Nikolassee, Zehlendorf
Raststätte Dreilinden

Von Bohrern und Diskokugeln

Von Bohrern und Diskokugeln
Die Raststätte Dreilinden war Restaurant und sollte Disko werden. Jetzt kommt es ganz anders. Bald dient sie als Abstellplatz für Baubohrer.
Seit zehn Jahren steht die ehemalige Raststätte Dreilinden leer. Der rote und blaue Putz bröckelt von den Wänden, einzelne Fensterscheiben sind eingeschmissen. Seit 22. Juni 2012 hat das auffällige Gebäude an der Autobahn und auf ehemaligem Grenzgebiet einen neuen Besitzer. Der will aus dem Gelände einen Abstellplatz für große Baumaschinen machen.

Seit zehn Jahren steht die ehemalige Raststätte Dreilinden leer. Der rote und blaue Putz bröckelt von den Wänden, einzelne Fensterscheiben sind eingeschmissen. Seit vergangenen Freitag hat das auffällige Gebäude an der Autobahn und auf ehemaligem Grenzgebiet einen neuen Besitzer. Bald wird das Gelände zum Abstellplatz für große Baumaschinen.

Letzte Woche Freitag kam die poppig-bunte Raststätte unter den Hammer. Für 535.000 Euro hat sie der 65-jährige Berliner Geschäftsmann Werner Scharwächter mit nach Hause genommen. Im Gegensatz zu anderen Anwerbern denkt der Besitzer der Firma Boramtec nicht an eine gastronomische Nutzung. Um den Turm des Dreilinden-Turms bietet eine 5000 Quadratmeter große Fläche zukünftig Platz für seine „außerordentlich großen Maschinen“, hieß es von Scharwächter nach der Auktion.

Der Sauerländer ist seit 1992 mit seiner Firma „Bohr + Rammtechnik Berlin GmbH“  in Karlshorst stationiert. Nun findet der Unternehmer, dass die Lieferung an seine vorwiegend ausländischen Kunden durch die Nähe des Geländes zur Autobahn um einiges leichter vonstattengehen wird. So haben die Rammgeräte und Fundament- und Tiefbohranlagen vor dem Export genügend Platz und können gut abtransportiert werden.

Über die Grenze tanzen

Von einer Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes im Gastgewerbe ist der Unternehmer nicht abgeneigt: „Eine Disko kann ich mir auch vorstellen, wenn ich damit Geld verdienen kann.“ Ähnliches hatte der Vorbesitzer, der 2009 den Preis für das Grundstück an den Liegenschaftsfonds zahlte, vor: Ein Autobahnhotel sollte es geben, dazu ein Amerikanisches Diner und eine Lounge. Trotz grünen Lichts vom Bezirksamt wurde das Projekt nicht umgesetzt, wohl wegen zu großen Kostenaufwands. Nach zehn Jahren Brache sind die Räumlichkeiten nicht nur „sanierungs- und modernisierungsbedürftig“, sondern auch durch einzelne Vandalismus-Delikte entstellt.

Zuerst war das Gebäude im Pop-Art-Stil 1973 als Restaurant erbaut worden. Die Pläne kamen vom Architekten Rainer Gerhard Rümmler, der auch einige U-Bahnhöfe der Hauptstadt designte. Mit bunten Farben sollte sich die Raststätte dem Einheitsgrau des DDR-Grenzpostens entgegenstellen. Schon damals war die Gaststätte kein Publikumserfolg und inzwischen ist nicht mal mehr eine direkte Verbindung zur Autobahn gegeben. Der Kontrollpunkt, an dem man vorbei muss, um auf das Gelände zu gelangen, hieß übrigens Checkpoint Bravo bei den Amerikanern, Drewitz im Osten und Dreilinden im Westen. Dieses Kind der vielen Namen war am Freitag für wenigsten 450.000 Euro ausgeschrieben. Ein anderer interessierter Käufer aus Zehlendorf sprach nicht über seine potentiellen Pläne für den Farbklecks am alten Grenzübergang.

Von Bohrern und Diskokugeln, Potsdamer Chaussee 62, 14109 Berlin

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