Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Nora Huetz: "Menschenmassen schüchtern mich ein"

Nora Huetz:
Kreuzberger Sonne im Gesicht: Schauspielerin Nora Huetz. Zur Foto-Galerie
Bergmannkiez - Berlin hat ihr den Weg in die Schauspielerei geebnet. SOKO, Dr. Klein und Tatort - Nora Huetz ist längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Auch nicht in ihrem Kiez. Als Kind vom Land weiß sie die dörfliche Atmosphäre ihrer Wahlheimat um die Bergmannstraße sehr zu schätzen. Ein Streifzug mit tierischer Begleitung...
Fröhlich mit dem Schwanz wedelnd kommt sie um die Ecke der Marheineke Markthalle gerannt, Mischlingshündin Sissi. „Die Kaiserin muss immer eine Extrarunde mit ihren Kumpels drehen“, lacht Besitzerin Nora Hütz. Seit drei Jahren wird die Schauspielerin von der kleinen Frohnatur begleitet. Sie weiß genau, welches die erste Station an diesem sonnigen Herbsttag ist: Barcomis auf der Bergmannstraße. Der Duft von frisch gerösteten Bohnen scheint nicht nur Frauchen, sondern auch den kleinen Hund magisch anzuziehen.
 
Für ein Leckerli tut Hundemischling Sissi alles, auch tanzen.
 
Kaum dort angekommen, spricht uns ein Mann an. Er suche Jack. „Der sprang eben noch vor der Markthalle umher“, kann Nora Auskunft geben. Man kennt sich unter Hundebesitzern, da macht der Bergmannkiez keine Ausnahme. Für die 29-Jährige geht es hier wie auf dem Dorf zu, welches sie auch kaum verlassen müsse. Es sei denn, ein Drehtermin steht an oder ein Besuch bei Freunden in Prenzlauer Berg. Sonst wäre das aber nicht ihr Kiez, „dort komme ich nicht so richtig an“.
 

„Die Türken sind die Urberliner“

 
Als sie nach dem Abitur nach Berlin kam, wohnte sie zuerst am Winterfeldtplatz. Danach in einem hübschen Altbau in Moabit. Ganz wohl habe sie sich dort aber nicht gefühlt. Außerdem war sie hungrig nach dem Leben, „nur Familien und ältere Menschen waren dann doch zu langweilig“. Also sprang sie mitten hinein ins Leben und zog (rein zufällig) gegenüber vom legendären SO36 ein. Aus der Not heraus musste sie die Wohnung verlassen. „Was auch gut ist, heute wäre ich aus der Oranienstraße herausgewachsen“, lacht sie. 
 
Auch wenn Kreuzberg oft in den Schlagzeilen steht und ein Kriminalitätsschwerpunkt in Berlin ist, die gebürtige Hessin fühlt sich in ihrem Kiez sicher: „Hier ist immer was los und du bist nachts nie alleine auf der Straße“. Schön findet die Wahl-Kreuzbergerin vor allem die Mischung und das Zusammenleben der verschiedenen Nationen: „Die türkischen Familien sind für mich die Urberliner, weil sie hier schon immer leben.“
 
Das Leben in Kreuzberg ist ganz nach ihrem Geschmack, sogar ein bissen dörflich.
 
So gesehen war Berlin genau die richtige Wahl. Vor allem, um den Weg in die Schauspielerei zu finden. Nora Huetz ist ein Kind vom Land, in Bad Hersfeld aufgewachsen. „Dort gibt es keine Uni und auch kein Theater. Der einzige Kontakt, den ich zum Schauspiel hatte, waren die Sommerfestspiele“, erinnert sie sich. „Als ich nach Berlin kam, habe ich alles aufgesaugt und bin drei- bis viermal in der Woche ins Theater gegangen.“ Eines ihrer Lieblingstheater ist die Schaubühne, „bereits beim Betreten spürt man, dass an diesem Ort Kunst gemacht wird.“ Auch perfekt, um die Szene kennenzulernen. „Wenn ich mich direkt nach dem Abi an einer Kunsthochschule beworben hätte, wer weiß ob das geklappt hätte“, kommt sie ins Grübeln und erklärt, dass nur Talent zu haben nicht ausreiche, um in ihrem Beruf Fuß zu fassen. „Man sollte auch wissen, worauf es ankommt und sich auskennen.“
 

