Erste temporäre Spielstraße

Auf die Straße, Kinder!

Auf die Straße, Kinder!
Eine Straße wird zum öffentlichen Spielplatz.
Humannplatz - Berlins erste temporäre Spielstraße kann kommen! Die Gudvanger Straße 16 bis 22 wird bald wöchentlich für Autofahrer gesperrt und für die vielen Kinder vor Ort geöffnet. Warum Prenzlauer Berg das Projekt braucht, erklärt Matthias Groh, Anwohner und Initiator.

Fast 3000 Kinder und Jugendliche kommen täglich rund um den Humannplatz zusammen. Der ist schön und rennoviert, reicht für seine Nutzer aber nicht aus. „Auf dem Spielplatz vor Ort treten sich die Kinder buchstäblich gegenseitig die Füße breit“, erklärt Matthias Groh, Sprecher der Initiative „Spielen auf der Gudvanger Straße„. Er selbst hätte als Anwohner nie mit seinem Nachwuchs auf dem Platz spielen können, weil Kinder aus den umliegenden sieben Kitas und vier Schulen die Fläche bevölkert hätten. Einige der Einrichtungen verfügten nämlich nicht über einen eigenen Garten.

Dagegen hat sich die Verkehrs-AG der Wilhelm-von-Humboldt Gemeinschaftsschule etwas einfallen lassen: Ein 35 Meter langer Abschnitt der Gudvanger Straße soll jeden Dienstag von 10 bis 18 Uhr von Kindern, Jugendlichen und Eltern zum Spielen genutzt werden können. Zum einen würde so Platz geschaffen, außerdem biete die Straße ganz andere Möglichkeiten als ein sandiger Spielplatz. Groh spricht davon, dass Kinder dort mit Kreide malen oder mit Papa eine Carrera-Bahn aufbauen könnten. Die Straße könnte außerdem zum Beispiel zum Skaten für Jugendliche interessant werden, die den Spielplatz vor Ort nicht mehr nutzen.

95 Prozent der Anwohner finden die Idee gut

Seit dem Jahr 2013 gibt es die Idee zu einer temporären Spielstraße an der Gudvanger Straße. Nicht nur die Verkehrs-AG, sondern auch Kitas, der Jugendclub W24 und Anwohner unterstützen das Vorhaben. Gemeinsam haben sie mit dem südlichen Ende der Gudvanger Straße den passenden Ort für die Spielstraße gefunden. Im letzten Jahr wurde sie zwei Mal probehalber gesperrt und zum Spielen freigegeben, die Initiative hat außerdem ihr Vorhaben publik gemacht und Meinungen der Anwohner, anliegenden Kitas, Schulen und Restaurants gesammelt.

Die meisten unterstützen das Einrichten einer temporären Spielstraße vor ihrer Tür, nur vier Haushalte sind dagegen. Meist sind die Gegner Autofahrer, weil sie in dieser Zeit einen anderen Parkplatz suchen müssen. Den finde man aber buchstäblich um die Ecke, entgegnet Matthias Groh, denn auch die Parksituation in den angrenzenden Straßen hat die Initiative vorsorglich untersucht. Außerdem brauche es für den Testlauf nichts als ein paar Gitter und zwei Schilder, die auf die Sperrung hinweisen.

 

Am 21. April kann es endlich losgehen. Nach sechs Monaten wird dann evaluiert: Wie wurde das Konzept angenommen? Wie viele Haushalte befürworten das Projekt dann noch? Dauerhaft wäre die Gudvanger die weltweit erste temporäre Spielstraße, die auch am Vormittag und in Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen betrieben wird.

Nur die Verkehrspolitiker bleiben skeptisch

Am Ende stimmte die BVV sogar einstimmig für die Umsetzung des Testlaufes, obwohl die Straßenverkehrsbehörde streng gegen eine temporäre Sperrung ist. „Jetzt muss die Verkehrsbehörde eben machen, was die Politiker sagen“, freut sich Groh. Und er freut sich sicher nicht allein. Wer die Initiative unterstützen möchte, sollte ab April vor allem zum Spielen vorbeikommen. „Was wir immer gebrauchen können sind Zeit, Geld und Leute, die spielen wollen und Ideen haben“, erzählt Groh. Na dann kanns ja losgehen.

Auf die Straße, Kinder!, Gudvanger Straße 22, 10439 Berlin

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