliner Taxifahrer ausgelöst. Wie viele Verkehrsrowdys sind in der Branche unterwegs?

Eine 74-jährige Frau und ihr 79-jähriger Ehemann waren am Ostermontag von einem 25-jährigen Taxifahrer erfasst worden. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr dieser deutlich zu schnell rückwärts, weil er den Eingang zum Virchow-Klinikum am Augustenburger Platz in Wedding übersehen hatte. "Wir haben den Taxifahrer als vorläufigen Unfallverursacher festgestellt, alles Weitere muss das Gericht entscheiden", teilte eine Polizeisprecherin am Mittwoch mit. Zur Frage, ob sich Taxiunfälle in den letzten Jahren häufen, konnte die Polizei keine Auskunft geben: "Wir führen keine Statistik über die Beteiligung von Taxifahrern an Unfällen", hieß es.

Eine ADAC-Studie von 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass die Fahrweise der Berliner Taxifahrer tatsächlich verbesserungswürdig ist. In einem allgemeinen Taxi-Test wurden dabei mehrere europäische Städte verglichen – insgesamt schnitt die deutsche Hauptstadt dabei gut ab, sagt der Berliner ADAC-Sprecher Jörg Becker. Das Fahrverhalten der Berliner sei jedoch nur mit "ausreichend" bewertet worden, was der Note drei bis vier auf der Skala von eins bis fünf entsprach. "Es wurde zu schnell oder gar noch bei Gelb und Rot gefahren und rücksichtslos in Lücken gesprungen", sagt Becker. Natürlich würden nicht alle Berliner Taxifahrer so fahren, aber schon einige reichten aus, um die Branche zu diskreditieren. Dass gerast wird, hat er selber schon mitbekommen: "Bei 140 Stundenkilometern auf der Stadtautobahn habe ich den Taxifahrer dann freundlich gebeten, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten."

Manchmal sind die Fahrgäste schuld

Herbert Otto (Name geändert) fährt seit 18 Jahren in der Hauptstadt Taxi. Er hat das Gegenteil erlebt: Schon häufiger wurde er von Fahrgästen, die es eilig hatten, derbe beschimpft, weil er ihnen zu langsam fuhr. "Die Menschen nehmen nun mal oft ein Taxi, wenn es schnell gehen soll", sagt der zweite Geschäftsführer der Berliner Taxi-Innung, Roland Prahl. Die Berliner Taxifahrer seien jedoch kein Negativbeispiel: "Wir haben durchschnittlich zwei Beschwerden am Tag auf dem Tisch – und nur ganz selten geht es dabei um die Fahrweise." Außerdem verliere ein Taxifahrer seinen Führerschein, wenn er sechs Punkte in Flensburg habe. Es liege also in dessen Interesse, anständig zu fahren, meint Prahl: "Kontrolliert werden muss das allerdings nicht durch die Innung, sondern durch die Polizei."

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin, Klaus Eisenreich, verweist auf die durch Stellenabbau verursachte Personalknappheit. Weil das Risiko, belangt zu werden, gering sei, würden immer mehr Fahrer – nicht nur die von Taxen – Regeln brechen: "Früher ging es der Polizei darum, durch Kontrolle vorbeugend tätig zu werden und zu verhindern, dass Menschen Schaden erleiden. Heute kommt sie wie die Feuerwehr erst, wenn etwas passiert ist."

Auch die Taxi-Innung ist nicht erfreut über den fehlenden Kontrolldruck. Sie leitet alle Beschwerden über rücksichtslose Fahrer an das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) weiter. "Aber das bearbeiten jetzt 6 Leute, früher waren es 16", sagt Roland Prahl von der Innung. Er befürwortet ein zusätzliches Sicherheitstraining für Taxifahrer. Allerdings gibt er zu bedenken: "Das würde ja auch wieder keiner kontrollieren."

Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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