• Samstag, 14. Februar 2015
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Wie ich beinahe zur Pferdeflüstererin wurde

  • Gerlinde Jänicke und Pferd
    Gerlinde Jänicke hat sich mit den Bewohnern des Pferdehofs Zum Vehtränk in Wustrau schnell angefreundet. Foto: externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke

Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diese Woche besuchte sie einen Pferdehof in Wustrau und lernte nicht nur etwas über die Tiere ...

Manchmal muss man ein wenig weiter weg fahren, um sich selbst zu finden. Es heißt ja immer, man kann nicht vor sich selber fliehen. Ich glaube schon. Zumindest kann man seine Situation von Außen besser betrachten. Wo will ich hin, wer bin ich, warum bin ich, wer möchte ich sein. Ein kleines Teilchen dieser Antwort habe ich auf dem wunderschönen Pferdehof "zum Vehtränk" in Wustrau gefunden, am Ruppiner See.

Ein Pferd als Trainer. Ein Pferd, um sich selbst zu finden. Wie das geht, erklärt mir die Chefin persönlich. Kathrin Beese-Gotthardt studierte offiziell Rechtswissenschaften, im Nebenfach Psychologie und Philosophie und ist seit mehreren Jahren als Pferdewirtschaftsmeister unter anderem für das Management der Seminare, die hier stattfinden, zuständig. In meinen Augen ist sie einfach ein faszinierender Mensch, dem ich im Grunde schon in den ersten fünf Minuten meine Lebensgeschichte erzählen möchte.

Von Pferden lernen

Gerlinde und Mitarbeiterinnen des Hofs (c) Jänicke Gerlinde und Mitarbeiterinnen des Hofs (c) Jänicke
Wir setzen uns in eine richtige Bauernküche und essen Kuchen. Selbstgebacken von Kathrins entzückender Tochter. Ich setze mich neben meinen Hund auf die Couch. Der Hund macht wirklich, was er will. Eigentlich darf er nicht einfach so auf Sofas springen. Alles gut, sagt Kathrin. Hier werden Hunde gerne gesehen. So lecker der Kuchen auch ist, ich werde zappelig. Ich will dringend zu den Pferden. Außerdem bin ich unendlich müde. Wenn es nicht bald los geht, werfe ich mich einmal längs übers Sofa und halte einen Mittagsschlaf. Witzigerweise ist das immer ein Zeichen dafür, dass es mir irgendwo gefällt. Wenn ich mich hinlegen und schlafen kann, ist das ein tolles Kompliment. Ich fühle mich wohl.

Bevor ich diese Besonderheit erklären muss, geht es endlich los. Ich werde in die große Reithalle geführt und warte auf die Pferde. Drei wunderschöne, dunkle Tiere werden hereingeführt. Ich fühle mich wie in der Pferdeshow "Apassionata". Eine unglaubliche Eleganz. Und Ruhe. Schnauben. Glitzernder Staub in der Sonne, die durch die Fenster der Halle scheint. Dieser unvergleichbare Duft. Gefangen in der Freiheit, so fühlt es sich an. Eine Stunde lang werde ich mit den Pferden "arbeiten" – oder eher – sie mit mir. Ich werde lernen, mich einem Problem zu stellen. Durch die Pferde lernen, was ich brauche. Ein kleines Tränchen verdrücken. Die Tiere spiegeln uns. Sie zeigen uns, wie wir sind. Interessanter Gedanke. Ich überlege, wie mein Hund Miley so drauf ist. Sie hört nur, wenn sie will, ist ziemlich albern und verspielt und manchmal nicht so verschmust, wie ich es gerne hätte. Sie will alles nur, wenn sie es will. Hmmm…könnte es wirklich sein, dass unsere Tiere sind wie wir?

Nachbesprechung in der Küche

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Ins Grüne, ins Warme, in Berlin

Steglitz
Und gerade Pferde sind sensibel. Kathrin sagt, sie reflektieren unser Handeln. Im Umgang mit Pferden werden unbewusst ablaufende Prozesse sichtbar. Pferde lassen sich nicht beeindrucken von Äußerlichkeiten oder Alphatier-Gehabe. Sie begegnen einem wertfrei. Und Kathrins Pferde sind auch nicht bestechlich. Alle Lockversuche meinerseits funktionieren nicht. Und ich lerne viel an diesem Tag. Zum Beispiel, dass ich ganz groß darin bin, meine Probleme von mir wegzuschieben und nicht gewillt bin, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich kann also super ignorieren. Und das alles "erzählt" mir ein Pferd. Durch das Verhalten der Tiere lerne ich, was ich brauche. Was ich besser machen kann.

Kathrin bietet eine ganze Stange Seminare an und hat viele Gäste aus Berlin. Büroteams, Manager, gestresste Mütter, Liebeskummerpatienten. Es gibt Körperspracheseminare, Burn-out-Präventionsseminare und Seminare nur für Frauen. Das zum Beispiel vom 18. bis 19. April. Nach meiner Lernstunde mit den wunderschönen Pferden setzen wir uns zurück in die große Küche. (Es kann auch ein großes Büro gewesen sein, ich war wirklich sehr, sehr müde an diesem Tag…) Wir besprechen das Erlebte und ich rede recht offen über meine Gedanken, Ängste und Hoffnungen. Kathrin ist ein Mensch, den man gerne als große Schwester hätte. In wenigen Worten zeigt sie Lösungswege auf und führt einen durch gezielte Fragen zum eigenverantwortlichen Umgang mit Problemsituationen. Ich habe ein gutes, befreites Gefühl nach unserem Gespräch. Zum Abschied gibt es einen Rundgang durch die Stallungen. Ich verabschiede mich von den Pferden. (Dieser Stall und die Boxen sind so unfassbar sauber!!)

Mein Lieblingspferd heißt Captain Jack. Captain Jack ist frech, mutig, ein bisschen unnahbar und sehr eigenwillig. Passt. Bin ich auch. Und ich bin noch was. Dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich in diesem Leben machen darf. Für die Menschen, über die ich auf meinem Weg immer wieder stolpere. Und für die Tiere. Den Spiegel unserer Seele.

Weitere Informationen zu den Seminaren auf dem Pferdehof findet ihr auf dessen Webseite.

Pferdehof Zum Vehtränk - Pferdeseminare

Hohes Ende 11
16818 Wustrau

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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