Alt-Treptow, Köpenick, Treptow
Kindertagesstätten

Kein Platz und keine Erzieher

Kein Platz und keine Erzieher
Diese Kinder haben einen Kitaplatz. Für andere kann es eng werden, besonders da ab kommendem Jahr jedem einjährigen Kind ein Platz zusteht.
Kitaplätze sind selbst in Berlin knapp - zumindest in den Randgebieten, die in den kommenden Jahren einen Zuwachs an Kleinkindern erleben werden. Die Förderung des Bundes in Höhe von 27,7 Millionen soll mehr Möglichkeiten schaffen. Jedoch besteht auch ein Mangel an ausgebildetem Fachpersonal.

Aus dem 580-Millionen-Euro-Topf für den Kita-Ausbau bekommt das Land Berlin 27,7 Millionen Euro. Denn ab Sommer nächsten Jahres wird Kindern bereits ab einem Jahr ein rechtlicher Anspruch auf einen Kitaplatz gewährt. Im Vergleich zu anderen Bundesländern bestehen in Berlin überdurchschnittlich viele Angebote für Kleinkinder. Deshalb plante  Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für die Stadt sowie andere Ländern mit guten Verhältnissen in diesem Bereich keine Mittel ein. Die Länder protestierten dagegen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nannte es von Bedeutung, dass Berlin die Finanzierung bekommt, weil auch hier weitere Kitaplätze gebraucht werden, da die Geburtenraten steigen. „Aber auch, weil wir wollen, dass noch mehr Kinder frühzeitig in die Kita gehen“, sagte Scheeres.

Baby-Boom verknappt Kitaplätze

Besonders im Osten und Südosten der Stadt sind Möglichkeiten der Kinderbetreuung zurzeit knapp, und in den kommenden Jahren wird die Zahl der Kleinkinder dort zunehmen. Im Kita-Bedarfsatlas der Senatsjugendverwaltung wird deutlich, dass die Verhältnisse in den äußeren Teilen von Treptow-Köpenick und Marzahn überaus schwierig wird. Nicht viel anders wird es  in Tempelhof, Pankow, Lankwitz, Britz, der Gropiusstadt oder Wilhelmstadt zugehen. Darum ist es das Ziel des Senats, bis 2015 mindestens 19.000 neue Kitaplätze entstehen zu lassen. Trägern von Kindereinrichtungen wurde ans Herz gelegt, finanzielle Unterstützung für weitere Plätze zu beantragen. Derzeit sind ungefähr 120.000 Jungen und Mädchen in Kitas untergebracht.

Es reicht natürlich nicht, die Zahl der Kitaplätze hochzuschrauben. Wo mehr Kinder sind, müssen auch zusätzliche Erzieher ausgebildet werden. Die Umschulung Arbeitsloser war schon im Gespräch als eine Maßnahme gegen den Mangel an Erziehern und Erzieherinnen. Jedoch scheitert das Projekt in Berlin daran, dass die nötige dreijährige Ausbildung nicht wie in anderen Bundesländern finanziert wird. In Berlin gewährt die Bundesagentur nur zwei Jahre und die Stadt sieht sich außer Stande, die Maßnahme zu bezahlen. Von der Bildungsverwaltung wird ausgesagt, man sei in Verhandlung mit der Regionaldirektion für Arbeit und, dass die Ausnahmeregel für eine Ausbildung zum Altenpfleger von der Agentur für Arbeit akzeptiert worden sei.

Möglichkeiten zur Ausbildung müssen verbessert werden

Ein erster Versuch war die einjährige Ausbildung durch freie Einrichtungen, die auf die Erzieherprüfung vorbereiten soll, was mit dem Bildungsgutschein für Arbeitslose bezahlt wurde. Nur 30 Prozent der Teilnehmer schafften den Test. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wollte diese Maßnahme ohnehin nicht anerkennen. „Das ist keine richtige Ausbildung für einen anspruchsvollen Beruf“, sagt die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik.

Eine andere Form, die zurzeit praktiziert wird, ist die berufsbegleitende, dreijährige Qualifizierung, bei der die Auszubildenden gleichzeitig in den Kitas arbeiten und ein Arbeitsentgelt bekommen. Im Grunde unterstützt die GEW diese Form der Umschulung. Sie ist jedoch nicht damit einverstanden, dass die Teilnehmer bereits vom ersten Tag an auf den Personalschlüssel der Kita angerechnet werden. In der Bildungsverwaltung neigte man auch zu dem Wunsch, dass die Jobcenter zumindest in den ersten beiden Jahren dabei die Finanzierung stemmen.

Die Bildungsverwaltung meinte, dass für die reguläre Ausbildung die Aufnahmefähigkeit in den vergangenen Jahren verdoppelt worden sei. 2009 schafften rund 1300 Erzieher die Prüfungen an den Fachschulen, in diesem Jahr werden 1600 ihre Ausbildung abschließen. Ab 2013 können sich je 2600 junge Männer und Frauen von 26 Fachschulen geprüfte Erzieher nennen.

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Berlin, Ahornstr. 5, 10787 Berlin

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Berlin

Screenshot der Website www.gew-berlin.de

Weitere Artikel zum Thema Familie