Vegetarierin aus Überzeugung

Das Studium an der Potsdamer Filmuniversität „Konrad Wolf“ hat sie längst erfolgreich abgeschlossen. Inzwischen gehört sie zum Hauptcast der ZDF-Serie Dr. Klein. Ihr aktuellstes Projekt ist der zweite Berliner Tatort „Ätzend“, in dem ihre Episodenrolle nicht unwesentlich zur Überführung des Mörders beiträgt. „Ich schlüpfe gerne in extreme Rollen“, sagt Nora. Auch in die einer Köchin? Im Film vielleicht, aber im echten Leben lieber nicht, da ist sie ehrlich. „Dafür fehlt mir die Leidenschaft. Ich kann mich ganz gut selber versorgen und mir etwas in die Pfanne packen“. Wie gut, dass es das Kochhaus in der Nähe gibt. „Dort kaufe ich alles für ein Gericht, was dann nach Anleitung gekocht wird und besser schmeckt als Pasta mit Käse“.
 

Und bei der riesigen Auswahl an Restaurants im Kiez ist es nicht zwingend notwendig, ein Ass in der Küche zu sein. Auch dann nicht, wenn man sich wie Nora bewusst ernährt. Mittags geht sie gerne in der Markthalle zur Kleenen Aubergine. An dem Stand, der ausschließlich vegetarische und vegane Gerichte anbietet, hat sie die Karte bereits rauf und runter probiert, „es schmeckt einfach alles“. Wenn es etwas Süßes sein soll, sei das Bretagne ein paar Stände weiter eine gute Alternative mit französischen Spezialitäten wie Crepes, Galletes und Croissants. 

Nora Huetz ist Stammgast bei der Kleenen Aubergine.

Seit zwei Jahren ernährt sie sich nicht nur vegetarisch, „vegan schaffe ich nicht“, sie achtet auch beim Kauf von Kleidung immer mehr darauf, was im Kleiderschrank landet: „Wenn man sich genauer mit dem Thema beschäftigt und je mehr man darüber weiß, desto mehr vergeht mir die Lust am Sachen kaufen.“ Außerdem sei ihr Mode nicht sonderlich wichtig, „ich bin nicht so sehr der Fashionfreak“, was man ihr beim Blick auf ihr Outfit nicht so recht glauben mag. „Einmal im Jahr gehe ich richtig shoppen, dann aber in Mitte“. In Kreuzberg verschlägt es sie ab und an ins Colours, um etwa für ein Vorsprechen oder eine Party ein Teil zu kaufen. Second Hand sind auch oft die Bücher, die sie sich in einer der Antiquariate um die Bergmannstraße besorgt – um ein Stück im Original zu lesen.

Sissi vegetarisch zu ernähren hält sie für unsinnig: „Schon allein deren Gebiss weißt darauf hin, dass es Fleischfresser sind“. Klingt plausibel und schon machen wir uns auf den Weg zu Barfers Wellfood, um einen Knochen und eine Portion frischen Rinderblättermagen für unseren hungrigen Begleiter zu kaufen. Ein Leben ohne Sissi könnte sich die Tierfreundin nicht mehr vorstellen. Ebenso wenig wie ein Leben ohne Pferde. „Ich bin total besessen vom Reiten“ – allein der Gedanke an die edlen Tiere bringt ihre Augen zum Strahlen. Wenn es die Zeit zulässt, fährt Nora täglich nach Neubeeren zum Reiterhof, Sissi immer im Schlepptau. Und dort beim Reiten über die Koppeln träumt sie von einem Leben auf dem Land, weit weg vom Großstadttrubel und Menschenmassen.

Kommenden Sonntag, den 15.11.2015 ist Nora Huetz neben Meret Becker und Mark Waschke im Berliner Tatort „Ätzend“ zu sehen.

Foto Galerie

Barcomis Cafe & Kaffeerösterei, Bergmannstraße 21, 10961 Berlin

Telefon 030 6948138

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