Enkel veröffentlicht Feldpost als Buch

Ein Charlottenburger im Krieg

Ein Charlottenburger im Krieg
Volker Krieg hat über 400 Feldpostbriefe seiner Großeltern zusammengefasst. Zur Foto-Galerie
Der Laternenaufseher Wilhelm Krieg war einer von hunderttausenden deutschen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg ihren Militärdienst an der Front versehen mussten. Die Briefe und Notizen des Landwehrmanns vermitteln ein detailliertes Bild vom Alltag dieser Zeit. Sein Enkel Volker hat sie gebündelt als Buch veröffentlicht.

„Landwehrmann Krieg im Krieg. Feldposterzählungen 1914 bis 1918“ heißt der im Selbstverlag erschienene Band, in dem die Briefe von Wilhelm „Willi“ Krieg an seine Frau Margarete in Charlottenburg und deren Antworten tagebuchartig versammelt sind. Ergänzt werden sie durch Notizen des Gefreiten und späteren Offiziers, die es nicht in einen Brief geschafft haben. Die Texte beschreiben den Zeitraum von Kriegs Versetzung an die Front im September 1914 bis zum August 1918; er überlebte und konnte nach einem Heimaturlaub im Oktober 1918 wegen der Novemberrevolution nicht mehr zur Truppe zurückkehren.

Volker Krieg
Der pensionierte Kriminalbeamte Volker Krieg hat die Feldpost seines Großvaters gesichtet, die dessen Sohn und Kriegs Onkel aufbewahrt hatte. Dabei musste er zunächst die zeitgenössische Kurrentschrift entziffern, in der die rund 400 Sendungen verfasst sind. Das Besondere an den Aufzeichnungen des Landwehrmanns sind die häufig detailreichen Beschreibungen von alltäglichen Begebenheiten und Tätigkeiten, die einen überaus authentischen Eindruck vom Dienst an und nahe der Front vermitteln.

Zwischen Pflicht und Sorge

Das Buch ist sicher keines, das der durchschnittliche Leser in einem Rutsch verschlingen wird. Doch obwohl Volker Krieg zur Wahrung der Privatsphäre seiner Großeltern kleine Details ausgelassen hat, sind viele der abgedruckten Briefe berührend, weil schnell deutlich wird, wie sehr Trennung und Sorge um Mann/Frau/Familie die Schreiber umtreiben.

Seinen Aufzeichnungen nach war Wilhelm Krieg pflichtbewusst, aber keineswegs kriegslüstern. Spätestens an seinen Schilderungen des Explosionsunglücks im Fort Douaumont wird deutlich, dass er den Schrecken der Barbarei realisiert hatte, selbst wenn er ihn seiner Frau sicher nicht mit voller Wucht weitererzählen wollte. In der Festung nahe Verdun, die die deutschen Truppen im Februar 1916 erobert hatten, explodierte am 8. Mai 1916 ein Waffendepot; es gab hunderte Opfer unter den Soldaten. Krieg wurde durch austretendes Gas verletzt. Im späteren Verlauf des Krieges werden kritische und desillusionierte Äußerungen des Offiziers zur allgemeinen Lage häufiger. Auch die Sorge um die im heimischen Berlin-Charlottenburg Verbliebenen wird angesichts der Versorgungslage, die ihm Ehefrau Margarete schildert, immer größer.

Neben den Texten sind auch Fotos und Zeichnungen im Buch abgedruckt. Wilhelm Krieg war nicht nur ein guter Beobachter und fleißiger Schreiber, sondern als gelernter Bild- und Schriftlithograph auch ein begabter Zeichner. Seinem Enkel ist es zu verdanken, dass die „Feldposterzählungen“, ein sehr authentisch wirkendes Zeitdokument mit privater Komponente, nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

„Landwehrmann Krieg im Krieg. Feldposterzählungen 1914 bis 1918“ von Volker Krieg ist im Selbstverlag bei epubli erschienen und kostet 17,95 Euro.

Foto Galerie

Ein Charlottenburger im Krieg, Spandauer Damm, 14059 Berlin
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