Mascha fragt nach

Beziehungsprobe Baby: Aus dem Leben eines Paares

Beziehungsprobe Baby: Aus dem Leben eines Paares
Ein Baby ist süß - und kann jede Beziehung auf die Probe stellen. Mal mehr, mal weniger.
Wenig Schlaf, viele Herausforderungen und wenig bis kein Sex: So stellen sich viele eine Beziehung mit Baby vor. Stimmt auch irgendwie, sagt eine junge zweifache Mutter. Aber das muss die Beziehung nicht total plattmachen. Liebes-Kolumnistin Mascha hat mal genauer nachgefragt.

Schon aus körperlichen Gründen dürfte klar sein: Eine gerade mühevoll hinter sich gebrachte Geburt und Sex sind nicht das glücklichste Pärchen auf der Welt. Und dann rufen alle: Beziehungsprobe Baby! Das ist für viele schon ein feststehender Begriff – daher habe ich die Überschrift auch bewusst so reißerisch gewählt. Und die Keine-Lust-Zeit kann durchaus weitergehen, wenn der kleine Racker schon fleißig krabbelt oder sogar läuft. Darüber haben ja einige Mütter schon im vergangenen Jahr mit mir gesprochen. Aber eine Beziehung ist ja auch noch so viel mehr als bumsen. Stundenlang reden, lachen, kochen, Pläne schmieden, ausgehen, sich zusammen gut und schlecht fühlen – auch all das wird durcheinandergerüttelt, wenn plötzlich ein Kind Teil des Pärchenalltags ist. Darüber höre und lese ich in letzter Zeit mal mehr, mal weniger erfreuliche Dinge. Aber was genau macht aus einem Baby eine Beziehungsprobe oder gar einen Beziehungskiller? Geht es nicht am Ende auch immer um das Paar selbst? Ja, das ist ganz schön provokant formuliert von einer, die selbst kein Kind hat. Aber zum Glück sind wir ja hier bei „Mascha fragt nach“. Und das habe ich getan, bei der lieben Katja, die mithilfe ihres Partners bereits zwei kleine Kinder erfolgreich in die Welt gesetzt hat. Hier erzählt sie, wie sie das Thema Beziehung mit Babys wuppt.

Katja, 35, Berlin, zwei Söhne, 3 Jahre und 6 Monate*:
„Mein Freund und ich sind, bevor unser erster Sohn Max auf die Welt kam, viel ausgegangen. In Bars, in Clubs, haben uns auch mal tagsüber mit Freunden auf einen Wein getroffen – und auch sexuell viel ausprobiert. Aber vor allem für meinen Freund war ein Kind nach drei Jahren Beziehung einfach der logische nächste Schritt. Auch, weil er nicht so ein alter Vater sein wollte. Wir haben uns dann gefragt: Wollen wir jetzt noch ein paar Jahre so weitermachen wie bisher, oder ist nicht jetzt einfach der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Unsere Beziehung fühlte sich stark und gefestigt an, wir lebten bereits zusammen, kamen finanziell gut klar, also haben wir gesagt: Warum noch warten? Großartig viel über die Konsequenzen dieser Entscheidung haben wir nicht gesprochen. Ich glaube manchmal, würde man sich alles genau ausmalen, was ein Baby mit der Beziehung macht, dann würden es manche Leute vielleicht gar nicht wagen. Aber ich habe auch keine Lust, Dinge zu zerreden, zudem ist jede Beziehung anders – man kann also eh nicht alles planen. Wir haben es einfach auf uns zukommen lassen und dann ging es extrem schnell, ich wurde praktisch sofort schwanger.
Jede Beziehung ist anders – auch mit Baby.

Das Kind kommt, Zeit für die Beziehung geht – und das kann okay sein

Erstmal zum Thema Alltag: Natürlich verändern sich viele Dinge. In den ersten Monaten kommt das Baby ja gar nicht alleine klar, und weil ich ein Jahr lang gestillt habe, war Max auch einfach sehr viel bei mir. Und wenn er nachts Hunger hatte, musste eben ich aufstehen, um ihn zu stillen. Andere Arbeiten konnte er mir zwar abnehmen, aber diesen Part eben nicht. Das war für mich sehr anstrengend, aber auch für meinen Freund nicht immer einfach, weil er das Gefühl hatte, er könne sich oft gar nicht wirklich beteiligen und sei überflüssig.

 

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Ein Beitrag geteilt von Allane Milliane (@allanemilliane) am Mai 21, 2019 um 5:00 PDT

Zeit ist ein ganz großes Thema: Mit Baby hat man ganz einfach weniger Zeit für die Beziehung, daran gibt es nichts zu rütteln. Einfach mal spontan losziehen, lange ausschlafen, das fällt erstmal flach. Viele Freunde haben uns geraten, auf jeden Fall regelmäßig eine Date-Night einzuplanen, die wir nur für uns haben. Schöne Idee, aber wenn man keine Großeltern in der Nähe hat, die mal eben babysitten können, ist das nicht regelmäßig umsetzbar. Max kam zwar schon nach einem Jahr in die Kita, aber abends sind die Kinder trotzdem fast immer bei uns. Das hat mir schon manchmal gefehlt, einfach Zeit mit meinem Freund zu haben. Ich hatte manchmal auch Angst, wir würden uns voneinander entfernen und die Kinder an diese Stelle treten – aber das war vor allem in den ersten Monaten so.

