Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Mit Bernd Maier hinter den Kulissen der Markthalle Neun

Mit Bernd Maier hinter den Kulissen der Markthalle Neun
Verstehen sich blendend: Bäcker Alfredo Sironi und Markthalle-Neun-Gründer Bernd Maier. Für mehr Bilder unserer Tour klick dich durch die Galerie. Zur Foto-Galerie
Wrangelkiez - Vier Jahre jung ist sie jetzt, die Markthalle Neun. Drei Männer küssten die heruntergekommene Halle für 1,15 Millionen Euro wach und etablieren sie seitdem als angesagten Treffpunkt im Kiez. Wir haben mit Gründer Bernd Maier hinter die Kulissen geschaut. Eine Tour de Food der ganz besonderen Art.

Liebe und Leidenschaft für Lebensmittel haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist: Chef der Markthalle Neun. Seit vier Jahren bespielen Bernd Maier und seine zwei Partner die 3000 Quadratmeter große Halle. Drei Tage Wochenmarkt und regelmäßige Special Events haben das kulinarische Konzept bekannt und bei den Berlinern beliebt gemacht. „Wir wollen der Lebensmittelpunkt in Berlin werden“, nennt er das ambitionierte Ziel, dem sie Stück für Stück näher kommen.

Einige kleine Läden sind in der Halle fest installiert, das Café und die Kantine betreibt das Team selbst. Ansonsten macht es die Mischung der Marktstände, die Anwohner wie Touristen magisch anziehen. Also schwimmen sie nach vier erfolgreichen Jahren bereits im Geld? Weit gefehlt räumt Bernd ein. „Die Leute denken an den Street Food Thursday und glauben, das läuft hier jeden Tag so ab.“ Dabei sei der Donnerstagabend, an dem 40 kleine bis mittelgroße Stände um die Wette kochen und damit Massen anziehen, noch die Ausnahme.

Über den Tellerrand kochen

Tatsächlich geht es am Freitagmittag, als wir ihn besuchen, deutlich ruhiger zu. Und genau das sei problematisch für die Händler. „Das muss noch mehr wie auf einem klassischen Markt ablaufen. Hohe Frequenz mit entsprechendem Abverkauf“, erzählt uns der 47-Jährige beim Mittagessen. Aktuell bespielen Flüchtlinge vom Projekt Über den Tellerrand kochen die Kantine und bereiten Gerichte aus ihrer syrischen und ägyptischen Heimat zu. Wir nehmen das Zitronenhuhn mit Kirschschorle. Wobei Bernd beim vielen Erzählen kaum zum Essen kommt. Lieber spricht er von seinem „Herzprojekt“, sagt Sätze wie: „Wir wollen jeden mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zusammenbringen“ oder „Den Vorwurf, das wir im Bezirk der soziale Gentrifizierungsmotor wären, finde ich schlimm.“

 

Viel mehr ginge es ihnen um Integration. Leute mit verschiedenem Budget sollen hier fündig werden. Oder warum sind Kik und Aldi noch unter demselben Dach? „Ich freue mich, wenn ich sehe, dass eine ältere Dame nach ihrem Einkauf im Discounter noch bei Frau Zeller ein Stück Wolkentorte mit nach Hause nimmt.“ Dass sie da neben dem Foodhipster in der Schlange steht, kann doch nicht verkehrt sein. Dachte sich auch der Bezirk, als er Maier und seinen Freunden am Ende den Zuschlag gab.

Dabei sah es vor vier Jahren anfangs noch gar nicht gut aus für das Dreiergespann. Bei einem Bestpreis-Wettbewerb hatte eine große Supermarktkette schon den Zuschlag erhalten, als die Anwohner erfolgreich dagegen protestieren – und Maier seine zweite Chance bekam. Als nicht mehr nur die Höhe des Gebotes ausschlaggebend war, sondern auch ein überzeugendes Konzept gefragt, gingen sie bei 24! Banken Klinken putzen, bis sie den Kredit bekamen und für die Halle mitbieten konnten.

Neues Wunschprojekt „Werkhof Neun“

Heute besteht ihr Team aus 200 Mitarbeitern, zu denen auch vier Hausmeister und eine Auszubildende gehören. Mit der Markthalle Arbeitsplätze schaffen, auch das ist nachhaltig. Da sie allerdings räumlich langsam an ihre Kapazitäten stoßen, schwebt den Gründern eine zweite Location vor. Ein alter Getreidespeicher an der Spree wäre ihr Lieblingsobjekt. „Der Bedarf an innerstädtischem Produktionsraum ist groß“, sagt er und würde sich über die Mischung aus Gewerbe und Wohnen mitten in Kreuzberg freuen.

Wie groß die Nachfrage an Regionalem ist, wie zum Beispiel dem Brot des italienischen Bäckers Sironi, testet die Markthalle schon Ende 2015. Noch bevor der Werkhof Neun Wirklichkeit wird, wollen sie sämtliche Waren der Händler berlinweit via Onlineshop vertreiben. „Gute Produkte, kurze Wege und Transparenz sind unsere Vorteile gegenüber anonymen Lebensmittelbuden“, sagt Maier. Und hat ihre Philosophie einmal mehr auf den Punkt gebracht. Bleibt uns eigentlich nur, dafür viel Glück zu wünschen und sich auf die nächsten vier Jahre zu freuen.

Hungrig geworden? Dann kannst du entweder Montag bis Samstag die Kantine und das Café besuchen. Oder Dienstag den kleinen Markt, und Freitag und Samstag den großen besuchen. Special Events wie der Naschmarkt, Bier & Wurst oder Cheese Berlin werden auf der Markthalle Neun-Website und Facebook angekündigt.

Foto Galerie

Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42, 10997 Berlin

Telefon 030 61073473
Fax 030 61073474

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Wochenmarkt:
Basis: Dienstag bis Donnerstag von 12:00 bis 18:00 Uhr
Groß: Freitag von 12:00 bis 18:00 Uhr und Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Street Food Thursday:
Donnerstag von 17:00 bis 22:00 Uhr
Kantine & Café:
Montag bis Freitag von 11:30 bis 15:00 Uhr
Smastag von 11:00 bis 17:00 Uhr

Markthalle Neun

Hier soll Leben einkehren: Markthalle in der Eisenbahnstraße, Kreuzberg

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