Durch den Kiez

Anders Alborg: Thriller made in Reinickendorf

Anders Alborg: Thriller made in Reinickendorf
Anders Alborg mit seinem jüngsten Thriller in der kirchenartigen Halle der Humboldt-Bibliothek. Zur Foto-Galerie
Er könnte auch anders. Doch eine Karriere in Forschung und Wissenschaft allein reichte Anders Alborg nicht. So legte er seit 2013 zwei Thriller vor, die sich mit den gewaltigen Möglichkeiten der Gentechnologie auseinandersetzen. Ein Treffen in Tegel.

Gegen die Regenwolken über Reinickendorf ist selbst Anders Alborg machtlos. Dabei hat sich der 60-Jährige während des Medizinstudiums mit den Auswirkungen extremer äußerer Einflüsse und Umweltfaktoren auf den Organismus beschäftigt. Doch hier und heute gibt es nur eine Lösung: rein in die Humboldt-Bibliothek, die in Tegel gelegene Zentralbibliothek des Bezirks. Hier steht nicht nur Das Unikat, Alborgs erster Thriller. Das postmoderne Gebäude mit Elementen von Klassik und Industrieästhetik ist auch so einen Besuch wert. Die Form des Innenraums erinnert an ein Kirchenschiff.

Anders Alborg mag die Bibliothek. Manchmal trifft er sich hier mit anderen Autoren zum Plausch. Vor 20 Jahren zog er aus Kudamm-Nähe in den Nordwesten der Stadt. „Ich bin ein großer Naturliebhaber“, sagt er. Der nahe Wald, schöne Strecken zum Joggen und Mountainbiken – da vermisst er die City West kaum. Ebenso wenig bereut hat Alborg den Schritt vom Gesundheitssektor in die Schriftstellerei. Zum einen widmet er sich nicht exklusiv Letzterem, zum anderen hat er ein Thema quasi mitgenommen: Das Unikat und die letztes Jahr erschienene Fortsetzung Das Unikat: Flucht ins Leben handeln von einem spektakulären gentechnischen Experiment. Die Fragestellung hinter den Romanen formuliert der Autor so: „Wie weit darf ein Forscher die Büchse der Pandora öffnen, wenn er nicht sicher ist, dass er sie wieder zukriegt?“

Klonen erklärt am Frühstückstisch

In Alborgs Thrillern muss die Hauptfigur Dr. Simon Haydeck eine Antwort darauf finden. Dessen Ambitionen werden von seinem vorgesetzten Professor ausgebremst – bis er sich für das oben genannte Experiment anwerben lässt. Und schon bald nimmt Das Unikat richtig Fahrt auf. Der Autor hält dabei die wissenschaftlichen Hintergründe auf einer verständlichen Ebene: So erklärt sein Protagonist Haydeck seiner Freundin das Klonen am Frühstückstisch mit Hilfe von Marmeladengläsern, also ganz alltagsnah.

Mit Blick auf die Literatur allgemein sieht er ein Problem für Neulinge und unbekanntere Autoren: „Es gibt heute wenig Risikobereitschaft im Verlagswesen.“ Lieber kaufe man noch eine weitere Lizenz von Dan Brown. Eine Berliner Kollegin, die es zu einem Verlag geschafft hat, hebt er hervor: „Ich bewundere die Kreativität von Bettina Kerwien, die in einer rotzig-frechen Art und mit wilden sprachlichen Bildern Berlin-Krimis schreibt.“

Das Wetter tut uns an diesem Tag keinen Gefallen. Und doch schafft es Anders Alborg, uns die Vorzüge seiner Wohngegend im Nordwesten der Stadt überzeugend anzupreisen. „Auf der Greenwichpromenade tobt im Sommer das Leben“, erzählt er. Sehr nett zum Einkehren und Essen mit Blick aufs Wasser seien die Tegeler Seeterrassen, die vor wenigen Jahren modernisiert wurden. Gerne geht Alborg mit seiner Familie auch zum Inder Aarju im Medebacher Weg. Schön nostalgisch findet er das Café Röttgen am U-Bahnhof Alt-Tegel mit seiner großen Kuchentheke und gepflegter Langsamkeit.

Alborg vor den Tegeler Seeterrassen und der fast schon berühmten roten Telefonzelle.

Ein neuer Thriller – und ein Film?

In dem benachbarten Ortsteil Heiligensee ist der Autor ebenfalls oft anzufinden: „Es gibt kein einziges Hochhaus dort, was mir sehr sympathisch ist.“ Außerdem seien die Sandberge – im Tegeler Forst gelegene Binnendünen definitiv einen Spaziergang wert. Und was hält Alborg von der Stadt insgesamt? „Berlin ist fast wie die Wissenschaft etwas zwiespältig. Das kulturelle Angebot ist sensationell. Es ist extrem lebendig, wenn man im Sommer an den Ufern unterwegs ist. Es ist aber auch eine reichliche Dosis und manchmal möchte ich eher meine Ruhe haben.“ Eine passende Antwort für einen Reinickendorfer, finden wir.

Was kommt als nächstes für Alborg? An einem neuen Thriller, der keine weitere Fortsetzung von Das Unikat ist, arbeitet er schon. Diesmal geht es um geheimnisvolle Waffensysteme aus dem 2. Weltkrieg, denen ein Geschichtsprofessor auf die Spur kommt. „Ich habe vieles gefunden, was ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagt der Autor über seine Recherchen. Ein Erscheinungstermin fehlt aber noch. Was auch daran liegt, dass Alborg seine Bücher schreibt „wie manche Leute ein Puzzle machen„.

Ein spannender Thriller wie Das Unikat – würde der nicht auch ins Kino oder Fernsehen passen? Anders Alborg wäre nicht abgeneigt und befand sich sogar schon in Gesprächen mit einer Produktionsfirma. Letztlich scheiterte die Umsetzung aber an der fehlenden Filmförderung. Eine Lieblingsbesetzung für die Hauptfigur Simon Haydeck hätte Alborg schon, so schwärmt er: „Til Schweiger setzt sich für vieles ein und über Grenzen hinweg.“ Passt doch, oder?

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Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19, 13507 Berlin

Telefon 030 4373680

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Montag bis Freitag von 11:00 bis 19:00 Uhr
Samstag von 11:00 bis 16:00 Uhr

Humboldt-Bibliothek

Der Eingang der architektonisch interessanten Humboldt-Bibliothek in Reinickendorf

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