Burger, Bier und Partizipation

Neu in Treptow: Soli-Restaurant Neue Republik Reger

Neu in Treptow: Soli-Restaurant Neue Republik Reger
Das Gründungsteam der Neuen Republik Reger vor ihrem Restaurant-Bar-Kulturraum: Pit, Tatze und Lena mit Bar-Chefin Anastasia (v.l.).
Der Kunger-Kiez hat eine neue Anlaufstelle bei Durst, Hunger und Langeweile. In der Neuen Republik Reger gibt es vegane Burger, besondere Drinks für jeden Geldbeutel und alles, was du dir wünschst. Denn hier entscheiden alle zusammen über das Programm. Ein bisschen weltverbesserisch, ein bisschen sexy.

Burger, Bier, Bio, Bar, Bürgerbeteiligung – noch mehr Schlagworte gefällig, die die Neue Republik Reger in Alt-Treptow beschreiben? Wir hätten da auch noch was mit anderen Anfangsbuchstaben; regional, saisonal, nachhaltig, transparent, solidarisch, Disko und Nachbarschaftstreff zum Beispiel. Man merkt schon, die Macher wollen ganz viel unter einem Dach: die berühmte eierlegende Wollmilchsau, eine vegane und politisch links orientierte noch dazu.

Das Ideal von einer voll fairen und auch noch leckeren Kiezkneipe hat es Pit, Lena, Tatjana und ihrer Barchefin Anastasia angetan. Dank einem erfolgreichen Crowdfunding trifft jetzt tatsächlich Pits Erfahrung mit veganen Burgern auf Tatjanas Expertise für Solidargemeinschaften, Lenas Händchen für Kultur und Events und Anastasias Fachwissen in Sachen Drinks. Im Kunger-Kiez gestaltet dieser bunte Haufen seine ganz persönlich Mikrorepublik. Eine, die sexy, weil unterhalsam ist, die satt und bei Bedarf betrunken macht.

Das Rahmenprogramm ist dabei genauso wichtig wie tierleidfreie Burger und leckere Drinks. In der Partyzipationsecke liegen neben Büchern und Zeitungen auch Zettel und Stifte bereit, um Ideen für Freizeitangebote an die Wand zu pinnen. „Alle können selbst ihre Ideen und Talente einbringen“, erklärt Tatjana, die lieber Tatze genannt wird. „Wir bieten die Bühne für Workshops, Filmabende und so weiter und Hilfe bei der Eventplanung an.“ Bisher stehen Wünsche nach Single- und Strickabenden an der Wand, nach Swingabenden, Kartenspielen und Konzerten. Da zeigt sich schon das Problem an einem Ort, der für alle da sein möchte: Live-Musik am Abend steht im Konflikt mit dem Wunsch nach Ruhe ab 18 Uhr. Kein Problem, dann gebe es Live-Musik eben eher am Nachmittag, sagt Tatze. Man merkt, sie hat Bock auf diesen Mikrokosmos und Herzensort für alle, die mitmachen wollen. Und auch auf die nette Nachbarschaft: „Die Menschen sind sehr zugänglich, alle paar Stunden kommt jemand vorbei und fragt, was wir hier vorhaben. Und es ist richtig schön gemütlich“, sagt sie und grüßt während unseres Gespräches immer wieder in alle Richtungen.

Nicht schon wieder ein Hipster-Schuppen

Vorbehalte gegen die Neuen gibt es bei aller Neugier aber schon. „Hoffentlich wird das nicht so ein scheiß Hipster-Schuppen“, fasst Tatze die Befürchtungen zusammen und kann die Bedenken sogar verstehen – immerhin sitzt sie hier mit ihren Tattoos, einem auffälligen Kurzhaarschnitt, mit ihrer Bauchtasche und einem bunten, großen Ohrring. Aber das spielt keine Rolle fürs Konzept der Neuen Republik Reger, die bodenständig sein möchte und mit den Nachbarn auf Augenhöhe. „Ihr könnt zu uns kommen und wir kommen zu euch, dann gucken wir gemeinsam, was daraus wird“, erklärt Tatze die Herangehensweise ihres Teams. Das kann bieten, was die Nachbarn vermissen: mehr Kultur und eine Kiezkneipe.

Außenplätze in der Sonne vor der Neuen Republik Reger.

Freundschaft unter Nachbarn lässt sich natürlich genauso wenig aus dem Boden stampfen wie eine ganze Republik. Darum herrscht hier im Moment noch die so genannte Übergangsregierung. Heißt: Burger, einen Mittagstisch und Brunch gibt es erst ab Oktober, dafür jetzt schon vegane Hot Dogs, hausgemachten Kuchen und jeden Mittwoch ein rein pflanzliches Food Event. Die vom Vormieter übernommene Einrichtung wird in den letzten zwei Septemberwochen in einer Umbaupause auf den neuen sexy Stand gebracht. Bis dahin soll sich auch herauskristallisiert haben, in welche Richtung sich die Republik entwickelt, ob nun Futter, Cocktails oder Spieleabende im Vordergrund stehen werden.

Für Schnaps-Gourmets und arme Schlucker

Klar ist schon mal, Pit, Lena, Tatze und ihr Team kommen weder festgefahren noch mit der Moral-Keule um die Ecke. Stattdessen wird die Utopie von einer besseren Welt liebevoll und ganz nebenbei serviert. Alles, was es gibt, ist entweder besonders günstig oder Bio, auf jeden Fall rein pflanzlich und kommt, wenn’s geht, auch noch aus der Region. Das zeigt sich neben dem Food-Angebot auch in der Karte an der Bar. „Wir bieten mit Liebe ausgewählte Drinks an, keine großen Marken. Vielleicht kommen die Leute irgendwann zu uns, um hier das zu trinken, was es nicht überall gibt“, sagt Anastasia.

Neben lokaler Brause und Bier zum Spätipreis gibt es zum Beispiel frisch Gezapftes aus Neuköllns Rollberg Brauerei. Im Moscow Mule landet statt russischem Vodka ein Berliner Korn. Gin und Kräuterlikör liefert eine Brennerei aus Neukölln. Und statt mit Aperol wird der Spritz mit einem Berliner Rhabarber-Likör gemacht. Bald soll es auch Soli-Abende und Getränke geben, bei deren Verkauf der Erlös in gemeinnützige Projekte fließt. Und haben wir schon erwähnt, dass die Neue Republik Reger auch noch fahrradfreundlich ist? Wenn Platz ist, darfst du sogar in den Laden radeln. Es ist eben alles möglich an diesem neuen Ort. Jedenfalls für alle, deren Herz für eine in jeder Hinsicht gute Versorgung und eine Gemeinschaft schlägt, die sich lieb hat.

Liebe Leute, das war n richtig feines Auftackswochenende. Danke an die da waren und an alle die an uns gedacht haben.Liebste Nachbar:innen – dickes Tschuldigung. Jetzt wirds ersteinmal ein bisschen ruhiger.Dann an Adam: Großes Lob und besten Dank für dieses schöne Video!Ps: Unter der Woche haben wir ab 16:00 auf, am Wochenende ab 12:00. Gerade gibt es hin und wieder herzhafte Snacks. Es gibt immer: homemade Bananabread by Bob.

Gepostet von Neue Republik Reger am Freitag, 10. August 2018

Neue Republik Reger, Bouchestraße A 79, 12435 Berlin

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