Eine Institution wird 100

Happy birthday, Volksbühne!

Happy birthday, Volksbühne!
Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz hat in den letzten Jahren viel mitgemacht - nicht nur äußerlich.
Scheunenviertel - Die Volksbühne wird 100 Jahre alt. Ihre Geschichte und ihr Charakter sind einzigartig. Was vor mehr als einem Jahrhundert in einem Berliner Arbeiterviertel begann, ist heute ein Exportschlager.

„In einem Stadtteil, wo keineswegs die Begüterten wohnen, wird ein neues Theater eröffnet, vielleicht das größte und schönste in Groß-Berlin (…) Keine Gruppe von Kapitalisten hat ihn unternommen, sondern das Volk selbst, und sein Betrieb ist nicht darauf gerichtet, Geschäftsgewinne zu verteilen, sondern dient vielmehr völlig dem Gemeinwohl, der geistigen Kultur, ein Werk und ein Werkzeug des Idealismus, bei dem kein persönlicher Eigennutz beteiligt ist.“ Diese Zeilen standen am 30. Dezember des Jahres 1914 im Programmheft der Volksbühne, die damals noch unter dem Namen „Theater am Bülowplatz“ lief. Viel hat sich seither an der Volksbühne und um sie herum verändert. Längst sind es nicht mehr nur kunstbegeisterte Arbeiter, die auf einem der 797 roten Polstersitze des Saals Platz nehmen. Doch beginnen wir am Anfang:

Die Geschichte der Berliner Volksbühne begann im Juni 1890. In einem Brauhaus fand eine Volksversammlung statt, die in der Gründung des Vereins „Freie Volksbühne“ gipfelte. Ihre Idee: Kunst sollte jedem zugänglich sein, nicht nur den Privilegierten. Sie sollte im Proletariat genossen werden und Einfluss nehmen können auf das Leben der Arbeiter. Es wurde beschlossen, dass „tüchtige Berufsschauspieler“ die Stücke umsetzen. Um die Auftritte zu finanzieren, sollte jedes Mitglied der Freien Volksbühne einen Beitrag zahlen. Wie viel gezahlt wurde, durfte jeder selbst entscheiden, solange der Beitrag höher war als 50 Pfennig.

Zwei Jahre später splittete sich eine Gruppe des Vereins ab und gründete die „Neue freie Volksbühne“. Sie verlangten, dass die künstlerische Leitung der Volksbühne von Sachverständigen übernommen werden müsste. Eine Zeitlang bestanden beide Bühnen nebeneinander und führten ihre Stücke jeweils in gemieteten Theatern auf. Doch bald gab es einen Grund, sich wieder anzunähern: Die Neue freie Volksbühne konnte ein eigenes Theater bauen. Die einst getrennten Vereine bildeten den „Verband der freien Volksbühnen“ und wirtschafteten in eine gemeinsame Kasse. Die neue Spielstätte am Bülowplatz gab beiden ein künstlerisches Zuhause.

Sozialdemokratisches Theater vom Volk fürs Volk

Der wortwörtliche Grundstein für die heutige Volksbühne wurde im Jahr 1913 gelegt. Der Architekt Oskar Kaufmann errichtete sie im „Scheunenviertel“, das eines von Berlins Arbeitervierteln war. Das Credo der Volksbühne, „Die Kunst dem Volke!“, wurde bei ihrem Bau an der Fassade über dem halbrunden Eingang verewigt. Auch „Vom Volke fürs Volke“ hätte dort stehen können, schließlich hatte es die seit dem Jahr 1890 organisierte Arbeiterschaft sich selbst, ihrem Engagement und ihren Mitgliedsbeiträgen zu verdanken, dass sie zeitgemäße und politisch orientierte Stücke in einem eigenen Theater besuchen konnte. Ganze 70.000 Arbeiter und Angestellte gehörten dem Verein an, der die bezahlbaren Eintrittspreise ermöglichte. Anfangs wurden im Sinne der Chancengleichheit die Sitzplätze im Theater sogar ausschließlich nach einem Losverfahren an die Besucher vergeben.

