Berliner Filmfest

Jetzt neu: Was sich bei der 70. Berlinale ändert...

"Futur Drei" lässt Immigranten der ersten und zweiten Generation aufeinander treffen: toller Coming-of-Age-Film.
"Futur Drei" lässt Immigranten der ersten und zweiten Generation aufeinander treffen: toller Coming-of-Age-Film.
Es wird gemunkelt, das Berliner Filmfestival verliere unter der neuen Führung seinen Glamour. Sogar der berühmte Bär wurde teilweise verbannt. Was nun wirklich anders wird bei der Berlinale und was bleibt? Wir haben die Informationen und News…

Eine Niederländerin und ein Italiener übernehmen die legendäre Berlinale und erfahren dafür Rücken- wie Gegenwind. Doch Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian lassen sich keine Unsicherheit anmerken. Sie treten an, dem Festival wieder mehr cineastische Kontur zu verleihen und der von der Kritik ausgemachten Beliebigkeit durch zu viele Sektionen mit Neuerungen entgegenzustehen. Eine davon: auf dem Plakat fehlt der legendäre Berliner Bär. Stattdessen feiert man ganz abstrakt die Jubiläumszahl 70.

Kino mit Unterbau

Ansonsten gibt es keine so krassen Einschnitte wie befürchtet oder auch ersehnt. Insgesamt scheint das Festival in den unzähligen Sektionen auf jeden Fall programmtisch mehr über den Kopf zu laufen statt über den Bauch. Damit ist nicht nur gemeint, dass das kulinarische Kino wegfällt: Die Eventreihe On Transmission, die das Jubiläum feiern soll, reichert das Kino mit Hintergrundwissen aus erster Hand an. Man braucht viel Sitzfleisch, um zwei Filme von zwei Regisseuren und eine Podiumsdiskussion mit Dialog zu überstehen, und natürlich echtes filmkünstlerisches Interesse. Getragen wird das Programm nämlich nicht nur von Stars wie Ang Lee (Life of Pi, Brokeback Mountain) und Margarethe von Trotta (Die bleierne Zeit, Rosenstraße), sondern vor allem durch Filmemacher, deren Namen und Werke ein Normalkinogänger bestimmt googlen muss.

 

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Die Idee des Vorgängers Dieter Kosslick, die Berlinale mehr in den Kiezen zu verankern, wird fortgeführt. So wird es neben Berlinale Goes Kiez in den Programmkinos der Stadt weitere Veranstaltungen geben: in der Volksbühne, im Maxim Gorki Theater, in der Akademie der Künste, in der Philharmonie und in der Deutschen Filmakademie. Noch bevor das Festival startet, sollen Ausstellungen, Filme, Konzerte und andere Events die Vorfreude in der ganzen Stadt steigern. Auch hier setzt man eher auf bodenständige Promis wie Kultregisseur Fatih Akin, der sehr klugen Neuer-Deutscher-Film-Legende Alexander Kluge und den ex-inhaftierten, ukrainischen Filmemacher Oleg Sentsov.

Big Names: nicht um jeden Preis

Der Wettbewerb ist ab sofort eine geschlossene, exklusive Reihe, in der keine Filme mehr außer Konkurrenz laufen werden. Unter Kosslick gab es bekanntlich einige Ausnahmen, um große Stars auf Promo-Tour abzugreifen und über den Berlinale-Teppich schreiten zu lassen. Mit Encounters geht dafür eine Sektion an den Start, die laut den Berlinale-Machern „ästhetisch und strukturell wagemutigen Arbeiten“ ein Publikum verschaffen soll. Es sind also sehr spezielle Werke zu erwarten, die neben dem Fachpublikum vor allem absolute Cinephile begeistern werden.

Um trotzdem hier und da ein paar große Namen einladen zu können, die nicht ins Programm passen, bleibt die vielseitige Reihe Berlinale Special, die Kino an ungewöhnliche Orte bringt, für große Premieren jenseits des Wettbewerbs sorgt oder zu Diskussionen einlädt. Kuratiert werden die Specials vom Arthouse-Experten Carlo Chatrian persönlich, was vermutlich bedeutet, dass hier alte Meister und ungewöhnliche Filmgrößen statt Blockbuster-VIPs gefeiert werden. Apropos alt: Die beliebte Reihe Retrospektive inklusive der Berlin Classics und der Hommage wird es weiterhin geben. Den Ehrenbären erhält in diesem Jahr die vielfach ausgezeichnete Helen Mirren.

 

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Eröffnet wird das Programm bei der großen Gala in diesem Jahr von Samuel Finzi, der durch den Abend führen wird. Multitalent Anke Engelke, die mit Witz und Charme der Eröffnungsgala in den letzten Jahren zum Kultstatus verhalf, hinterlässt große Fußstapfen, in die der fabelhafte, aber moderationsmäßig total unerfahrene Schauspieler stolpern wird. Wir hoffen sehr, dass ihn sein Improvisationstalent, das er auf der Bühne schon oft bewiesen hat, nicht nur durch den Abend rettet, sondern ihn zu einem Erfolg machen wird.

Wenn du selbst zum 70. Jubiläum einen Beitrag leisten willst, kannst du dich als großer Fan für die Berlinale History (70Jahre@berlinale.de) bewerben. Die Idee, hier Menschen zu Wort kommen zu lassen, die das Festival oft besucht haben und eigene Storys damit verbinden, erscheint fast wie eine Entschuldigung dafür, dass dem einstigen Publikumsfestival in Zukunft durch angehobene Ansprüche der unterhaltsame Spaß genommen wird. Aber vielleicht täuschen wir uns ja, die Hauptfilme werden schließlich erst am 29. Januar 2020 bekannt gegeben…

Die Berlinale findet vom 20. Februar bis 1. März 2020 statt.

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