Schulcaterer streiken

Kein Menü mehr für 2,10 Euro

Kein Menü mehr für 2,10 Euro
Typisches Hauptgericht in der Schule: paniertes Putenschnitzel mit Spätzle und Soße, dazu eine Gurke und Orangensaft.
Weil die größten Schulcaterer Berlins streiken, wissen fünf Grundschulen in Friedrichshain und Kreuzberg nicht, wie sie ihre Schüler im nächsten Jahr verpflegen sollen. Die Caterer finden, dass für den Betrag von 2,10 Euro, welchen die Bezirke zur Verfügung stellen, kein anständiges Essen gekocht werden kann.

An fünf Grundschulen in Friedrichshain und Kreuzberg ist aktuell nicht klar, ob den Schülern nach den Sommerferien ein Mittagessen zur Verfügung gestellt werden kann. Denn die sechs größten Berliner Caterer sehen sich nicht in der Lage, für den vom Bezirk festgelegten Preis von 2,10 Euro pro Essen zu kochen: Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 18. Mai haben sich nur zwei kleine Anbieter gefunden. Diese sollen nun den Großteil der Schulen verpflegen, besagte fünf Grundschulen gingen bislang aber leer aus. Fraglich ist, ob die kleinen Anbieter, die bisher nur fünf Prozent des Berliner Schulessens liefern, logistisch überhaupt in der Lage sein werden, die Lücken zu füllen, die die großen sechs Anbieter durch ihre Ablehnung gerissen haben.

Minimum: 2,80 Euro für ein Gericht

Die aber wollen nicht nachgeben. Nachdem sie sich bereits seit Jahren beschweren, dass sie für das ihnen zugestandene Geld kein qualitativ hochwertiges Essen kochen können, haben sie sich nun zu einem Verband zusammengetan. Den Vorsitz hat Rolf Hoppe vom Caterer Luna inne. Seine Firma beliefert 60 Schulen in ganz Berlin. „Für 2,10 Euro pro Essen könnten wir vielleicht jeden Tag einen Eintopf liefern“, sagt Hoppe, „aber kein Essen, das den hohen Ansprüchen an Schulverpflegung genügt.“ Ab einem Preis von 2,80 Euro könne man ein vernünftiges Essen kochen, meint Hoppe. „Im Moment zahlen wir drauf.“ Schließlich müssen in den Schulen jeden Tag zwei komplette Menüs auf dem Speiseplan stehen, bestehend aus Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch.

Peter Beckers (SPD), Bildungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, will nun Caterer, die nicht zu dem neuen Verband gehören, direkt anschreiben und eine Lösung für die unversorgten Grundschulen finden. Mehr Geld könne der Bezirk jedenfalls nicht für das Essen ausgeben, erklärt Beckers. Schon jetzt zahle er bei klammem Haushalt einen sechsstelligen Betrag für die Mittagsverpflegung drauf.

Zumal ja der Senat den Bezirken nur 1,97 Euro pro Essen erstattet. Diese Summe berechnet sich nach dem Mittelwert, den alle Bezirke im Durchschnitt für das Schulessen ausgeben. „Wir sind der Ansicht, dass sich für 1,97 Euro kein vernünftiges Essen kochen lässt“, meint Beckers. Und deshalb lege der Bezirk freiwillig die Differenz drauf.

Der neue Verband kämpft für seine Interessen

Aber auch das genüge nicht, wegen der Steigerungen bei Mindestlohn, Mehrwertsteuer, Energie-, Lebensmittel- und Transportkosten, meint Manfred Liemann, Geschäftsführer des Caterers Greens Unlimited. Auch sein Unternehmen hat aus diesem Grund kein Gebot in Friedrichshain-Kreuzberg abgegeben: „Man kann uns nicht mehr abspeisen“, beharrt Liemann.

Etwas besser sieht es in Reinickendorf aus: Hier werden 2,20 Euro bezahlt und für alle Schulen haben sich Caterer beworben – „allerdings weniger als sonst üblich“, berichtet Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Alle anderen Bezirke haben aktuell keine Schulessen ausgeschrieben, weil ihre Verträge noch nicht ausgelaufen sind. Ihre Preise liegen zwischen rund 1,80 und 2,25 Euro.

Stadtrat Beckers wünscht sich, dass alle Bezirke das gleiche Geld für Schulessen zur Verfügung hätten. Doch dazu müsste erst einmal festgestellt werden, was eine Mahlzeit, die den hohen Qualitätskriterien genügt, tatsächlich kostet. Die Bildungsverwaltung hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Erste Resultate gibt es im September. Caterer und Schulträger sind erwartungsvoll. „Ich bin sicher, dass am Ende eine Drei vor dem Komma steht“, sagt Luna-Geschäftsführer Hoppe mit Hinweis auf Hamburg, wo 3,50 Euro pro Mahlzeit bezahlt werden.


Quelle: Der Tagesspiegel

Kein Menü mehr für 2,10 Euro, Oberbaumbrücke, 10243 Berlin

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