Berliner Museumslandschaft

Alte Meister noch lange in Gemäldegalerie

 Laut Michael Eissenhauser, dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, werden die Alten Meister noch lange in der Gemäldegalerie bleiben.
 Laut Michael Eissenhauser, dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, werden die Alten Meister noch lange in der Gemäldegalerie bleiben.
Die Streiterei um die Zukunft der Alten Meister in Berlin war nicht zimperlich. Jetzt hat sich der Museumschef Eissenhauer zum ersten Mal detailliert zu Wort gemeldet. Er sagt: Die Kunstwerke kommen im Kulturforum erst dann von der Wand, wenn der Erweiterungsbau am Bodemuseum so weit ist.

Der Generaldirektor der Staatlichen Museen Michael Eissenhauer äußerte gegenüber dem Tagesspiegel, die weltweit bekannte Sammlung mit Meisterwerken von Rembrandt über Dürer bis Botticelli solle so lange wie möglich in der erst vor 14 Jahren bezogenen Gemäldegalerie am Kulturforum bleiben. „Wir hängen die Bilder erst ab, wenn es einen bestätigten Zeit- und Finanzierungsrahmen für den Erweiterungsbau gibt, vorher nicht“, sagte er. „Natürlich werden wir nicht die Spitzenwerke wie Rembrandt, van Eyck, Botticelli ins Depot verbannen.“

Eissenhauer räumt Kommunikationsversäumnisse ein

Im Juni dieses Jahres hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages überraschenderweise zehn Millionen Euro bewilligt, mit denen die Gemäldegalerie als Museum des 20. Jahrhunderts mit den wichtigen Arbeiten der Klassischen Moderne, die zurzeit in der Neuen Nationalgalerie zu finden sind, umgenutzt werden soll. Auch die Sammlung mit surrealistischen Werken, die ein Geschenk des Berliner Ehepaars Pietzsch war, sollte dort integriert werden. Darum waren Sorgen laut geworden, dass schon im September 2012 mit dem Auszug der Alten Meister angefangen werden könnte. Eissenhauer kommentierte das so: „Das Geld ist zweckgebunden, nicht zeitgebunden.“ Es werde gewiss noch Jahre dauern, bis der politische Beschluss für einen Erweiterungsbau am Bodemuseum für die Alten Meister erwirkt sei und in die Tat umgesetzt werden könne.

In Petitionen im Internet hatten sich in den vergangenen Wochen mehrere Hundert unterzeichnende Personen gegen die sogenannte Museums-Rochade stark gemacht. Die meiste Kritik war besonders davon ausgelöst worden, dass die Hälfte der Sammlung der Alten Meister ins Depot verbannt worden war. Das bezeichnete Eissenhauer als „ein großes Missverständnis“, räumte jedoch Versäumnisse ein, was das Kommunizieren der neuen Ordnung der Museumslandschaft in Berlin betrifft. Es sei noch nicht gesagt, ob die Interimszeit bis zu zehn Jahre dauern würde, die Stiftungspräsident Hermann Parzinger genannt hatte.

Nur Dresdens Alte Meister haben bessere Besucherzahlen als die Gemäldegalerie

Eissenhauer unterstrich, wie sehr eine neue Perspektive nötig sei – nicht nur für die Alten Meister auf der Museumsinsel, „im Zentrum der veränderten Stadt seit dem Mauerfall“, sondern auch für die Moderne am Kulturforum als „Kristallisationspunkt der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts“. Mit Nachdruck empfahl er die Gemäldegalerie als zukünftigen Standort für die Neue Nationalgalerie. Eine Erweiterung des Mies-van-der-Rohe-Baus, die seine Vorvorgänger Wolf-Dieter Dube und Günter Schade zuletzt erneut ins Gespräch gebracht hatten, komme nicht in Frage. Der Platzbedarf sei erheblich größer. Die Denkmalpflege verbiete es zudem, die Architektur-Ikone als Solitär anzutasten.

Im selben Moment gestand Eissenhauer, dass für das Kulturforum ein dringender Handlungsbedarf bestehe. Er nannte das Kulturforum eine „urbanistische Brache“. Der nicht abschwellenden  Kritik an zu niedrigen Besucherzahlen der Gemäldegalerie setzte er entgegen, dass die Altmeistersammlung der Hauptstadt nach jener in Dresden die am zweitbesten besuchte derartige Kollektion in Deutschlands sei. „Die Besucherzahlen der Gemäldegalerie sind nicht schlecht, sie werden nur schlechtgeredet“, so Eissenhauer. Für das Kulturforum prognostizierte er eine Zukunft ähnlich der Museumsinsel, jedoch appellierte er auch an die Geduld, was das Umsetzen der Planungen angeht.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Gemäldegalerie Berlin, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Telefon 030 266424242

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