• Montag, 19. September 2016
  • von Nikolaus Triantafillou

Ausflugstipp

Mit der Tram nach Russland

  • Russische Kolonie Alexandrowka Museum
    In der Russischen Kolonie 2 ist das Museum Alexandrowka untergebracht - auch der Garten kann besichtigt werden. Foto: QIEZ - ©Nikolaus Triantafillou

Potsdam – Die Kolonie Alexandrowka nördlich der Innenstadt wirkt wie ein Freilichtmuseum oder eine grüne Märchenlandschaft. Doch der russische Fleck Potsdam hat neben Geschichte bis heute viel zu bieten.

Selbst unter den vielen Sehenswürdigkeiten und Baudenkmälern der brandenburgischen Landeshauptstadt sticht die Kolonie Alexandrowka heraus. Wer mit Tram oder Bus aus der Innenstadt in den Potsdamer Norden fährt, sieht sich unvermittelt von Obstwiesen und Holzhäusern wie aus einem alten russischen Dorf umgeben. Nicht mal das holländische Viertel fällt so sehr auf.

Was steckt dahinter? Tatsächlich war die Kolonie einmal richtig russisch. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ließ sie 1826/27 im Gedenken an den verstorbenen und mit ihm befreundeten Zaren Alexander I. anlegen. Gemeinsam hatten die beiden Herrscher zuvor gegen Napoleon gekämpft. In die zwölf Häuser zogen die verbliebenen Mitglieder eines russischen Soldatenchores ein, der aufgrund der freundschaftlichen Bande zwischen den Ländern Teil eines preußischen Regiments geworden war. Die Bewohner durften die Häuser allerdings nicht verkaufen oder verpachten, sondern nur an ihre eigenen Erben weitergeben. Architektonisch hatte die Kolonie ein nicht ganz authentisches Vorbild: das von Zar Alexander I. in Auftrag gegebene Kunstdorf im Park von Pawlowsk.

Warum lohnt sich der Besuch? Zwar leben heute keine Nachfahren der Erstbewohner mehr in der Kolonie Alexandrowka. Die meisten Häuser sind in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Doch schon die vom großen preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné geplante Gesamtanlage ist einen Abstecher wert. Sie hat die ovale Form einer Pferderennbahn und wird von zwei diagonalen Wegen gekreuzt. Wie schon im 19. Jahrhundert dienen die Grünflächen heute wieder dem Anbau einer Vielzahl von Obstsorten.

Die ein- und zweigeschossigen Gehöfte mit ihren Nebengebäuden und geschmückten Giebeln lassen an ein idyllisches russisches Dorf denken, in dem die Welt in Ordnung ist. Nicht zu vergessen: Auch die rosa-weiße Kapelle auf dem nahen Hügel gehört zur Kolonie Alexandrowka und ist den kleinen Aufstieg wert.

Auf dem nahen Kapellenberg steht die russisch-orthodoxe Kirche der Kolonie. ©Triantafillou Auf dem nahen Kapellenberg steht die russisch-orthodoxe Kirche der Kolonie. ©Triantafillou


Welche Häuser kann man betreten?
Zwei der historischen Häuser können Besucher sich auch von innen anschauen. In Haus 1 befindet sich ein russisches Restaurant mit Teestube und Außenbereich. Hier kommen Spezialitäten von Soljanka bis Pelmeni auf den Tisch. Bei unserem Besuch dauerte es allerdings sehr lang, bis wir bestellen konnten. Im nahen Haus 2 informiert seit 2005 eine Ausstellung über Geschichte und Architektur der Kolonie. Tipp: Nach der Besichtigung auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen im Garten vorbeischauen! Hier bekommst du nicht nur einen Eindruck von der Lenné’schen Gartenkunst, sondern kannst auch wunderbar entspannen und seltene Äpfel und Birnen direkt von den umliegenden Obstwiesen kaufen.

Auf den Obstwiesen der Kolonie wachsen viele auch ungewöhnliche Sorten. ©Triantafillou Auf den Obstwiesen der Kolonie wachsen viele auch ungewöhnliche Sorten. ©Triantafillou

Adresse

Russische Kolonie
14469 Potsdam

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Quelle: QIEZ
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