Große Kostenübersicht der Bezirke

Was wo viel kostet – und warum

Was wo viel kostet – und warum
So würde sich sicher kein Bezirksbürgermeister inszenieren. Aber die Verwaltungen lassen es trotzdem ganz schön krachen, auch wenn ihr Geld nicht in schicke Autos und dicke Uhren fließt.
Dein Knöllchen, deine Hochzeit, dein Friedhof: Für alles geben die Bezirke in Berlin Geld aus. Und jedes Jahr zeigt eine Broschüre der Stadt, dass einige dabei besser wirtschaften als andere. QIEZ versucht sich an (nicht ganz ernst gemeinten) Erklärversuchen.

„Unser Anspruch ist es, die Leistungen der Berliner Verwaltung in den Bezirken in all ihrer Vielfalt in einer verständlichen Form darzustellen und vergleichbar zu machen.“ So beschreibt es Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen im Vorwort der Broschüre „Was kostet wo wie viel – die Berliner Bezirke im Kostenvergleich“. Das 112 Seiten starke Heft dröselt die Verwaltungskosten für ausgewählte Leistungen bezirksweise auf und offenbart so interessante Einblicke in das Wesen der Stadtteile. Wir haben uns die spannendsten Zahlen rausgesucht:

Knöllchen

Los geht es mit einer „Leistung“, die jeder kennt und niemand mag, das Knöllchen fürs Falschparken. Das kostet die Verwaltung in der Bearbeitung 10,56 Euro. Das heißt: Bei einem 10-Euro-Knöllchen zahlt die Stadt fünf Prozent drauf, um mir ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Aber immerhin: Vor 2013 sah die Bilanz noch viel schlechter aus. Da kostete das billigste Knöllchen nur 5 Euro. Good old times.

Perso

Ordentlich drauf zahlt der Staat auch, damit jeder weiß, wer wie groß ist und welche Augenfarbe hat. Für einen Personalausweis bezahlt der Bürger 28,80 Euro, wenn er jünger als 24 ist sogar nur 22,80 Euro. Der ganze Spaß kostet die Bezirke im Durchschnitt aber knapp 50 Euro, in Charlottenburg-Wilmersdorf sogar fast 60. Verantwortlich dafür ist angeblich der neue, elektronische Perso (der eh nicht genutzt wird). In Charlottenburg-Wilmersdorf hängt der hohe Preis vielleicht auch mit dem neuen Kreditkartenformat zusammen. Womöglich zieht sich damit die Line voller Frust leichter, wenn man sieht, dass man doch schon über 30 ist.

Hochzeit

Den Gesetzen des Marktes folgend müssten alle in Spandau heiraten wollen, niemand aber in Neukölln. Denn im Westen kostet eine Hochzeit 198 Euro, im Süden nur 103 (Durchschnitt 144 Euro). Da wir aber vom Staat und nicht vom freien Markt reden, hilft ein Blick auf die Räumlichkeiten. Neukölln wartet mit einem wunderschönen umgebauten Krankenhaus auf. Traumkulisse. Hier lassen sich die Pärchen wahrscheinlich am Fließband (billig) abfertigen. Das Trauzimmer in Spandau wird hingegen offensichtlich auch für Beerdigungen benutzt. Da nehmen Heiratswillige den Standesbeamten lieber woanders hin mit – das kostet eben.

 

 

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Ein von Dariusz Gorka (@iamdariusz) gepostetes Foto am 27. Sep 2015 um 5:55 Uhr

 

Friedhöfe

Im Tod sind alle gleich? Denkste! Die Charlottenburg-Wilmersdorfer lassen es sich nicht nur im Leben gut gehen, sondern leisten sich auch die besseren Friedhöfe. Denn dort kostet die Pflege eines Quadratmeters Friedhof 4,45 Euro, der Durchschnitt liegt bei 3,94 Euro. Große Familiengrüfte und tolle Bepflanzungen braucht es in Tempelhof-Schöneberg offensichtlich nicht. Dort gibt der Bezirk pro Quadratmeter gerade mal 1,85 Euro aus. Die anonyme Wiese ist eben die Krypta des kleinen Mannes.

Lebensmittelaufsicht

Gleich vorweg: Wir haben diese Zahlen nicht gemacht. Sie sprechen aber eine eindeutige Sprache, nämlich: Charlottenburg-Wilmersdorf leistet sich was. Das gilt auch für die Lebensmittel- und Veterinäraufsicht von Betrieben wie Wochenmärkten und Gaststätten. Kostet eine Kontrolle im Durchschnitt 100 Euro, sind es rund um den Funkturm 121 Euro. Das bedeutet entweder: In Charlottenburg-Wilmersdorf ist es dreckiger als gedacht. Oder man investiert ein bisschen mehr, um den Bewohnern dort besseres Essen zu garantieren.

Jetzt mal im Ernst…

Zum Schluss wollen wir noch einmal sagen: Wir haben nichts gegen Charlottenburg-Wilmersdorf oder irgendeinen anderen Stadtteil. Wir bei QIEZ lieben jeden Kiez, schätzen jeden Bezirk in all seinen Facetten. Und natürlich ist es fraglich, wie sehr die Ausgaben der Bezirke einen echten Rückschluss auf die Bevölkerung (und umgekehrt) zulassen.

Aber wenn schon die Verwaltung die Aufstellung nicht ernst nimmt, warum dann wir? Seit 15 Jahren werden die Zahlen erhoben, trotzdem scheint niemand Konsequenzen daraus zu ziehen und sich zu fragen: Was machen manche Bezirke besser als andere, warum ergeben sich teilweise so extreme Unterschiede? Und warum stört das keinen? All das beantwortet die Broschüre nicht. Und das ist schon wieder nicht mehr lustig.

Senatsverwaltung für Finanzen, Klosterstraße 59, 10179 Berlin
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