• Mittwoch, 08. November 2017
  • von Nikolaus Triantafillou

Kultur in Potsdam

Museum Barberini: Die große DDR-Kunstschau

  • Bild Erich Kissing Leipziger am Meer
    Erich Kissing: Leipziger am Meer, 1976–1979, Museum der bildenden Künste Leipzig. Foto: bpk / Museum der bildenden Künste, Leipzig / Bertram Kober (Punctum Leipzig) - ©VG BILD-KUNST, Bonn 2017

Mit den Impressionisten zog Potsdams populärstes Museum die Massen an. Die neue Ausstellung "Hinter der Maske. Künstler in der DDR" wird wahrscheinlich nicht den gleichen Zulauf bekommen. Dabei bietet sie einen einzigartigen Überblick zu einem wenig beachteten Thema.

Was weißt du über die Kunst in der DDR? Westdeutsche und die Jüngeren unter uns dürften es schwer haben, mit mehr als ein paar Allgemeinplätzen zu antworten – einige wenige Spezialisten ausgenommen. Und auch im Osten wurden Maler oder Bildhauer aus dem vergangenen Staat nach der Wende nicht gerade gefeiert. Dabei gab es dort zwischen 1945 und 1989 eine lebendige und vielfältige Szene, die nicht bloß der staatlich genehmen Doktrin folgte. Mit welchen Strategien die DDR-Künstler ihre Individualität behaupteten, ist der rote Faden in Hinter der Maske, der dritten großen Ausstellung des im Januar eröffneten Museums Barberini.

Man kann sich die rund 120 Werke, darunter Bilder, Fotografien und Skulpturen, aber auch einfach aus Freude daran anschauen. Es war schließlich nicht nur historisches Interesse, das Barberini-Gründer und -Mäzen Hasso Plattner dazu brachte, sich Kunst aus der DDR zuzulegen. Im Interview mit SZ-Journalistin Johanna Pfund erklärt er: "Mich fasziniert die Malerei der Leipziger Schule, aber auch viele Bilder der Dresdner und Berliner Künstler, denn sie sind durch ihre Auseinandersetzung mit der Moderne und den Alten Meistern so vielschichtig und facettenreich."

Seiltänzer, Kunstarbeiter, wohlerzogene Vögel

Genau das kommt uns beim Gang durch die Ausstellung in den Sinn: Hier steht und hängt ein eigener Kosmos, der sich so wenig einer bestimmten Ästhetik unterordnet wie die Künstler der alten Bundesrepublik. Die Werke sind von den Machern thematisch strukturiert auf die Räume verteilt worden. Der Künstler und seine Rollen, Vorbilder und Verweise oder Verkleidung und Verhüllung als Mittel der Kritik gehören zu den neun Komplexen. Neben der Aufteilung finden wir auch die Texte auf den Infotafeln zu den Bildern gelungen, prägnant und gut zur Einordnung. Wer also keinen Audioguide auf den Ohren haben möchte, kommt auch ohne gut zurecht.


Im Raum mit den Selbstbildnissen der Maler springt Willi Sittes Selbst mit Tube und Schutzhelm ins Auge: ein Held der Arbeit mit freiem, farbverschmiertem Oberkörper. Der angestrengt balancierende Seiltänzer von Trak Wendisch ist ein Paradebeispiel für die Sektion Maskenspiele. Weit weniger maskierte Kritik übt Hans-Hendrik Grimmling mit Die Umerziehung der Vögel. Aber es gibt eben auch die anderen, leichten Momente in der Ausstellung: Peter Makolies' Skulptur Wächter erinnert zumindest uns an Yoda aus Star Wars. Auch wenn zu bezweifeln ist, dass das eine beabsichtigte Assoziation war. Harald Metzkes' zauberhafter Regentag im Atelier lässt allerlei fantastische Figuren aus Gemälden lebendig werden und im Atelier des Künstlers umherspringen.

Die "offizielle" Kunst der DDR gibt es im zweiten Stock des Barberini zu sehen. 16 großformatige Gemälde hängen dort. Bis 1990 schmückten sie das Foyer des Palasts der Republik – die sogenannte Palast-Galerie stand unter dem Motto Dürfen Kommunisten träumen? Nun sind die Monumentalwerke von Künstlern wie Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer oder Bernhard Heisig zum ersten Mal seit 1996 wieder gemeinsam ausgestellt. Die meiste Zeit lagerten sie seither im Depot. Mehrere der Bilder stellen eine Gegenwart voller Mühe und Kampf einer paradieshaften kommunistischen Utopie gegenüber. Ihre Größe und ideologische Wucht wirkt heute erdrückend und man muss die Werke ästhetisch nicht schön finden. Aber den Zugang zu ihnen wieder ermöglicht zu haben ist eines von vielen Verdiensten der Hinter der Maske-Kuratoren.

Die Ausstellung "Hinter der Maske. Künstler in der DDR" ist bis zum 4. Februar 2018 im Museum Barberini zu sehen. Weitere Informationen bekommst du auf dessen Webseite.

Museum Barberini

Humboldtstraße 5-6
14467 Potsdam

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Quelle: QIEZ
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