Masterplan Tempelhofer Freiheit

Behutsame Entwicklung oder störender Eingriff?

Grenzenlose Stadtidylle: Ein Herbsttag auf dem Tempelhofer Feld.
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Platz der Luftbrücke - Noch bis zum 1. November können sich interessierte Besucher im ehemaligen Transitbereich des Flughafens Tempelhof über die Bebauungspläne für die Tempelhofer Freiheit informieren. Wir haben uns die Präsentation einmal angesehen.

Eigentlich soll die Ausstellung im denkmalgeschützten Flughafengebäude alle Berliner dazu einladen, sich aktiv an den Plänen zur Entwicklung des Tempelhofer Feldes zu beteiligen. Doch der an einem Herbstferien-Nachmittag leere Ausstellungsraum lässt vermuten, dass nicht jeder, der etwas zur Zukunft des ehemaligen Flughafengeländes zu sagen hat, auch bereit ist, sich fundiert mit den politischen Plänen auseinanderzusetzen. Während vor dem Fenster also munter die Drachen in die Höhe steigen und Menschen auf Inslineskates, Fahrrädern oder Segways vorbeidüsen, bleiben die Schautafeln mit den Planunterlagen zur Tempelhofer Freiheit zumindest an diesem Nachmittag weitgehend unbeachtet.

Dabei dürfte ein eingehender Blick auf den „Masterplan Tempelhofer Freiheit“ durchaus zu Diskussionen anregen. Gleich zu Beginn der Ausstellung stellt Bausenator Müller in mehreren Zitaten klar: Der „einzigartige Park bleibt“, „bezahlbares Wohnen kommt“ und „neue, urbane Quartiere mit Geschichte“ werden entstehen. Dazu sollen die Randbereiche – die, so wird immer wieder ausdrücklich betont, außerhalb der insgesamt 230 Hektar großen Freifläche des Tempelhofer Feldes liegen – mit Wohnungen, Gewerbe oder auch Bildungseinrichtungen wie etwa der Zentralen Landesbibliothek bebaut werden.

Die Bebauungspläne

Die Bauvorhaben beziehen sich auf Teilflächen am Tempelhofer Damm (Babauungsplan 7-70) und auf Flächen am Südring (Bebauungsplan 7-71). Des Weiteren ist an der Oderstraße ein Wohngebiet mit Grundschule geplant. Während im Quartier am Südring vor allem Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen sowie Wohnungsbau vorgesehen sind, sollen am Tempelhofer Damm die Themen Wissen, Lernen und Kultur im Vordergund stehen. Auch ein drei Hektar großes Wasserbecken südlich des Flughafengebäudes umfasst der Bebauungsplan. Es soll dem „neuen ökologisch und wirtschaftlich sinnvollen Regenwassermanagement“ dienen und darüber hinaus einen attraktiven Anlaufpunkt für Erholungssuchende darstellen.

Mit der Errichtung der beiden Quartiere am Südring und am Tempelhofer Damm ist auch die Aufwertung des gesamten Kiezes verbunden. Geplant sind beispielsweise die Herrichtung von öffentlichen Grünflächen und Plätzen, der Ausbau von Schulen und die Verbesserung der gesamten Infrastruktur. Die Ausstellung spricht hier von „Vernetzung mit der Umgebung“ – Gentrifizierungsgegner dürften die ausgemalte Entwicklung weniger positiv beurteilen.

Auf einer etwas versteckt stehenden Tafel mit relativ kleiner Beschriftung sind außerdem „häufig gestellte Fragen“ zur Bebauung des Tempelhofer Feldes zusammengetragen worden. Bei der Beantwortung bemühen sich die Verantwortlichen wiederum um eine möglichst blumige Schilderung der „Stadt von morgen“ – trotzdem können einige Fakten den Betrachter durchaus stutzig werden lassen. Gemeint sind beispielsweise der in den neuen Quartieren zugelassene Autoverkehr oder die Abwälzung von Verantwortung auf Investoren – beispielsweise was die soziale Mischung oder die Planung von Generationswohnprojekten angeht.

Voraussichtliche Umweltauswirkungen

Eingehend setzt sich die Ausstellung im Flughafengebäude auch mit den Umweltauswirkungen des Bebauungsplans auseinander. Während die Lärm- und Luftschadstoffbelasgungen des Gebietes durch die Errichtung der neuen Quartiere sogar verbessert werden soll, gehen die Planer von einer Beeinträchtigung der Biotope auf dem Tempelhofer Feld durch die Quartiersentwicklung aus. Doch die Verantwortlichen meinen: „Die Planungen für Natur und Parklandschaft gleichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft, die durch die Bebauung entstehen, weitgehend aus“. Als ökologische Maßnahmen sind beispielswiese Dachbegrünungen, Grünstreifen für Verkehrsflächen und Baugrundstücke sowie Schutzgebiete für die Feldlerche geplant.

Außerdem wichtig zu wissen: Kleine Flächen für sogenannte „Pionierprojekte“ oder auch Urban Gardening sollen erhalten bleiben. Darüber hinaus sind eine Skateranlage sowie ein Nord-Süd-Fahrradweg geplant. Für Hunde soll es allerdings bald weniger Platz zum Toben geben. Vor den derzeit drei Hundeauslaufgebieten bleibt nur das am Haupteingang Tempelhofer Damm erhalten.

Über alle weiteren Pläne rund ums Tempelhofer Feld können sich Besucher von Montag bis Mittwoch ziwschen 9 und 18 Uhr, am Donnerstag von 10 bis 20 Uhr und am Freitag von 8 bis 16 Uhr im ehemaligen Transitbereich A2 (Eingang über Columbiadamm 10) informieren. Wer eine Stellungnahme zu den Plänen abgeben möchte, kann ausgefüllte Vordrucke in eine eigens aufgestellte Box einwerfen. Alle Stellungnahmen werden laug Senatsverwaltung „ausgewertet und abgewogen“.

Foto Galerie

Tempelhofer Feld, Columbiadamm 110, 10965 Berlin

Telefon 030 2000374

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Jahreszeitenabhängig, täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
März bis September ab 06:00 Uhr
Oktober, November & Februar ab 07:00 Uhr
Dezember & Januar ab 07:30 Uhr

Blick aufs Tempelhofer Feld.

Blick aufs Tempelhofer Feld.

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