Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Angelika Schöttler über Vielfalt und Harmonie

Tempelhof-Schöneberg - Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg ist ein echtes Westberliner Kind. Wir haben mit Angelika Schöttler über ihre Jugend in Schöneberg, die Vielfalt des Bezirks und ihre persönlichen Wünsche für das Tempelhofer Feld gesprochen.

Als Tochter von Alfred Gleitze, einem ehemaligen Bezirksbürgermeister von Schöneberg, ist Angelika Schöttler von jeher eng mit dem Bezirk im Berliner Südwesten verbunden. „Meine Kindheit spielte sich im Wesentlichen zwischen unserer Wohnung, dem Rathaus Schöneberg, meiner Schule und dem Volkspark ab“, erinnert sich die SPD-Politikerin. „Ich war immer total stolz auf meinen Vater und fand es cool, wenn die anderen ihn kannten.“ Seit 2011 sitzt Angelika Schöttler nun selbst als Bezirksbürgermeisterin am ehemaligen Schreibtisch von Willy Brandt im Rathaus Schöneberg.

Rund 40 Jahre nach der Amtszeit ihres Vaters muss die gelernte Informatikerin heute einen Bezirk verwalten, der seit der Fusion von Tempelhof und Schöneberg doppelt so groß ist wie vor dem Jahr 2001. „Es ist nicht mehr so leicht wie früher, überall zu sein und sich direkt vor Ort ein Bild von den Menschen und ihren Bedürfnissen zu machen“, so Schöttler. „Meiner Meinung nach sind durch die Fusion zwei ganz unterschiedliche Ortsteile zu einem harmonischen Ganzen zusammengewachsen“, beschreibt die Bezirksbürgermeisterin den Prozess. Während in Schöneberg, etwa im Quartier Schöneberger Norden oder rund um den Wittenbergplatz, quirliges Leben herrsche, sei es in Tempelhof an vielen Ecken wunderbar ruhig.

Für jede Stimmungslage einen Ort

Die verschiedenen Ortsteile ihres Bezirks erkundet Angelika Schöttler noch immer gerne. „Hier gibt es für jede Stimmungslage einen Ort und tausende sehenswerte Plätze – um Tempelhof-Schöneberg eingehend zu erkunden, bräuchte man sicher drei bis vier Wochen“, schwärmt Schöttler. Aus diesem Grund tut sich die Politikerin mit speziellen Tipps schwer. „Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Jeder muss selber herausfinden, an welchen Orten er sich am wohlsten fühlt.“

Ein paar besondere Adressen hat uns die Bezirksbürgermeisterin dann aber doch verraten. Zu den Sehenswürdigkeiten von Tempelhof-Schöneberg gehören laut Schöttler unter anderem die geschichtsträchtigen Friedhöfe, wie man sie etwa in der Großgörschenstraße oder in Friedenau findet, der Tempelhofer Hafen, der Lichtenrader Volkspark – der von Anwohnern eigenhändig gepflegt wird -, die Marienfelder Feldmark oder die Trabrennbahn Mariendorf. Auch den Besuch des KaDeWe, des lesbisch-schwulen Kiezes rund um die Motzstraße oder des Ufa-Geländes legt die Bürgermeisterin allen interessierten Bezirksbesuchern ans Herz. Darüber hinaus empfiehlt Schöttler einen Abstecher zur  Erinnerungsstätte „Notaufnahmelager Marienfelde“. Noch heute sind auf dem Gelände des ehemaligen Aufnahmelagers für DDR-Flüchtlinge 700 Asylbewerber untergebracht.

 

Insgesamt beurteilt die Kommunalpolitikerin das Zusammenleben in ihrem Bezirk als „sehr friedlich“. Abgesehen von relativ wenigen Vorkommnissen sei die Atmosphäre in Tempelhof-Schöneberg bunt, aufgeschlossen und freundlich: „Hier lebt eine engagierte Zivilgesellschaft, in der viele Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich einzusetzen und ihre Interessen im Kiez aktiv wahrzunehmen“, so Schöttler. Zwar könne und solle das Ehrenamt die staatlichen Leistungen nicht ersetzen, trotzdem sei in verschiedenen Bereichen des sozialen Zusammenlebens die unentgeltliche Unterstützung der Mitbürger unverzichtbar. Als Beispiel nennt Schöttler die vielen Sportvereine im Bezirk. Sie seien „ein wichtiger Träger der Jugendarbeit“.

Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld

In Bezug auf die künftige Gestaltung des Tempelhofer Feldes hofft die Bezirksbürgermeisterin, dass sich auf der Fläche eine ähnlich „bunte Mischung“ etabliert wie im Rest des Bezirks: „Wohn- und Gewerbeflächen in den Außenbereichen, die Landeszentralbibliothek, viele Sportanlagen – und eine riesige Freifläche, so sollte das Tempelhofer Feld im besten Falle aussehen“, so Schöttler. Auf eine Randbebauung mit Wohnungen könne man schon deshalb nicht verzichten, weil in Tempelhof-Schöneberg – ähnlich wie im Rest Berlins – immer weniger Leerstand zu verzeichnen sei und man im Interesse der Bevölkerung für eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen müsse.

Auch in Bezug auf ein weiteres Gelände in ihrem Bezirk hegt Angelika Schöttler große Hoffnungen. Zwar seien noch keine konkreten Pläne des Investors Nicolas Berggruen für das Gewerbegebiet Naumannstraße bekannt, doch es sei „angedacht, dort Kleinunternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft anzusiedeln“. Zusammen mit den Industrienetzen Motzener- und Großbeerenstraße sowie dem in diesem Jahr startenden Netzwerk Südkreuz mit dem wichtigen Player EUREF-Campus könne sich so ein weiteres spannendes Projekt in Tempelhof-Schöneberg etablieren.

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