Buchvorstellung

Willkommen in der Wins

Willkommen in der Wins
Die Winsstraße - ein Bild aus heutigen Tagen.
Winskiez - Der Moderator Knut Elstermann nimmt den Leser in seinem Buch "Meine Winsstraße" mit auf eine Reise in seine eigene Kindheit in Prenzlauer Berg - und kommt dabei sogar einem Familiengeheimnis auf die Spur. Es geht aber auch um die Bewohner der Wins, das Leben der Straße früher und heute.

Genau 883 Meter lang ist sie. Parallel gelegen zwischen der Greifswalder Straße und der Prenzlauer Allee, begrenzt von der Heinrich-Roller-Straße am alten Friedhof und der Danziger Straße, zählt sie die Hausnummern 1 bis 72. Kein Durchgangsverkehr, keine Wochenmärkte, kein denkmalgeschütztes Haus – und doch hat sie Knut Elstermann dazu bewogen, ein Buch über sie zu verfassen. Die scheinbar unscheinbare Winsstraße, in der der Moderator als Kind gelebt hat. „Die Straße meiner Kindheit ist eine Durchgangsstation der Generationen, die alle etwas hinterlassen, bevor sie abtreten“, wie er schreibt.

Zunächst wirft Elstermann einen Blick zurück: Früher hatten sich hier Windmühlenflügel gedreht und Getreide wurde angebaut, bis die Bauern verdrängt wurden. „Die Straße gehört zu den jüngeren Berliner Altbaugebieten, die im Zuge der stürmischen industriellen Stadterweiterung entstanden“, ist zu lesen. Grundlage war der Bebauungsplan von James Hobrecht, der am 2. August 1862 in Kraft trat. „Fast alle Häuser in der Winsstraße wurden zwischen 1870 und 1910 gebaut, mit meist recht repräsentativen Vorderhäusern und kleineren Wohnungen im Hof.“ Ihren Namen hat die Straße im Jahre 1891 erhalten. Dieser hatte übrigens nichts mit Winzern oder Weinbergen zu tun, sondern erinnert an den Berliner Bürgermeister Thomas Wins, der mit Unterbrechungen von 1426 bis 1447 regierte.

Elstermann, der mittlerweile nicht mehr in Prenzlauer Berg lebt, besuchte für seine Recherche ein Jahr lang Bewohner der Winsstraße, um der Geschichte der Straße Leben einzuhauchen: Da ist Uschi, die 1978 den Brecht-Keller in der Chausseestraße mit ins Leben rief, von der Stasi verhaftet wurde und heute das Kiezzentrum La Bohème, seit 2004 vom Verein Tina Modotti getragen, führt. Da ist die berühmte Fotografin Helga Winter, die schon seit 1966 in der Winsstraße wohnt. Da ist die Schauspielerin Franziska Petri, die mit ihrer Familie im „Ritterhaus“ (Ritter an der Fassade) in der Winsstraße 61 lebt. Weil das Ritterhaus so hübsch saniert ist, besucht Elstermann auch das dahinter stehende Immobilienunternehmen, um den Prozess zu hinterfragen. Und auch dem Korbflechter Fred Jacob, der sein altes Handwerk immer noch hoch hält, stattet er einen Besuch ab.

Etliche Passagen sind dem Film gewidmet, u.a. dem kleinen früheren Kino Nord-Ost-Lichtspiele, dem Regisseur Peter Kahane und Monika Unferferth, einem bekannten Gesicht des DDR-Fernsehens. Auch das damalige jüdische Leben findet in Elstermanns Erzählungen Platz. Und negative Stimmungen werden nicht außen vor gelassen, wenn zum Beispiel Kneipenwirt Axel beklagt, der Kiez sei langweilig geworden oder sich eine alteingesessene Druckerei einen neuen Standort suchen muss, weil die Mietpreise zu hoch geworden sind.

(c)be.bra verlag
Erinnerungen an seine Kindheit klingen stets an: die Straße als Spielplatz, das Unübersichtliche der gestaffelten Höfe, die Kochwäsche, die auf den Dachboden gebracht werden musste, Leierkastenmänner, Scherenschleifer. Immer wieder ist auch von Elstermanns Vater die Rede, der sich zu Hause nicht heimisch fühlte. Und der Autor stößt im Lauf seiner Recherchen auch auf den Grund, warum dem so ist …

Aus der Reihe „Berliner Orte“: Knut Elstermann – Meine Winsstraße, erschienen im be.bra verlag, September 2013, 9,95 Euro.


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Willkommen in der Wins, Winsstraße, 10405 Berlin

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