Die Hoffnung stirbt zuletzt

Humboldt-Universität setzt auf Exzellenz

Humboldt-Universität setzt auf Exzellenz
Der Eingang der Humboldt-Universität am Standort Unter den Linden ist repräsentativ wie eh und je. Es scheint, selbst die Dachfiguren verharren in Erwartung auf das Urteil der Gutachter
Es herrscht Aufbruchsstimmung Unter den Linden. Die Humboldt-Universität erstrahlt in neuem Glanz - teilweise zumindest. Warum der Frühjahrsputz? Nun, wer den Titel Elite-Universität der Exzellenzinitiative tragen will, muss auch exzellent gut aussehen. Das ist zumindest der Gedanke dahinter.

Über Jahre hinweg hörte man von nichts anderem als Problemen bei der Präsidentenfindung und inneren Streitereien bei der Humboldt-Universität. Jetzt spielen alle Friede-Freude-Eierkuchen: „Die Stimmung ist gut!“, hallt es von überall her. – Wie ist das passiert?

„Wir haben die Braut geschmückt“, verkündet Jan-Hendrik Olbertz, der Präsident der HU. Um einen besonders guten Eindruck beim Exzellenzkomitee zu hinterlassen, wurde das Prinz-Heinrich-Palais, welches schon seit den ersten Gehversuchen 1810 die Wiege der Alma Mater ist, renoviert. Vielleicht hilft es ja etwas, wenn am 15. Juni die HU zum dritten Mal auf einen Aufstieg in den Uni-Olymp hofft, aber eigentlich ist es der neue Präsident, der frischen Wind in die verzankten Reihen bringt: „Er pflegt einen kollegialen Stil“, urteilt ein Professor. „Geschickt, aber nicht im manipulativen Sinne“ sei er außerdem. Ein weiterer ist „froh, dass Olbertz zuhört“, denn er sei „offen, freundlich und liebenswürdig“. Und eine Wissenschaftlerin meint, „das Sympathische an ihm ist, dass er lernfähig ist“.

Hochmut kommt vor dem Fall

Nach der Wende konnte die HU durch einige Förderung herausragende Wissenschaftler in ihre Reihen holen. Dadurch stieg sie als erste Universität der neuen Bundesländer auf die Spitzenplätze der deutschen Hochschulrankings auf. Gepaart mit ihrem althergebrachten Ruhm, die „Mutter der modernen Universität“ zu sein, war die Selbstwahrnehmung der HU in höheren Sphären angesiedelt. Natürlich hielt der Vorstand der HU die Siegesurkunde des bundesweiten Exzellenzwettbewerbs 2004 bereits in den geistigen Händen. So war dann der Schock groß, als die Universität 2006 bereits in der Vorrunde des Wettbewerbs ausschied.

Auch im nächsten Jahr erging es der Hochschule nicht besser. Nicht nur, dass die Suche nach einem neuen Präsidenten schrecklich vor sich hin holperte. Die Freie Universität hatte auch noch den begehrten Titel erlangt – und die HU nicht. Man verzog sich gekränkt in die Forschung.

Alles glänzt so schön neu

Nun soll alles besser werden. Die Charité und das Max-Delbrück-Centrum (MDC) sollen als „Berlin Institute of Health“ zusammengeführt werden und mit dem neuen, ehrgeizigen Projekt am Campus Nord, einem Forschungszentrum für Lebenswissenschaften, zusammenarbeiten. Als eines der drei „Integrated Research Institues“ (IRI) steht dieses Projekt für die Hoffnung auf den Exzellenztitel. In Adlershof hat bereits ein weiteres IRI-Projekt zur Materialwissenschaft Richtfest. Ob es damit weiter geht, hängt wohl von den Mitteln der Exzellenzinitiative ab. Das dritte Institut mit dem klangvollen Namen „Thesys“ sei laut Olbertz „in seinen Konturen noch am offensten“. Dort ist geplant, dass Geografen und Agrarwissenschaftler mit Wirtschaftswissenschaftlern zusammenarbeiten.

Die so geplanten Plattformen, bei denen sich Professoren fächerübergreifend vernetzen können, waren auch für die Geisteswissenschaften mit zwei Instituten vorgesehen. Dieses Vorhaben wurde aber inzwischen auf die „Förderlinie Freiräume“ heruntergekürzt, wonach Professoren mit Buchprojekten als Lehrkräfte entlastet und Kolloquien unterstützt werden sollen. Außerdem soll es ein Forum für die Bedürfnisse der geisteswissenschaftlichen Fächer geben, das sich dann auch an das Präsidium wenden kann.

Das klingt doch sehr nach Abstellgleis. „Quatsch“, meint dazu Jörg Baberowski, der am Exzellenzantrag der HU mitwirkte und die Geisteswissenschaften als Professor für die Geschichte Osteuropas vertritt. Seiner Meinung nach bringen die Cluster und IRIs diesen Fächergruppen nicht viel: „Das ist nichts als die sinnfreie Vernetzung von irgendwas, die großen Buchschreiber pfeifen auf den Zirkus“, führt er dazu aus. Er sei glücklich, dass Olbertz den Bedürfnissen der Geisteswissenschaftler Gehör schenke, die eine „Festivalisierung“ der Wissenschaft als abträglich für die Kontemplation erachten.

Warten auf die Zukunft

Es wäre jedoch möglich, dass bei Einsparungen nach Ablauf der Mittelvergabe der Exzellenzinitiative 2017 die unvernetzten Geisteswissenschaften ganz allein auf weiter Flur stehen. Bis zu 28 neue Stellen sollen an Professoren vergeben werden, weitere in der Verwaltung, die dann auch weiter getragen werden müssen: „Wir brauchen eine Stärkung des Budgets, sonst wäre der Erfolg ein Fluch“, sagt Olbertz. Gerrit Aust, der Studierendenvertreter, sieht es so: „Ich habe Angst, wenn wir gewinnen, und Angst, wenn nicht. Die Exzellenzinitiative ist einfach komplett falsch.“

Eine zuerst angedachte Verringerung der Fakultäten von elf auf sechs ist inzwischen auch schon fast vom Tisch. Selbst seine Machtvisionen für Dekanat und Präsident stellte Olbertz inzwischen zurück: „Ich habe davon abgelassen“, sagt er. Nachdenklich betrachtet er den Teppich zu seinen Füßen: „Wenn wir gewinnen, sind wir darauf gut vorbereitet“, meint er. „Verlieren wir, würde uns das beschädigen. Eine Schicksalsfrage ist es nicht. Aber der Erfolg täte uns gut.“ Nun bleibt nur noch, abzuwarten.


Quelle: Der Tagesspiegel

Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

Telefon 030-20930
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