In den letzten 100 Jahren durchlebte die Volksbühne in Berlin eine bewegte Geschichte und konnte ihren freien und demokratischen Charakter nicht zu jeder Zeit durchsetzen. Während der Nazizeit wurde sie als „Theater am Horst-Wessel-Platz“ genauso gleichgeschaltet wir alle anderen Bühnen in Deutschland. Joseph Goebbels wollte den Betrieb vollends unter seine Kontrolle bringen. Mit dem Ende des Krieges wurde auch das Theaterhaus selbst in Mitleidenschaft gezogen und zu großen Teilen zerstört. In den 1950er Jahren wurde es wieder aufgebaut, erhielt statt der ehemaligen Kupferhaube ein Flachdach. Innen allerdings herrscht noch immer die Wandtäfelung des Architekts Oskar Kaufmann vor.

 

In den 20er Jahren entstand an der Volksbühne unter der Leitung des Oberspielleiters Erwin Piscator das „Proletarische Theater“, heute ist die Volksbühne vor allem durch ihren Intendanten Frank Castorf bekannt, dessen provokante Inszenierungen zum Kult geworden sind. Die kann man nicht nur in Berlin genießen: Seit dem Jahr 1993 geht die Volksbühne für Gastspiele auf Tour – zunächst in Freiburg oder Hamburg, bald aber auch international. Sie muss so ziemlich alle Länder der Welt bereist haben, die Berliner Traditionsbühne. Frankreich, Irland, Japan,  Australien, Brasilien, Kanada, die USA oder Island standen schon auf dem Plan.

Eine Menge Geburtstagsgeschenke

Ihren hundertsten Geburtstag feiert die Volksbühne aber in Berlin. Es gibt eine eigens kreierte Inszenierungsshow mit dem Titel „Ach, Volk, du obermieses“, bei dem Jürgen Kuttner Regie führte. Zum Ins-Regal-Stellen dient ein 100-seitiges Buch über all das, was in der Vergangenheit an der Volksbühne gesprochen wurde. Und natürlich gibt es auch eine anständige Geburtstagsfeier. Für stolze 100 Cent wird am heutigen 30. Dezember das Jubiläum der Volksbühne mit Musik, hohen Prozenten, Volksbühne-Kollegen und dem Publikum gefeiert.

Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg – auf die nächsten 100!
 

Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz , 10178 Berlin

Volksbühne

InhaltsangabeDas Akademikerpaar George und Martha kommt angetrunken von einer Feier nach Hause - und erwartet noch Besuch: den neuen Biologieprofessor Nick mit seiner Frau. Ungewollt werden die beiden Zeugen eines seit Jahren andauernden Ehekrieges zwischen den Gastgebern.zitty-Kritik 02/2012EHEDRAMAAb und zu geht den Akteuren die Puste aus und es wird still. Menschen, Flaschen, Bücher stehen stumm und verloren, angespült wie Strandgut auf der überraschend groß  anmutenden, sinnlos rotierenden Drehbühne. Aber es ist nur ein Moment zum Atemholen, bevor die nächste Zigarette angezündet wird und der „totale Krieg“ weiter geht. Wolken, Rauch und später Nebel ziehen durch das unwirtliche, fremde Heim, zuhause kann man in diesem Flughafenambiente nicht sein, nur auf der Durchreise.Edward Albees berühmtes Ehedrama über das amerikanische Mittelschichtspaar Martha und George wurde von der ehemaligen Ernst-Busch-Absolventin und heutigen Schauspieldirektorin in Thüringen, Amina Gusner, frisch und frech ans Theater am Ku’damm geholt, offensichtlich ohne Angst vor großen Vorbildern und konservativen Abonnenten. Gut so, denn einen solchen Battle, den sich nicht nur die Figuren, sondern auch ihre Darsteller liefern, hat man an diesem Theater wahrscheinlich lange nicht gesehen.Peter-René Lüdicke hat im Vergleich zum Star Katja Riemann spielerisch die Nase vorn; er exerziert den hier zum teilweisen Befremden des Publikums zelebrierten, schnoddrig-koddrigen Volksbühnen-Ton mit solcher Lust und Genauigkeit, dass viele Runden an ihn gehen. Die exzessive, verfremdende Spielweise verführt zur Nummernrevue, aber kleine dramaturgische Hänger verzeiht man diesem Gemetzel voller Sehnsucht, „Whisky and Cigarettes“. Regine Bruckmann

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