• Mittwoch, 21. März 2012

Hundeführerschein

Auf den Charakter kommt es an

  • Terrier
    Auch für friedlich aussehende Terrier könnte bald Maulkorbpflicht gelten - sofern Herrchen keinen Hundeführerschein ablegt. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

In Berlin nehmen die Beißattacken von Hunden zu. Die Pläne für die Eindämmung von Übergriffen werden immer konkreter. Welcher Hund einen Maulkorb tragen muss, soll sich an den Charaktereigenschaften der Rassen orientieren.

Die Bezirksämter haben 2011 offenkundig deutlich mehr Hundeattacken registriert als im Jahr zuvor. "Der Anstieg um 44 Vorfälle auf jetzt 704 Hundebisse im Jahr ist ein eindeutiges Alarmsignal", sagte Claudia Hämmerling, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen. Eine Notwendigkeit für eine Liste mit gefährlichen Hunderassen sieht die Politikerin nicht. Denn nur 32 der Attacken im vorigen Jahr seien von Kampfhunden. Die Zahlen zeigten, dass die Liste ohne Wirkung ist. Hämmerling forderte eine schnelle Gesetzesänderung.

Noch gilt in Berlin die sogenannte Rasseliste, die den Leinen- und Maulkorbzwang für Kampfhunde vorsieht. Der rot-schwarze Senat plant, die fragliche Liste noch in diesem Jahr abzuschaffen. Im Gespräch ist stattdessen ein Hundeführerschein, den Halter künftig ablegen sollen.

Welche Kriterien für den Führerschein gelten könnten, zeigt schon jetzt ein Gesetzesvorschlag, den die Berliner Amtstierärzte Anfang März vorlegten. Ein Jahr hatte sich die Arbeitsgruppe intensiv damit auseinandergesetzt - offenbar mit Erfolg. "Der Entwurf hat eine sehr interessante Stoßrichtung und bringt uns der Sache deutlich näher", sagte der tierschutzpolitische Sprecher der CDU, Alexander Herrmann. Auch die SPD lobe das Konzept.

Besondere Prüfung für besondere Hunde

Dabei geht der Entwurf noch weiter als ein Vorschlag, den die Grünen unlängst eingereicht hatten. Demnach soll ein allgemeiner Leinen- und Maulkorbzwang für alle Hunde in Berlin gelten - vom Dackel bis zum Pitbull. Erst wer den Hundeführerschein macht, könnte sein Tier davon befreien. Zudem wollen die Amtstierärzte künftig zwischen drei verschiedenen Kategorien von Hunden unterschieden: kleine und große Tiere sowie Rassen, für die besondere Prüfungen gelten sollen. Dazu zählen Kampf-, Jagd- und Hütehunde. Für die Prüfungen sollen die Charaktereigenschaften der einzelnen Rassen maßgebend sein. Die Preise für theoretische Prüfungen sollen bei 25 Euro, die für praktische Prüfungen zwischen 50 und 75 Euro liegen.

Grünen-Politikerin Hämmerling, die selbst Hundebesitzerin ist, sieht in dem Vorschlag eine "hervorragende Arbeitsgrundlage". Am Dienstagabend hatte sie Hundehalter, Verbandsvertreter und Tierärzte geladen, um gemeinsam über den Hundeführerschein zu diskutieren. Dabei wurde klar, dass unter anderem die Kosten den Haltern Sorgen machen. Eine Vertreterin der "Tiertafel", die finanziell schwache Hundehalter unterstützt, äußerte die Sorge, dass arme Menschen den Führerschein aus Kostengründen nicht ablegen und "in den Untergrund abwandern".

Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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