Studie des Verlags Gelbe Seiten Berlin

So speist(e) die Hauptstadt: Die 60er Jahre

So speist(e) die Hauptstadt: Die 60er Jahre
Chinesische Küche - in Berlin seit den 60er Jahren ein Klassiker. Zur Foto-Galerie
Die Italiener waren die ersten, die ihre Esskultur nach Berlin gebracht haben, oder? Aber wann kamen eigentlich die ganzen Sushi-Läden in die Stadt? Und wie war das mit dem Döner? Unsere neue Serie unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte des Ausländischessens in Berlin - von 1951 bis 2013. Weiter geht's heute mit den 60er Jahren.

Romantische Nächte im Zoo (c) Aufbau Verlag
Als Vorlage für die Reise durch die Jahrzehnte dient uns Harald Martensteins „Kleine Geschichte des Ausländischessens“ (in: Martenstein, Romantische Nächte im Zoo, Aufbau Verlag, 2013). In Bezug auf die 60er Jahre schreibt der Autor: „Die zweite Welle, 60er Jahre, bestand dann aus dem Jugoslawen, dem Griechen und dem Chinesen.“ Während der Grieche Martenstein zufolge als Erster „mit eigenem Soundtrack“ arbeitete und die deutschen Arbeiter sich wegen Schnaps und Hackfleisch beim Jugoslawen am wohlsten fühlten, wurde der Chinese „zum Hauptrivalen des Italieners, weil er ähnlich zahlreich auftrat“.

Die Zahlen der im August 2013 von der BFB BestMedia4Berlin GmbH erstellten Studie zum Ausländischessen in Berlin scheinen Martensteins Beobachtungen zumindest teilweise zu bestätigen. Zwar setzten die West-Berliner, wenn sie einen Restaurantbesuch planten, noch immer vor allem auf deutsche Küche, doch im Verlauf der 60er Jahre siedelten sich immer mehr jugoslawische und chinesische Betriebe in der Stadt an. Bis 1969 stieg die Zahl der jugoslawisch/kroatischen Restaurants von drei (1961) auf neun und die der chinesischen Gaststätten von zwei (1960) auf 17. Nur die Griechen können in West-Berlin nicht mithalten: 1967 war mit drei Restaurants zunächst der Höhepunkt der griechischen Esskultur in der Stadt erreicht.

Einer der ältesten Chinesen

Zu den ältesten „exotischen“ Restaurantbetrieben gehört das chinesische Gasthaus Lon-Men in der Bamberger Straße, das seit 1969 durchgehend betrieben wird. Anders als viele andere chinesische Restaurants ist das Lon Men in den vergangenen Jahrzehnten der traditionellen Länderküche treu geblieben. Für alle Gäste, die partout auf westliche Einflüsse verzichten wollen, gibt es sogar eine eigene Speisekarte mit original chinesischen Gerichten. Zu den Klassikern im Lon-Men gehören die einzigartigen Sparerips Wuxi und Ente mit Plätzchen zum Selbsteinwickeln.

Doch auch am Lon Men sind die Jahre nicht spurlos vorbei gegangen: „Die Entwicklung über die Jahre geht mehr und mehr zum Lieferservice. Unser Publikum ist eher älter, was sicher auch an der etwas altmodischen Einrichtung und der wenig modernen Speisekarte liegt. Vietnamesen bevorzugen eher Modernität, wir haben uns auf die traditionelle Küche spezialisiert – planen aber auch, uns zu modernisieren“, so Inhaber Cheng-Kuo Ting. Zu den wohl berühmtesten Gästen, die das Lon-Men in seiner langen Berliner Geschichte schon begrüßen durfte, gehört Alt-Kanzler Helmut Kohl.

Welche Geschichten können Sie über die Lieblingsrestaurants der Berliner oder die Lust der Hauptstädter am Ausländischessen erzählen? Erinnern Sie sich an besondere kulinarische Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten? Schreiben Sie uns an redaktion@qiez.de!

Foto Galerie

Restaurant Lon-Men, Bamberger Straße 30, 10779 Berlin

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