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Gutes Sexting, schlechtes Sexting – Unsere Singlekolumne #33
Kürzlich hat sich Single-Frau Mascha noch über sogenannte "Sextheoretiker" beschwert. Nur labern, nix dahinter. Großer Fan wiederum ist sie von gutem Sexting – aber nur dann, wenn Mann auch wirklich weiß, was er da schreibt.
Gutes Sexting, schlechtes Sexting – Unsere Singlekolumne #33
© Unsplash

"Bock auf ficken?" Das würde ich mal als einen schönen Klassiker des Online-Datings bezeichnen. Und das ist auch vollkommen okay. Wenn der Typ mich irgendwie überzeugen kann, auf genau das Bock zu haben, dann kann er das auch genauso schreiben. Noch viel schöner und spannender wird es allerdings, wenn man an jemanden gerät, der gut schreiben kann. Und zwar nicht nur über seine Hobbies oder seine Fähigkeiten am Bierglas, sondern über Sex. Im Idealfall Sex mit mir. Und die Königsklasse ist erreicht, wenn er über Sex mit mir schreiben kann, wenn wir noch gar keinen Sex hatten.

Und das ist wirklich nicht so einfach. Auch für mich nicht. Denn: Ich verdiene zwar mein Geld mit dem Schreiben, habe außerdem viel Sex und kann mich hier und da sicher als abgebrüht bezeichnen. Einem Mann, den ich womöglich kaum kenne, aber Schweinereien zu schreiben, die explizite Handlungen und Fantasien einschließen – das fand ich immer ganz schön kniffelig. Denn alles, was nach semi-feuchten "50 Shades of Grey"-Träumen klingt, finde ich schon mal ganz oll. À la: "…als er seinen pulsierenden Liebespfeil in meine Liebesgrotte gleiten ließ, ertrank ich förmlich in meiner Lust…" (das habe ich mir knallhart ausgedacht. Aber, ich finde, nah dran am klassischen Frauen-Sex-Roman!). Ich bevorzuge Umschreibungen der lebensnahen Art. 

Blumige Umschreibungen? Bitte nicht!

Und das konnte ein Mann, mit dem ich ewig schrieb, bevor es tatsächlich zum Sex kam, ganz außerordentlich gut. Ich erwähnte ihn, glaube ich, schon mal in einem früheren Text – bin aber nie ins Detail gegangen. Er, dominant und offenbar smart as fuck, verfasste über Monate hinweg ein überaus erotisches Manifest der Lust. Ich möchte hier nur softe Auszüge veröffentlichen, da hier ja auch Jugendliche mitlesen und ich einfach mal so egoistisch bin, dass ich manche Dinge nur für mich ganz allein haben und lesen will. Aber mit Sätzen wie "ich will, dass du dich jetzt berührst und mir zeigst, wie viel Lust du hast. Und dir vorstellst, wie ich dazukomme, dich an den Haaren packe und dir meinen harten Schwanz in den Mund…" Und so weiter. 

Das ist jetzt noch verhältnismäßig harmlos und vielleicht sogar gängig, aber trotzdem macht es klar: Eine klare Ansage und Beschreibung ist für mich das, worauf es ankommt. Männer, die genau erklären können, worauf sie Lust haben, was sie mit ihrem Schwanz und meinem Körper anstellen wollen – denen traue ich auch zu, dass sie das live ebenfalls beherrschen. Ohne dabei seltsame Wortneuschöpfungen zu benutzen, völlig ins Reich der Fantasy abzutauchen oder nur "ich hab Bock auf bumsen" zu schreiben.

Wer gut schreibt, ist meist auch gut im Bett

Und meine Erfahrung sagt: Tatsächlich hat mich noch kein Mann, der mir ausufernd gute Sexnachrichten geschrieben hat, beim echten Zusammentreffen enttäuscht. Vermutlich, weil zu brutal-ehrlichem Sexting eine große Portion Selbstbewusstsein gehört. Schließlich will besagtes "hart durchficken, lecken, dreifach zum Orgasmus bringen" ja auch in die Tat umgesetzt werden.

Deswegen ist mein Rat an alle Damen, die sich vor einem Face to Face-Sextreffen ein wenig absichern wollen, ob der Typ was taugt: Lasst ihn ruhig ein wenig auf dem Smartphone durchspielen, was er so mit euch vorhat. Wenn da nur ein prolliges "ich ficke dich, bis du nicht mehr kannst" bei rauskommt – da vielleicht nochmal ein wenig genauer nachfragen. Und manch einer mag vielleicht sogar eine Granate im Bett sein, auch wenn er seine Fähigkeiten nicht schriftlich ausdrücken kann. So oder so: ich lasse mir kein gutes Sexting entgehen.

Ein Hoch auf Wort und Tat und auf die Triebe!

Eure Mascha

Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

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