Bewegungs-Initiative für Grundschüler

Grönemeyers Haka-Tanz im Klassenzimmer

Grönemeyers Haka-Tanz im Klassenzimmer
Gemeinsam schreien macht Spaß: Prof. Dr. Grönemeyer mit Grundschülern der Carl-Kraemer-Schule beim Haka-Tanz. Zur Foto-Galerie
Soldiner Kiez - Einem Programm, das Kinder in Bewegung bringen soll, haben sich bundesweit 120 Grundschulen angeschlossen. In Gesundbrunnen präsentierte Initiator Professor Dietrich Grönemeyer erste Ergebnisse und führte sie gemeinsam mit Schülern der Carl-Kraemer-Grundschule und unterstützt von zwei Berliner Profisportlern ganz praktisch vor.

Seit den Sommerferien herrscht an 120 deutschen Grundschulen mehr Bewegung. Zusätzlich zum Sportunterricht soll jedes Kind täglich 20 Minuten sportlich aktiv werden – das ist das Ziel der Initiative „Die bewegte Schulpause“, einem Programm der Dietrich Grönemeyer Stiftung, unterstützt vom Schuhhändler Deichmann. Der Hintergrund: Deutschlands Kinder bewegen sich zu wenig, wie gerade wieder eine Langzeituntersuchung der Universität des Saarlandes ergeben hat. Nur die Zeigefinger werden beim Druck auf Tablet-Displays oder Mausknöpfe ausreichend trainiert. Die Folgen sind neben motorischen Defiziten auch gravierende gesundheitliche Risiken wie Rückenschmerzen, Fettleibigkeit und sogar Alters-Diabetes in jungen Jahren.

Diese Ergebnisse sind keine Schwarzmalerei – das machte eine Zwischenbilanz zu Grönemeyers Initiative deutlich, die in der Carl-Kraemer-Grundschule im Soldiner Kiez präsentiert wurde. Die Bildungseinrichtung nimmt wie 119 andere Grundschulen seit dem Sommer am Programm teil. Sportlehrer Johannes Wildemann zeigte sich begeistert – auch weil die Defizite bei seinen Schülern zuvor klar erkennbar waren. „Die Folgen des Bewegungsmangels sehen wir jeden Tag im Unterricht“, sagte er. Einfache Übungen wie etwa ein beidbeiniger Sprung über eine niedrige Turnhallenbank bereiteten vielen Grundschülern bereits Probleme. Das Wochenende würde zu häufig vor Bildschirmen verbracht: „Wir sehen es am Montagmorgen in der ersten Stunde, dass die Kinder müde sind“, so der Sportlehrer.

Abhilfe schaffen sollen die knapp 40 kurzen Übungen, die die Grönemeyer Stiftung entwickelt hat. Diese werden an den teilnehmenden Schulen nicht nur in der Pause, sondern auch im Unterricht praktiziert. Johannes Wildemann berichtete, zunächst hätten seine Kollegen den Verlust von fünf Minuten Unterrichtszeit skeptisch gesehen. Doch durch die Übungen wären die Schüler deutlich konzentrationsfähiger – das freut auch den Mathelehrer. Seit den Sommerferien sind rein rechnerisch pro Kind rund 1.000 Minuten zusätzliche Bewegung zusammengekommen.

Bälle werfen mit den Profis

Drux, Grönemeyer, Wiede + Kinder (c) dg Stiftung
Die Übungen nennen sich „Sprungtaucher“, „Reisebus“ oder „Kettenkarussell“, sind allesamt kurz und einfach. In der Carl-Kraemer-Grundschule animierte Professor Grönemeyer, dessen selbst proklamiertes Motto „Turne bis zur Urne“ ist, die Kinder im Klassenzimmer auch zu einem Haka-Tanz, bekannt als Ritual der neuseeländischen Maori und der Rugby-Nationalmannschaft. Anschließend ging es auf den Schulhof, wo weitergeübt wurde. Mit dabei: die Handballprofis Paul Drux und Fabian Wiede von den Füchsen Berlin. In zwei Gruppen warf man sich reihum Bälle zu. Die Gruppe, die zuerst drei Runden geschafft hatte, gewann. Bei allen Übungen kam die Begeisterungsfähigkeit der Grundschüler zum Vorschein. „Das [Stuhl-]Wippen in der Schule hat etwas damit zu tun, dass Kinder bewegt werden wollen“, hatte Grönemeyer zuvor wohl nicht umsonst erklärt.

Der 20-jährige Füchse-Profi Drux erzählte wie sein Kollege Wiede im Gespräch mit QIEZ, dass für ihn selbst Sport schon zu Schulzeiten sehr wichtig war. Doch das galt eben nicht für alle Schüler: „Nicht jeder hatte Lust auf Handball, Volleyball oder Bodenturnen“, so Drux. Deshalb findet er das Schulpausen-Programm sehr hilfreich: „Solche allgemeinen Übungen, die schon viel früher angewendet werden, finden viel mehr Anklang.“ Der Handballer hofft darauf, dass manches Kind dadurch vielleicht sogar animiert wird, in einen Sportverein zu gehen.

Und was ist mit seiner eigenen sportlichen Tätigkeit? Der Nationalspieler laboriert derzeit bekanntlich noch an einer Schulterverletzung. Doch in ein paar Wochen soll es wieder in die Halle gehen und spätestens bis zur Rückrunde im Februar möchte Drux wieder fit sein.

Mehr Informationen und alle Übungen des Programms „Die bewegte Schulpause“ findest du auf dessen Webseite.

Foto Galerie

Carl-Kraemer-Grundschule, Zechliner Str. 4, 13359 Berlin

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