Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Martin Buchholz: "Berlin ist meine Stadt!"

Kabarettist Martin Buchholz.
Kabarettist Martin Buchholz.
Schlachtensee - Daheim ist der Kabarettist seit einigen Monaten im Südwesten der Stadt. Zuhause fühlt sich der gebürtige Westberliner allerdings in ganz Berlin. Wir haben mit dem scharfzüngigen Beobachter der politischen Landschaft über seine Kindheit im Wedding, die Berliner Ruppigkeit und empfehlenswerte Kneipen gesprochen.

Sonntagnachmittag im Kabarett-Theater Die Wühlmäuse am Theodor Heuss Platz. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Und das, obwohl sich Stammgast Martin Buchholz dem Fernsehen und der dazugehörigen Einflussnahme durch die Programmchefs bis heute konsequent verweigert hat. Auch an diesem Abend werden weder treue Fans noch Buchholz-Neueinsteiger enttäuscht: In seinem zweistündigen Programm „Macht!Menschen“ nimmt der Kabarettist, den die Wochenzeitung Die Zeit als den „bösesten und zugleich witzigsten Wortwerker dieser Republik“ geadelt hat, die Zuschauer mit auf einen wilden Ritt durch die deutsche Politiklandschaft und das Partnerschaftsverhalten in heimischen Wohnzimmern (macht Menschen!). Dabei verschlägt vor allem die waghalsige Wortakrobatik des gelernten Journalisten den Zuhörern immer wieder den Atem. Am Ende der Vorstellung hat sich der auf den ersten Blick unauffällige 71-jährige, dem gerne die Lesebrille von der Nase rutscht, Spuren im (sozialen) Bewusstsein seines Publikums hinterlassen.

„Berlin habe ich vor allem durch zahlreiche ‚Liebschaften‘ kennengelernt“, schmunzelt Martin Buchholz im Anschluss an die Vorstellung bei einem entspannten Feierabendbier im Foyer der Wühlmäuse. Im Verlauf seines Lebens hat der Kabarettist und Autor auf diese Weise „in allen zwölf West-Berliner Bezirken – abgesehen von Spandau – gelebt“. Derzeit bewohnt er mit seiner Lebensgefährtin ein Mehrfamilienhaus in der Nähe des Schlachtensees. Dort fühlt sich Buchholz gut aufgehoben: „Im Haus selbst herrscht eine schöne Mischung und vor allem in der Gegend um den Mexikoplatz gibt es alles, was einen schönen Kiez für mich ausmacht: nette Menschen, gute Restaurants, kleine Buchläden und eine Gärtnerei meines Vertrauens.“ Auch sympathische Kneipen machen für den Kabarettisten einen Kiez liebenswert. Seine liebsten Adressen finden sich in diesem Zusammenhang jedoch (noch) nicht in Zehlendorf, sondern vor allem in Schöneberg und Charlottenburg. Buchholz empfiehlt etwa das Jonas in der Naumannstraße, den Zwiebelfisch, die Witwe Bolte oder die Künstlerkneipe Diener Tattersaal.

In gefragte Kneipen wie die Paris Bar verschlägt es Buchholz dagegen nicht: „Ich bewege mich lieber abseits der Touristenströme und der ‚angesagten‘ Promi-Locations.“ Auch am Potsdamer Platz fühlt sich der Journalist, der in den 60er und 70er Jahren zu den Herausgebern linker Blätter wie des Berliner EXTRA-Dienstes oder der Tageszeitung „Die Neue“ gehörte, heute nicht unbedingt wohl. „Dort hatte ich einmal kurzzeitig eine Wohnung angemietet – aber tagsüber kann man dort eigentlich nur einkaufen und abends ist es fast überall total tot“, berichtet er. Mit dem Hackeschen Markt ergeht es ihm ähnlich: „Ich besuche gern das Chamäleon Theater oder das Kino in den Hackeschen Höfen, doch zum Leben ist es mir in Mitte viel zu trubelig“, berichtet Buchholz.

Geboren wurde der Kabarettist 1942 in Berlin-Wedding. „Dort entging ich nur knapp einer kriminellen Karriere“, erinnert sich Buchholz mit einem Lächeln. „Ich war das jüngste Mitglied in einer Gang, die Metalle klaute. Mit meinen Geschichten von Karl May konnte ich mir bei den Größeren Respekt verschaffen.“ Doch schon bald wuchs der lesebegeisterte Junge aus diesem Umfeld heraus: „Meine Gang wurde mir einfach zu blöd.“

Nach der Wende entdeckte der kritische Beobachter der deutschen Politiklandschaft den Ostteil der Stadt. „Bis heute finde ich es wahnsinnig spannend, wie sich Berlin permanent verändert. Abgesehen von Jerusalem gibt es keine spannendere Stadt auf der Welt“, so Buchholz. Und auch wenn er Gegenden wie die Schlossstraße oder die Müllerstraße heute für „schickimickisiert“ hält, betont der preisgekrönte Kabarettist: „Spätestens wenn ich einmal länger weg war, merke ich: Berlin ist meine Stadt!“ Auch die Berliner Ruppigkeit gehört dabei für Buchholz zu den liebenswerten Eigenheiten: „Wenn wir Zeit in unserem Ferienhaus im Erzgebirge verbringen, ist es für einige Zeit ganz erholsam, auf diese Ruppigkeit zu verzichten. Doch wenn ich dann zurück bin, fühle ich mich durch sie gleich wieder wie zuhause“, schmunzelt er.

Mehr von Martin Buchholz? Auf seiner Website www.martin-buchholz.de veröffentlicht der Autor alle sieben Tage den „Wochenschauer“, einen ständig wechselnden Wochenkommentar. Live ist der Kabarettist vom 26. bis zum 31. Dezember und im Januar immer Samstags in den Berliner Wühlmäusen zu erleben. Tickets gibt es hier.

Martin Buchholz: "Berlin ist meine Stadt!", Mexikoplatz, 14163 Berlin

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