Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Kick it like Dwenger

Kick it like Dwenger
Gerade mal 21 Jahre alt ist die zweifache Berliner Meisterin im Tischfußball. Zur Foto-Galerie
Katja Dwenger ist Berliner Meisterin im Tischfußball. Die Kickerkneipen der Hauptstadt sind ihr Spielfeld, sogar zur Weltmeisterschaft nach Nantes ging es schon. Doch im beschaulichen Buckow liegt ihre Ruheoase.

„Eigentlich komme ich ja aus Rudow. Vor fünf Jahren zog ich mit meinem Vater nach Buckow, wo es ziemlich dörflich ist. Wir wohnen in einem kleinen Sechs-Parteien-Häuschen mit Terrasse, Garten und unseren Katzen Lucky und Lilly. Dort fühle ich mich zu Hause und kann entspannen, vor allem nach so einer aufregenden und auch etwas anstrengenden Zeit wie bei der WM“, erklärt die erst 21-jährige Dwenger.

Im Süden Neuköllns liegen die Anfänge ihrer Kickerkarriere: „Mein Vater hat viel an unserem alten Kickertisch im Keller trainiert und ich hörte es dann abends knallen. Ich wollte nicht spielen und habe immer ‚Nein‘ gesagt. Als ich 17 war, habe ich mich dann schließlich doch von meinem Vater überreden lassen und bin mit ihm zum Training gegangen.“

Wer verliert, reinigt das Katzenklo

Obwohl Dwenger stetig besser wurde, verlor sie anfänglich ziemlich viele Spiele gegen ihren Vater, der heute bei den Senioren mitmischt. „Damals haben wir oft darum gespielt, wer das Katzenklo sauber macht. Mein Vater hat das ganz schön ausgenutzt, dass ich da noch nicht so gut war!“, lacht die Tischfußballerin.

Schaut man diese schlanke Frau mit den langen, dunkelblonden Haaren und dem noch so jungen Gesicht an, ahnt man nicht, wie viel Ehrgeiz und Kampfgeist in Katja Dwenger stecken. In Nantes holte sie den fünften Platz im Damendoppel, ein super Ergebnis, vor allem wenn man bedenkt, dass es ihr erstes internationales Turnier an fremden Tischen gewesen ist.

„Ich bin zufrieden, natürlich wünscht man sich immer mehr, aber wir sind erst relativ am Ende gegen eine französische Legende ausgestiegen. Das ist schon ziemlich gut“, erklärt sie. Trotz Erkältung strahlt die Sportlerin über das ganze Gesicht, wenn sie über die Ereignisse der WM, aber auch über ihr sechsköpfiges Team „Abteilung Unbemannt“ des Vereins Berliner Kickerbetriebe (BKB) spricht.

Spaß bei der Sache

„Wir sind die erste reine Frauenmannschaft in der Liga in Berlin“, sagt Dwenger stolz. Bei der Frage nach Zickenkrieg bei so viel geballter Frauenpower lacht sie und schüttelt den Kopf: „Wir verstehen uns zum Glück alle total gut. Der Humor zwischen uns passt perfekt. Am Kickertisch sind wir eigentlich immer nur am Gackern.“

Katja Dwenger am Kicker

Zusammen mit ihren Kickerfreundinnen macht sie die Kneipen Berlins unsicher. „Leider gibt es in Neukölln keine richtigen Orte zum Kickern. Ich gehe gern in den Platzwart in Kreuzberg. Zum Training treffen wir uns aber eher in Danny’s Kickerparadies oder im La Batea. Eigentlich bin ich eher faul, was Trainieren angeht. Ich will nicht, dass mir der Spaß dabei verloren geht, weil ich das Gefühl habe, das machen zu müssen“, meint sie.

Respekt zwischen Nachbarn

Entspannung und Ruhe findet Dwenger, die einmal Grundschullehrerin werden will, in ihrem Zuhause in Buckow: „In meinem Kiez gefällt mir unsere Siedlung am besten. Ich finde die super. Es ist ein Rückzugsort für mich, wo ich mich wohl fühle. Außerdem gibt es da mein Lieblingsrestaurant, den „Linden-Garten“. Dort ist die Bewirtung nett, alles ist persönlich gehalten und es gibt den leckersten Gänsebraten überhaupt!“

Trotz der großen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Neuköllns, zu dem auch Buckow zählt, fühlt sich die Sportlerin als Gesamt-Neuköllnerin. „Der Bezirk braucht Veränderung. Ich finde Buschkowsky hat mit vielen Dingen in seinem Buch gar nicht so unrecht. Viele wollen aus Angst vor den Reaktionen nicht sagen, was Sache ist. Das merkt man zunehmend auch hier in Buckow. Immer mehr Migrantenfamilien wandern aus den härteren Ortsteilen in den Süden ab. Da habe ich grundsätzlich nichts dagegen, aber man muss sich gegenseitig respektieren“, erläutert sie.

Der Traum von Olympia

Respekt spielt für Dwenger eine große Rolle, gerade wenn es darum geht, sich gegen ihre männlichen Kollegen zu behaupten. Denn Tischfußball ist hauptsächlich ein Männersport. Für ihr Spiel holt sich die Berlinerin deshalb auch vorwiegend Tipps von Männern aus der Berliner Kickerszene oder von nationalen bzw. internationalen Spielern bei Turnieren. „Männer spielen meist ein viel präziseres und aggressiveres Spiel, was sehr erstrebenswert ist. Man muss halt ehrgeizig sein in diesem Sport, es wirklich wollen und Durchhaltevermögen haben. Von nichts kommt nichts, sag ich immer!“, findet sie.

Ihr nächstes Ziel ist es, ins Nationalteam zu kommen. Dafür braucht sie Sponsoren, die ihre vielen Reisen zu den Turnieren unterstützen. „Es muss ja nicht immer Geld sein, auch materielle Dinge wie eine Sporttasche oder T-Shirts würden schon helfen“, erklärt Dwenger, die sich wünscht, dass Tischfußball irgendwann einmal so anerkannt sein wird, dass sie mit ihrem Team zu Olympia kann und dass es Kickerkneipen in Neukölln und Buckow gibt.

Foto Galerie

Kick it like Dwenger, Alt-Buckow 25-27, 12349 Berlin

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