In einer Beziehung mit Baby muss jeder seine Rolle finden

Mir war es wichtig, relativ schnell wieder arbeiten zu gehen und spätestens nach dem Abstillen eine möglichst gleichberechtigte Beziehung zu führen, in der wir uns mit den Kindern abwechseln. Ich wollte nie nur Hausfrau und Mutter sein. Und mein Freund hat zum Glück auch Lust, viel mit Max und jetzt auch mit Anton zu unternehmen. Auch, wenn ich das Gefühl habe, was das Mitdenken, das Organisieren, kleine Entscheidungen im Alltag angeht – etwa, was in Max‘ Brotdose gepackt wird – bin ich einfach nach wie vor die treibende Kraft.

Generell glaube ich, auch nach den Erfahrungen mit Freunden, dass Eltern über 30 oder über 35 alles ganz besonders gut und richtig machen wollen. Sie haben alles über Babys und Erziehung gelesen und es fällt vielen sehr schwer, auch mal etwas zu entspannen oder Hilfe anzunehmen. Und viele stillen sehr lange, wie ich auch. Jüngere Eltern scheinen da mit etwas mehr Leichtigkeit ranzugehen, aber das ist nur meine Vermutung. Rückblickend würde ich sagen, dass wir beim ersten Kind sicher häufiger einen Babysitter hätten engagieren oder Freunde fragen können, um Zeit für die Beziehung zu haben, trotz Baby. Aber wie gesagt: Ohne große Familie im direkten Umfeld ist das Zeitmanagement auch einfach schwieriger.

Junge Eltern und Sex: Einen Mittelweg finden

Auch unser Sexleben hat sich mit dem Baby geändert. In der Schwangerschaft hatte ich bei beiden Kindern eigentlich relativ viel Lust. Kurz nach der Geburt ist sowieso erstmal sechs bis acht Wochen Sperrfrist – aber auch danach war die Lust auf Sex bei mir definitiv sehr gering. Oft bin ich ganz einfach zu müde, und ich glaube, die Hormone tragen auch ihren Teil dazu bei, dass sich die Energie voll auf die Kinder konzentriert. Auch das war für meinen Freund oft frustrierend, er hatte das Gefühl, immer müsse er den ersten Schritt machen und hat sich oft gefragt, ob er überhaupt noch als Mann begehrenswert ist. Darüber haben wir schon häufiger geredet. Und ich finde, auch da kann man einen Mittelweg finden. Wenn man wirklich zu müde ist, dann ist das so. Und gerade in den ersten Monaten, mit vollen, wunden Brüsten, aus denen die Milch rausspritzt, wenn man sie ein wenig zu fest drückt, ist das für mich nicht besonders erregend. Aber es gab auch Tage, vor allem, als Max etwas älter war, da habe ich mich meinem Freund zuliebe eben doch aufgerafft und gesagt, hey, dann haben wir jetzt Sex, auch wenn ich müde bin. Oder wir haben uns richtig dafür verabredet. Das war jetzt auch kein Opfer, das ich gebracht habe, falls das so klingt – wenn wir erstmal angefangen hatten, war es auch immer schön. Und wenn ich keine Lust habe, an den Brüsten angefasst zu werden, fasst mein Freund mich eben woanders an. Genauso gibt es jede Menge Alternativen zum klassisch-penetrativen Sex. Körperliche Nähe hat so viele Formen. Und manchmal reicht es eben auch, zusammen kuschelnd im Bett zu liegen und einen Film zu gucken, wenn die Kinder schlafen.

Beziehungsprobe Baby: Humor macht vieles leichter

Zusammengefasst: Ja, eine Baby verändert die Beziehung. Und zwei Kinder erst recht. Zeit fehlt, Schlaf und Lust oft auch. Wichtig ist, dass die Frustration nicht die Oberhand gewinnt. Zwischendurch knallt es mal, aber dann ist es auch wieder gut. Und wir sagen uns immer wieder: Es ist eine Phase, und in der stecken wir nicht fest. Die Beziehung verändert sich, das tut sie jetzt und in ein paar Monaten und Jahren erneut. Ein Baby bedeutet ja keinen Stillstand. Es wird auch wieder eine Zeit kommen, in der wir mehr Zeit für uns als Paar haben. Und: Humor ist wichtig. Letztens haben wir eine hübsche Frau gesehen, die allein ihren Stadtplan studierte. Mein Freund fand flirten schon immer sehr super. Da sagte ich: „Tjaja, die wartet bestimmt nur darauf, dass ein zweifacher, müder Vater sie jetzt angräbt.“ Wir ziehen uns manchmal mit dem Elternsein auf und können auch über uns und die Situation lachen.“

Soviel von meiner Freundin Katja. Und da kann ich ganz persönlich noch ergänzen: Das mit dem Eltern- und Pärchensein machen die beiden ganz einfach sehr super. Und auch das ist sehr sexy.

Insofern: Gut, dass ich da mal nachgefragt habe!

Eure Mascha

*Name von der Kolumnistin wie immer geändert

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