Kreuzberg
Browse Fotofestival in Kreuzberg

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Sonst durchstöbert man die Stände der Markthalle. Bis Ende Juni gibt es rund um das Viertel Fotoausstellungen zu erkundschaften.
Kostenlose Fotokunst gibt es beim Browse Fotofestival Berlin 2012 in über 40 Läden, Kneipen und Cafés im Bergmannkiez zu bestaunen. Die Community Impulse Initiative macht es möglich.

Da soll nochmal jemand sagen, die Menschen in Berlin seien griesgrämig. In der Brezel-Bar in Kreuzberg 61, nicht weit von der Marheineke-Markthalle, kann man sie sehen: Gesichter wie ein sonnig blauer Himmel hängen dort an der Wand auf Fotopapier gebannt und schauen einem direkt in die Augen. Aber auch an den Tischen darunter ist die Stimmung nicht schlechter. In Neuseeland soll es sich ja besonders gut leben. Die Porträts der Fotografin Lisa Sprengel, die beim Browse Fotofestival Berlin ausgestellt werden, scheinen das zu bestätigen. „Nicht im System leben zu müssen“, ist zum Beispiel für einen Rentner mit Rauschebart ein großer Teil des Glücklichseins. Berliner Gesichter können aber genauso Glückseligkeit ausstrahlen, wie man mit einem Blick ins hintere Zimmer der Bar feststellen kann – Buch, Kaffee und Kerzenlicht scheinen genug für eine Berliner Oase der Ruhe zu sein.

Foto-Schatzsuche im Bergmannkiez

Eine riesige Galerie breitet sich über den ganzen Kiez: Rund um die Markthalle werden seit dem gestrigen Sonntag von 45 Fotografen aus Berlin Ausstellungen in Bars, Cafés, kleinen Läden und Gaststätten präsentiert. Sujet und Sparte der Fotografien mögen sich ändern – fotojournalistische Arbeiten sind ebenso vertreten wie Kunstfotografie – aber Berlin und seine Bürger kommen dabei immer wieder zum Vorschein.

Mit einer Broschüre, die überall kostenlos ausliegt, bewaffnet und einem Plan im Kopf, geht die Reise durch die Kneipen los. An so manchen Orten bleibt man dann doch kleben, obwohl es nicht geplant war. Das ist aber sogar Sinn der Sache. „Deshalb der Vornahme ‚Browse‘- Fotofestival mit Bezug zum Internet“, erklärte Duscha Rosen vom Organisationsteam. Das Durchstöbern des Internets wird beim Festival auf die Straße verlegt. „Ein Mix aus gezieltem Aufsuchen und überraschenden Entdeckungen“, ist das, was dabei herauskommt.

Eigeninitiative macht’s möglich

Die Community Impulse Initiative, die sich aus Medienschaffenden, Künstler und Anwohnern des Chamisso- und des Bergmannviertels zusammensetzt, richtet das zweite Festival dieser Art mit der Unterstützung des Tagesspiegels noch bis zum 30. Juni aus. Bei seiner Eröffnungsrede am Sonntag lobte der Tagesspiegel-Autor Peter von Becker das Browse-Festival „als Musterbeispiel bürgerschaftlichen Engagements.“ Das Kulturevent wird nicht durch öffentliche Gelder gefördert.

„Es geht vor allem darum, unsere einzigartig vielfältige und tolerante Berlinkultur zu fördern. Sie ist ein Teil unserer Identität“, beschreibt der 50-jährige Ire John Colton, der seit 1988 Wahlberliner ist, die Grundidee des Festivals. Der Designer für Filmproduktionen wäre von Anfang an  „begeistert von Berlin“ gewesen, sagte er. Das Festival war seine Idee. Die Fotokünstler, „die auf dem immer exklusiveren und teureren Kunstmarkt und im Galeriegeschäft geringe Chancen haben“, wollte er mit Plattformen unterstützen. Die für die Veranstaltung zentrale Anlaufstelle ist die Marheineke-Markthalle, die zudem auf ihrer Empore die Dauerausstellung der Organisationgruppe beheimatet. Mit einer Auswahl an bemerkenswerten Fotografien der Aussteller wird ein Vorgeschmack und Gesamteindruck der Fotografie-Tour gegeben.

Eine Auswahl aus dem Programm des Festivals

Ob Profi oder Hobbyfotograf, hier hängen sie alle. Die Journalisten Wolfgang Krolow, seines Zeichens  sozialkritischer Berlinfotograf, oder Sönke Tollkühn geben sich die Ehre, genau wie Margrit Radszun, die in ihrer Ausstellung im Meli melo das „irr.reale“ zeigt. Feste Bauwerke lässt sie durch die Linse von Glasfassaden oder Seifenblasen zu märchenhaften Gebilden verschwimmen.

Im Knofi an der Bergmannstraße 11 werden die Künstler des Jazzclubs A-Trane von Mehmet Dedeoglu auf Bilder gebannt. Das Turandot in der Bergmannstraße 93 serviert uns eine Auswahl an Füßen. Marion Schwan stellt dort ihre Reihe „feet & street“ aus. Edith Siepmanns „Architektonische Shortcuts“ leihen Häusern ein Ohr: Sozialbauten mit Satellitenschüsselwäldern geben hier den Ton an.

Österreichische Gemütlichkeit paart sich im Felix am Marheinekeplatz mit südländischem Charme aus Havannas Altstadt. Johannes Barthelmes fotografierte zum Beispiel zwei alte Herren beim Damespiel vor der Haustür. Der Platz darunter ist bei den Stammgästen sehr beliebt. „Die finden das Foto prima“, erzählte Kellnerin Karin. Es entspricht ihnen. „Sie treffen sich hier zum Schachspielen oder Kreuzworträtseln.“

Weitere Infos gibt es hier.

Marheineke Markthalle, Marheinekeplatz, 10961 Berlin

Telefon 030 61286146

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Montag bis Freitag von 08:00 bis 20:00 Uhr | Samstag von 08:00 bis 18:00 Uhr |

Marheineke Markthalle

Die Marheineke-Halle ist ein geschichtsträchtiges Unikat im Kiez.

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