Tiergarten
Steppengarten im Tiergarten

Die Großstadt-Oase

Die Großstadt-Oase
Versunken im Blumenmeer. Gabriele Holst kümmert sich darum, dass der Tiergarten wieder blüht.
Tiergarten - Brusthohe Gräser, Lavendel, Sonnenhut, Malve: Gärtner und Landschaftsarchitekten forsten den Steppengarten im Tiergarten auf, der häufig von Parkbesuchern beschädigt wird. Und dann war da auch noch die Sache mit dem versteckten Geld.

Der Steppengarten sei einfach zu finden, sagt Gabriele Holst: am Brandenburger Tor links in den Tiergarten, dann immer Richtung Venusbassin. „Und direkt neben dem Becken, wo alles ganz unordentlich ist, da sind wir.“ Na ja, mit unordentlich hat die Landschaftsarchitektin dann doch etwas übertrieben. Der Steppengarten ist eine kleine Oase: brusthohe Gräser, Lavendel, Sonnenhut, Malve und mehr. Wunderschön gepflegt? „Das glaubt nur jemand mit ungeübtem Blick“, sagt Holst und lacht. Ihr Arm beschreibt einen Kreis, sie zeigt, wo überall was getan werden muss. Hier vorne haben Hasen Pflanzen abgefressen, da hinten ist eine Fläche zugewuchert, überall gehen Ahorn- und Birkensämlinge auf. Dazu kommen die Schäden, die Besucher hinterlassen.

Der Steppengarten ist nur zum Anschauen da, es gibt keinen Weg hindurch, die Fläche soll nicht betreten werden. Aber einen Zaun gibt es nicht, und viele können es nicht lassen. Spaziergänger pflügen einen Pfad durch Gräser und Bodendecker, zupfen bunte Blumen für einen Sommerstrauß. Besonders rabiate Parkbesucher fahren auch mal mit dem Fahrrad quer durch den Garten. Und dann war da noch die Sache mit dem versteckten Geld. „Hidden Cash“ hieß die Aktion, für die der Millionär Jason Buzi Ende Juli 24 Umschläge mit insgesamt 1500 Euro im Tiergarten versteckte – zum Leidwesen von Gabriele Holst auch im Steppengarten. Dutzende Geldsucher trampelten hindurch, buchstäblich kein Stein bleib auf dem anderen: „Jeden Findling haben sie umgedreht“, erzählt sie. „Nicht jeder fand die Aktion lustig – wir jedenfalls nicht.“ Auf 6000 Euro bezifferte sie den Schaden – und rief den Tagesspiegel an, um Dampf abzulassen.

Um den Steppengarten zu erhalten, legen die Anwohner selbst Hand an

Der Steppengarten wurde 1953 angelegt und 2009 im Zuge der Sanierung des Goldfischteichs rekonstruiert. Allerdings wurde das Areal schon nach kurzer Zeit erneut vernachlässigt. Zum Ärger von Holst und ihren Mitstreitern – allesamt ausgebildete Gärtner und Landschaftsarchitekten. „Wenn irgendwo eine Oper schließen soll, gibt es einen Aufschrei“, sagt sie. Wenn die Gartenkultur den Bach runtergeht, kümmert das kaum einen. „Auf öffentlicher Fläche wollen wir zeigen, dass Gärtner mehr können als Rasenmähen.“

Also schlossen sie sich zusammen zum Arbeitskreis Steppengarten im Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur. Mit dem Grünflächenamt hat der Verein eine Vereinbarung, wonach die städtischen Gärtner für die Grundpflege des Steppengartens zuständig sind. „Aber die Reviergärtner haben oft zu wenig Kapazitäten“, sagt Gabriele Holst.

Deshalb trifft sich die Gruppe jeden Freitag von 14 Uhr an im Steppengarten zum Buddeln und Graben. Neue Helfer sind immer willkommen – zu tun ist jedesmal reichlich: Roden, Schneiden, Umsetzen oder neu Anpflanzen. Die Gewächse, auch die für den Aktionstag am 13. September, bekommt der Verein von Spendern und Sponsoren. Viele Pflanzen zieht Gabriele Holst auch selbst, in ihrem eigenen Garten und mit ihren Studenten im Gewächshaus der Beuth-Hochschule. Und wenn das nicht reicht, kauft sie welche dazu. „Das geht zwar ins Geld“, sagt sie. „Aber für die Gestaltung muss es manchmal sein.“

Pflanzaktion im Steppengarten (neben dem Venusbassin im Tiergarten): Sonnabend, 13. September, 10 bis 16 Uhr. Wenn vorhanden, bitte Schaufel mitbringen. Kontakt: Gabriele Holst 39905677, E-Mail: holst@gestaltungfreiraum.de. Internet: www.steppengarten.de

Tiergarten, Altonaer Str. 3, 10557 Berlin

Telefon 030 3913325

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