• Samstag, 07. Juni 2014
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Der Kletterwald in Grünheide

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  • Klettern in Grünheide
    Gerlinde (r.), ihre Freundin Nora und Hund Miley. Foto: externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke
  • Klettern in Grünheide
    Schön lauschig, aber auch anspruchsvoll. Foto: externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke
  • Klettern in Grünheide
    Und auf geht's zum Klettern! Foto: externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke
  • Klettern in Grünheide
    Die süße Strandbar. Foto: externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke

Moabit - Gerlinde Jänicke ist eine der bekanntesten Radiomoderatorinnen der Stadt. In ihrer neuen Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch ab sofort jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal ging es zum Klettern nach Grünheide ...

Aua. Überall blaue Flecken. Kratzer am Schienbein. Mein Körper fühlt sich an, als säße alles nicht mehr da, wo es hingehört. AUA! Ich bin nicht verhauen worden - ich war klettern.

Etwa eine dreiviertel Stunde dauert die Fahrt mit dem Auto an den Nordstrand des Werlsees von Zehlendorf aus, hier starte ich zusammen mit meiner Kollegin und Freundin Nora. Ich erzähle ihr auf dem Weg dorthin, was für ein wunderbares Erlebnis das Klettern ist. Und dass ich glaube, dass man einen Menschen ziemlich gut einschätzen kann, menschlich, wenn man ihn beim Klettern beobachtet. Man muss sich selbst sichern, heißt, sich auf sich selbst verlassen. Den Profis vertrauen, die fünf bis zehn Meter unter den Bäumen stehen und einem zurufen, dass alles gut wird und wirklich gar nichts passieren kann. Sich einlassen. Und sich trauen, vor einem Abgrund zu stehen und sich fallen zu lassen. Wie sehr vertraue ich mir selbst? Anderen? Wie mutig bin ich ...? Das alles zeigt einem das erste Klettererlebnis.

Drei Stunden wird das Ganze insgesamt dauern. Erst gibt es eine Einweisung. Diese dauert etwa fünfzehn Minuten. Hier bekomme ich einen Gurt, in dem ich mich ein bisschen fühle wie Lara Croft. Und es wird sichergestellt, dass ich weiß, was ich da oben tue und nicht runterfalle. Ist nicht schwer. Ein Affe könnte das. (Außer natürlich, dass der sich nicht sichern müsste ...)

"Ich will an meine Grenzen gehen."

Fünf Parcours gibt es, diese werden immer schwieriger und höher. Ich habe die ersten beiden Parcours schon mal durchgehalten, zusammen mit meinem Freund Julian F. M. Stoeckel (der Lustige aus dem Dschungelcamp). Ich habe festgestellt, dass ich Höhenangst habe. Dass ich nicht vertraue, weder mir, noch anderen. Das habe ich SO natürlich nicht von mir selbst gedacht. Ich musste irgendwann einfach abbrechen und habe mich wahnsinnig geärgert. Jetzt, ein Jahr später, will ich es wieder wissen. Ich will an meine Grenzen gehen, nicht aufgeben, mutig sein, vertrauen.

Es geht also auf den ersten Parcours. Der geht. Ich bin jetzt schon ganz stolz, weil ich ein bisschen denke, dass ich angstfreier geworden bin. Nichts wusste ich von Parcours 5.

Im Grunde bin ich nach drei Parcours schon durch. Und dann entscheiden sich Nora und ich doch noch für die Hölle. Ich weiß nicht, wie Leute das schaffen, die keine Spitzensportler sind. Man muss springen, sich in Abgründe werfen, (alles mit Sicherung, natürlich) und zwischendurch will ich abbrechen. Ich schreie und weine und fluche, und irgendwo da unten sitzt mein verwirrter Hund Miley, der nicht versteht, warum sein Frauchen im Himmel steht und kreischt. Abbrechen darf ich nicht, sagt Sabine, die sehr geduldige Besitzerin des Kletterwaldes, die Nora und mich die gesamte Strecke begleitet, tröstet und motiviert. Ich könnte technisch zwar tatsächlich abbrechen (und gerettet werden), sagt sie, aber ich würde mich ärgern, weil aufgeben bedeutet, verloren zu haben. Meine Arme sind wie Pudding, mein Herz rast, ich klammere mich an einen Baum in zehn Metern Höhe und will nie wieder loslassen. Ich weine, weil ich ein Mädchen bin, und weil ich noch drei Stationen vor mir habe. Die Letzte war grauenhaft. Sich fallen lassen, an Strippen festhalten, auf eine Schaukel klettern, hinstellen, wieder hinwerfen. Und das passiert nur alles mir, der Unsportlichen, der Pandabärbarbie. Boah. Ich will nicht mehr.

Ich denke an nichts. Und erwische mich dabei, wie cool es ist, mal an nichts zu denken. Im Moment zu leben. Fokussieren, Balance finden, mutig sein. Ich halte durch. Und packe es!

Ich schwitze, ich weine, als die ganze Anspannung abfällt, weil ich es geschafft habe. Ich stehe zusammen mit meiner mutigen Nora, die auch Tränen in den Augen hat, im Schatten der Bäume und schaue mir das Biest nochmal an, das ich gerade besiegt habe. Ich glaube ganz fest daran, dass es gut war, an meine Grenzen zu gehen. An der süßen Strandbar, die mich an Kuba erinnert, nehme ich noch eine Berliner Weiße "blau" und Nora bekommt einen Nudelsalat. Der Blick schweift über den See, hier lässt es sich so wundervoll aushalten. Nach vier Stunden Aufenthalt insgesamt muss ich nun aber doch nach Hause. Meinem Freund habe ich einen Hackbraten versprochen. Hat der es gut. Hackbraten zum Dinner, zubereitet von Supergirl persönlich. Denn genauso fühle ich mich jetzt. Tadaaaa!

Fazit: Wer an seine Grenzen gehen will, die Natur und die frische Luft liebt, keine wirkliche Höhenangst hat, sondern nur "Respekt" vor der Höhe, wird hier um eine faszinierende Erinnerung reicher. Auch für Profis geeignet, die sich austoben wollen.

Kletterwald Grünheide

Weg zum See 4
15537 Grünheide

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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