Brandschutzmängel

Tacheles ab sofort geschlossen

Viele Touristen pilgerten bisher in das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße.
Viele Touristen pilgerten bisher in das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße.
Das Kunsthaus Tacheles darf vorerst nicht mehr betreten werden. Das Bezirksamt Mitte hat eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen, weil die notwendigen Fluchtwege nicht ausreichend sicher nutzbar sind. Es wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt - und wenn die Auflagen darin umgesetzt sind, dürfen auch Besucher wieder in das Gebäude.

Das Bauamt hatte sich am Dienstagmorgen gemeinsam mit den Künstlern ein Bild von der Situation vor Ort gemacht und entschieden: Das Tacheles darf bis auf weiteres nicht von Besuchern betreten werden. Bei der Begehung wurde gemeinsam ein Maßnahmenkatalog erstellt, was erforderlich ist, damit das Gebäude auch für Gäste wieder zugänglich ist. Unter anderem sollen die Treppenhäuser leer geräumt und neue Rauchmelder angebracht werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Notbeleuchtung funktioniert und die Rettungsführungen hinlänglich beleuchtet sind.

Sobald die Tacheles-Betreiber alle Maßnahmen umgesetzt haben, soll es eine weitere Begehung geben. Wenn alle Mängel behoben seien, könne die Öffentlichkeit wieder in das Gebäude. „Wir sind optimistisch, dass in zwei Tagen wieder alles begehbar ist“, sagt Martin Reiter, Sprecher der Künstler.

Endgültige Räumung im September

Zum 4. September soll das Kunsthaus Tacheles allerdings sowieso komplett geräumt werden. Das bestätigte der Vertreter des Zwangsverwalters, Rechtsanwalt Michael Schultz. „Der Räumungstitel bezieht sich auf das gesamte Haus“, meinte er. Zwei weitere laufende Räumungsverfahren würden Baracken, die auf dem Areal stehen, betreffen. Die würden bis spätestens Jahresende geräumt. Dann könnte erneut eine Zwangsversteigerung des für Immobilienentwickler interessanten Innenstadtgeländes geplant werden. Allerdings soll das Haus schon vor der Räumung wegen Brandschutzmängeln geschlossen werden.

Per Mail verschickte das Bezirksamt Mitte eine Nutzungsuntersagung, nachdem bei einer Begehung durch die Bauaufsicht zugestellte Fluchtwege und die Nutzung von Generatoren im Haus moniert worden waren. „Das Treppenhaus ist vermüllt“, sagte Tanja Lier, Amtsleiterin Bauaufsicht. Die Künstler wussten ihrer eigenen Aussage nach nichts von Brandschutzproblemen. Tacheles-Sprecherin Linda Cerna meinte: „Die letzte Begehung war 2009.“ Damals habe man die Mängel behoben.

Verkaufswert: 35 Millionen Euro

Die Bauaufsicht will die Nutzung des Gebäudes nun in einem schriftlichen Bescheid verbieten. Dieser geht an den Zwangsverwalter als Eigentümervertreter des Gebäudes, erklärte Lier. Der Zwangsverwalter tritt allerdings seit langem nur noch gerichtlich mit den Kunsthaus-Nutzern in Kontakt. Daher dürfte es schwierig sein, wirklich etwas gegen die Brandschutzmängel auszurichten.

Schon im Frühjahr 2011 sollte das Tacheles-Gelände zwangsversteigert werden. Der Termin wurde aber kurz vorher abgesagt. Seitdem sind Gerüchte im Umlauf, man wolle den Wert des Freigeländes plus Kaufhaus-Ruine durch eine Vertreibung der Künstler in die Höhe treiben. Der Verkehrswert für die 25.000 Quadratmeter große Fläche wurde vom Gericht auf 35 Millionen Euro festgelegt.

Nach Angaben der Tacheles-Sprecherin Linda Cerna nutzen immer noch rund 60 Künstler das Haus als Atelier und Veranstaltungsraum.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Kunsthaus Tacheles, Oranienburger Str. 52, 10117 Berlin

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