Bürgerinitiative Bundesplatz

Die Mauern fallen!

Die Mauern fallen!
Auf dem Bundesplatz fallen die Mauern.
Lange Zeit fristete der Wilmersdorfer Bundesplatz ein Leben als verwahrloste Mittelinsel. Seit zwei Jahren setzen sich Bürger für die Verschönerung und Belebung des ehemaligen Schmuckplatzes ein.

Den Ausschlag für die Gründung der Initiative Bundesplatz gab Friedrich Drakes „Winzerin“. Der Bezirk plante, die Statue des berühmten Bildhauers, der auch die „Goldelse“ auf der Siegessäule schuf, vom Bundes- an den Rüdesheimer Platz zu verlegen. Der Plan sorgte vor zwei Jahren für Aufregung in der Nachbarschaft und man beschloss, einen Verein ins Leben zu rufen, der sich für die Interessen des Wilmersdorfer Kiezes einsetzen sollte.

Der Verbleib der „Winzerin“ war ein erster Erfolg des bürgerschaftlichen Engagements. Doch die beteiligten Anwohner geben sich damit noch lange nicht zufrieden. „Dies hier ist nicht als Grünanlage, sondern als Straßenbegleitgrün eingestuft“, berichtet Wolfgang Severin, der Vorsitzende der Initiative. Aus diesem Grund werden jährlich für die Instandhaltung des Geländes nur 40 Cent pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Über die Jahre verwahrloste der Platz damit zusehends. „Und er entwickelte sich zum Drogenumschlagplatz“, so Severin.

Um den Ort aufzuwerten, wurden im vergangenen Jahr 2000 Gewächse im westlichen Teil des Parks über dem Bundesplatz-Tunnel angepflanzt. 3500 Euro investierte man in die Aktion, berichtet Schatzmeister Friedrich Berghald. Im Rahmen der Pflanzaktion wurden über 20 Kubikmeter Humus auf dem Gelände verteilt. Auch zu Füßen der Winzerin entstand ein kleines Rundbeet. „Wir müssen den Leuten erst wieder bewusst machen, dass das hier ein Platz ist“, so Berghald. Täglich rauschen 20.000 Fahrzeuge durch den darunterliegenden Tunnel.

Doch je heller und schöner der Bundesplatz gestaltet wird, desto mehr kehren die Anwohner auf die Grünanlage zurück. Auch in diesem Jahr setzt sich die Bürgerinitiative deshalb für den Park ein. Diesmal ist sein Ostteil an der Reihe. Auch hier sollen neue Blumen und Sträucher gepflanzt und Parkbänke aufgestellt werden. Außerdem möchte man die Stadtreinigung davon überzeugen, weitere Mülleimer anzubringen. „Hier ist alles abmontiert worden, man hatte den Platz praktisch aufgegeben“, erzählt der Schatzmeister.

Die finanziellen Mittel für die Aktivitäten der 160 Mitglieder der Initiative Bundesplatz stammen aus Spendengeldern und Ehrenamtsmitteln des Bezirks. Auch der Abriss der Mauern kann damit unterstützt werden. Seit Montag sind Schüler des Oberstufenzentrums Bau mit dem Abtragen der verwahrlosten Eingrenzungen auf der östlichen und der westlichen Seite des Parks beschäftigt. In etwa drei Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Fußgänger haben Vorfahrt!

Auch wenn der Bundesplatz in neuem Glanz erstrahlt, will die Initiative weiterkämpfen und sich für eine Entschärfung des allgegenwärtigen Verkehrs stark machen. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde oder verschiedenen Fußgängerüberwegen hofft man, den durch die Bundesallee in zwei Teile gespaltenen Kiez wieder vereinen zu können. Auch die Einwohner des nahegelegenen Seniorenheims und Gäste der umliegenden Cafés sollen für den Bundesplatz begeistert werden.

Auf lange Sich möchte man das in den 60er Jahren gesteckte Ziel einer „autogerechte Stadt“ umkehren und den Kiez rund um den Bundesplatz vor allem für Fußgänger attraktiv machen. Wer sich engagieren möchte, ist im Rahmen der Aktion „Berlin – unsere saubere Stadt: Mach mit!“ am 15. September um 11 Uhr in die Wilmersdorfer Parkanlage eingeladen. Es werden Blumen gepflanzt, Mauerreste beseitigt und natürlich viele Geschichten über das Quartier ausgetauscht.

 

 

 

 

 


Quelle: Der Tagesspiegel

Die Mauern fallen!, Bundesplatz, 10715 Berlin

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