Ade Touristenmeile

So soll der Simon-Dach-Kiez wieder zum Geheimtipp werden

So soll der Simon-Dach-Kiez wieder zum Geheimtipp werden
Die einen wollen feiern, die anderen Ruhe. Bezirkspolitiker wünschen sich mehr Ruhe im Simon-Dach-Kiez.
Südkiez - Frühstück und Happy Hour den ganzen Tag, außerdem kaum Berliner - das ist die Simon-Dach-Straße. Bezirkspolitiker haben sich vorgenommen, den Kiez aus den Köpfen der Touris zu verbannen. Warum die Diskussion Quatsch ist.

Hohe Kriminalität, Müll, Lärm und Partypipi: Ein „Nacht-Bürgermeister“ und Pantomie sollten rund um Warschauer Straße, Boxhagener Platz und Frankfurter Tor schon lange für Ruhe sorgen. Doch die Party geht weiter. Nun will das Bezirksamt was Neues probieren.

Laut Berliner Morgenpost will man den Feierkiez im Friedrichshain schlicht nicht mehr bewerben. Ordnungsstadtrat Peter Beckers hat zwei Dinge versucht: Herausgeber von Reiseführern auf die Problematik aufmerksam gemacht und erreicht, dass die VisitBerlin App „Going Local Berlin“ keinen Nutzer mehr in die Simon-Dach-Straße und Umgebung schickt.

Viel Lärm um nichts: Von wegen Simon-Dach-Kiez aus der App nehmen

Doch kein Reiseführer wird darauf verzichten, dem Feiervolk vom RAW-Gelände zu erzählen, weil die Bezirkspolitik es so wünscht. Noch dazu kann man im Kiez zwischen Boxi und Revaler Straße trotz allem noch ganz schön trinken, feiern, frühstücken und wohnen. Das spricht sich online und offline rum.

In der App „Going Local“ finden diese Tipps zwar wirklich nicht statt. Dass der Simon-Dach-Kiez dort verbannt wurde, ist aber falsch. Er war überhaupt nie Teil der App, sagt Christian Tänzler. Der ist Pressesprecher von VisitBerlin und erklärt: „Sinn und Zweck der App ist es ja, Locations und besondere Orte zu empfehlen, die sonst nicht auf Portalen vorgestellt werden.“

 

Mit der angekündigten Stadtführer-Maßnahme ändert sich also nichts. Bleibt den Berlinern nur darauf zu warten, dass die Simon-Dach-Straße sich vor lauter Tourismus selbst totläuft. Christian Tänzler weiß, wo man stattdessen hin sollte: „Ich würde den wunderbaren Wuhle-Weg empfehlen. Der ist noch recht unbekannt und er führt zu den Gärten der Welt und zur ehemaligen Wilhelm-Griesinger-Klinik“. Die ist jetzt unter anderem Galerie und Konzertsaal. Auch in der Gegenrichtung hat Tänzler einen Tipp parat: „Junge Leute wissen oft gar nicht, dass man es in Berlin auch dörflich haben kann. Zum Beispiel in Lübars mit dem Tegeler Fließ.“

Stimmt wohl, aber die Leute kommen selten vom Dorf in die Hauptstadt um das Dörfliche der Stadt zu entdecken. Berliner können dort allerdings toll abwarten, bis man im Simon-Dach-Kiez wieder ruhiger lebt.

Astro-Bar, Simon-Dach-Straße 40, 10245 Berlin

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tägl. ab 20 Uhr

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